Nr. 24, April 2000
 
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Handschrift, ill., 21. Jh.

Bei Donald Jackson (Foto) nimmt "das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" einen revolutionär neuen Sinn an: Er geht an Buchdruck und Computer vorbei zurück auf das Einmalige, das Unikat. Er stellt - fünfhundertfünfzig Jahre nach Gutenberg - eine Bibelhandschrift her.
Am 24. März 1999 schloß der offizielle "Königliche Schreiber" aus England den Vertrag mit seinem Auftraggeber, den Benediktinern und ihrer St. John University in Collegeville, Minnesota. Ein halbes Jar später hatte er die richtige Pergamentsorte gefunden. Vor drei Monaten war sein Kalligraphen-Team komplett (Sue Hufton, Richard Middleton, Tony Curtis und Brian Simpson). Am 21. Februar brachte er mit einem Gänsefederkiel, in handgerührter Tinte und in der von ihm selbst entworfenen Schrifttype (Foto) sein erstes Incipit auf die noch leere Seite: den Anfang des Johannes-Evangeliums. Im Jahr 2004 wollen seine Helfer und er das Werk vollendet haben: eintausend Text- und einhundertfünzig illuminierte Seiten in sieben Bänden.
Die Bibelstellen für die Abbildungen werden von einem theologischen Komitee ausgesucht sowie mit Kommentaren und künstlerischen Assoziationen angereichert. Jackson fertigt dann eine Bleistiftskizze an und legt sie dem Komitee zur Genehmigung vor. Die - übrigens multikulturellen und strikt ökumenischen - Themen der Abbildungen sollen nach Form und Inhalt die Moderne nicht aussparen (also kommen darin auch Comics und Weltraumfahrt vor).
"Die Bibel ist die höchste Herausforderung für einen Kalligraphen, unsere Sixtinische Kapelle", sagte Donald Jackson, "ich sehe jetzt, daß mein ganzes Leben nur die Vorbereitung auf diese Arbeit war."
Das Projekt finanziert sich ausschließlich durch private Spenden. Eine Million Dollar liegt schon bereit dafür. Jeder Sponsor, klein oder groß, wird im Werk genannt. Man kann zum Beispiel nur einen Vers sponsern ("unter tausend Dollar") oder eine Seite (tausend), eine Abbildungsseite (zehntausend) oder auch einen ganzen Band (zweihundertfünfzigtausend Dollar).
Und mit diesem in jedem Sinn einzigartigen Buch wird aus Collegeville, Minn., wie es im europäischen Mittelalter immer wieder geschah, eine begehrte Pilgerstätte - wenigstens für Bibliophile.

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