Nr. 23, März 2000
 
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Terror gegen Kritiker des Dalai Lama

Der bekannte Münchner Sekten- und Okkultismuskritiker Colin Goldner sieht sich seit Erscheinen seiner neuen Studie über den Dalai Lama (Abbildung) aus Kreisen dessen Anhängerschaft zunehmendem Psychoterror ausgesetzt: Nicht nur wird er mit Briefen und Anrufen teils unflätigsten Inhaltes bombardiert, selbst vor unverhohlenen Morddrohungen schreckt man nicht zurück. Ende September letzten Jahres wurde seinem Verlag ein Paket zugestellt, das auf eine Briefbombe hinzudeuten schien. Mittels eines großen Polizeiaufgebotes wurde das Verlagsgebäude abgeriegelt, ein Sprengstoffexperte des Landeskriminalamtes öffnete das Paket. Glücklicherweise enthielt es keine Höllenmaschine, sondern "nur" eine pestilent stinkende Mischung aus Fäkalien und Papier. Vor wenigen Tagen kam ein weiteres derartiges Paket beim Verlag an. Am zurückliegenden Wochenende erhielt Autor Goldner selbst eine großformatige Zusendung, die ein totes (und entsprechend übelriechendes) Huhn enthielt. Dem Huhn war - in offenbar ritueller Manier - der Kopf abgeschnitten worden.
Hintergrund des fortgesetzten Terrors ist offenbar die Aufdeckung krimineller - insbesondere auch pädophiler - Machenschaften innerhalb des tibetischen Buddhismus, die sich bis in höchste Kreise der geistlichen Würdenträger ziehen.
Fanatismus und Gewaltbereitschaft stimmen nicht mit dem Image überein, das der tibetische Buddhismus von sich zu kultivieren sucht. Vor allem im spendenfreudigen Westen gibt man sich tolerant, friedfertig, verständigungsbereit. Wie sich indes bei näherem Hinsehen zeigt, war und ist Gewalt (gegen Kinder, gegen Frauen, gegen Andersdenkende) wesensbestimmendes Merkmal gerade der tibetischen Variante des Buddhismus und seiner Vertreter.
Das Verlautbarungsorgan der bundesdeutschen Tibet-Unterstützerszene "Tibet Forum" setzte - ohne irgendwelche inhaltliche Auseinandersetzung - die wissenschaftliche Studie Goldners mit dem Nazi-Propagandablatt "Der Stürmer" (!) ineins und leistete damit fanatischen Gewaltreaktionen innerhalb der eigenen Anhängerschaft unverantwortlichen Vorschub.

 

Kafka I: Die Großnichte

Vorname: Kimberley. Nachname: Kafka. Beruf: Schriftstellerin. Wohnort: ein Kuhdorf in Wisconsin. Mit dem berühmteren Namensvetter verwandt oder verschwägert? Ja und nein.
Legal ist Otto Kafka, Kimberleys Großvater, tatsächlich ein Cousin von Franz Kafka (und manche Biographen Kafkas sind überzeugt, daß Otto, der frühe Einwanderer, für den Helden des Romans "Amerika" die Vorlage lieferte). Andererseits erfuhr Kimberley schon im Alter von acht Jahren von ihrer Schwester, daß sie, Kimberley, von den Eltern adoptiert worden war, weil ihre Mutter keine Kinder mehr bekommen konnte.
Nun ist die Sache eigentlich ganz unaufregend. Kimberley hat ihren Großonkel nicht nur nie getroffen, sondern alles, was sie über ihn weiß, erst aus Büchern während ihrer Schulzeit gelernt. Von einer jüdischen Vergangenheit war schon in der Generation ihres Vaters keine Rede mehr. Es waren schon keine Einwanderer mehr, die die Familie bildeten, es waren Amerikaner. Und was Kimberley schreibt, sind eher journalistische Kleinwerke und Fingerübungen, auch wenn jetzt erstmals ein Alaska-Roman darunter ist (Abbildung), der jetzt im Frühjahr herauskommen soll.


Kafka II: Der noch entferntere Verwandte

Wie Paul Kafka mit Franz Kafka verwandt ist, entzieht sich einer verständlichen Darstellung. Aber verwandt miteinander sind sie. Und Paul, dessen Vater Psychoanalytiker, Intellektueller und Österreicher war, wußte es schon als Kind. Und im Unterschied zu Kimberley wurde der heute New Yorker lebende Paul in der jüdischen Tradition erzogen.
Er hat bis jetzt einen Roman veröffentlicht: "Love. Enter". Mit der Prosa des berühmten Ahnen verbindet ihn aber nichts. Er bevorzugt andere litearische Vorbilder, etwa Virginia Woolf. Die "Verwandlung" nennt er "a wonderfully funny story". Nun ja.
Schöner ist es für ihn, wenn er in einem Nachtclub seinen Ausweis zeigt und gefragt wird: "Kafka? Irgendwie verwandt?" Das tut irgendwie richtig gut.
Und von der weit entfernten Verwandten Kimberley Kafka hat er noch nie gehört.


Die zweite Niederlage

Der Krimi-Schriftsteller Jeffrey Archer, der wegen einer kleinen Lüge schon seine Londoner Bürgermeister-Kandidatur zurückziehen mußte, verliert jetzt auch noch seine Mitgliedschaft in der Konvervativen Partei. Sie hat ihm, der es sogar einmal bis zum Stellvertretenden Parteivorsitzenden gebracht hatte, Anfang Februar schlicht den Stuhl vor die Tür gesetzt. Natürlich ist der Bestseller-Autor "enttäuscht". "Schreiend ungerecht" nennt er den Hinauswurf.
Der Vorwurf ist eine Lappalie (siehe Die Gazette 20, Dezember 1999). Aber es war seine Unaufrichtigkeit, "der Akt des Verbergens" (wie das Ethik-Komitee sagte), was die Vorwerfbarkeit der Angelegenheit noch erhöhte.
Man reibt sich die Augen: Unsere eigenen Konservativen schleichen immer noch in der Furcht des Herrn um den Nicht-mehr-Ehrenvorsitzenden herum.


Fromme Lektüre

Mit lauter Stimme las der Abgeordnete Jerry Denbo seinen Kollegen in Indianapolis die Zehn Gebote vor, eines nach dem anderen. Und er schloß mit den Worten: "Wenn irgendjemand von Ihnen meint, daß das schlechte Grundsätze sind, dann soll er gegen den Gesetzentwurf stimmen."
Der Entwurf sah vor, daß die Zehn Gebote in allen öffentlichen Gebäuden ausgehängt werden dürfen, also auch in Schulen. Mit zweiundneunzig gegen sieben Stimmen wurde der Entwurf angenommen und ist nun Gesetz im US-Staat Indiana.
Die Sache war und ist nicht unumstritten. Die Gegner der Aktion verweisen darauf, daß hier gegen den Grundsatz der Trennung von Kirche und Staat verstoßen werde. Liberale Organisationen wie die American Civil Liberties Union haben den Schritt bereits verurteilt. 1980 hat der Oberste Gerichtshof der USA die Werbung für eine bestimmte Religion in Schulen verboten.


Zum ersten, zum zweiten, zu drittem: P. G. Wodehouse

Unbekannte Bieter aus den USA erwarben die teuersten der P.-G.-Wodehouse-Erstausgaben, die am 18. Februar in London versteigert wurden. Dazu gehörten "Not George Washington" (ein Roman, bei dem P. G. Wodehouse sogar nur als Ko-Autor tätig war) für viertausendfünfhundert Dollar, "Leave it to Psmith" und "Enter Psmith", die zusammen für dieselbe Summe weggingen, aber auch "Love Among The Chickens", der erste Roman des Autors für Erwachsene: Er brachte fünftausend Dollar herein.
Die Bücher stammten aus einer privaten Sammlung, erklärte das Autionshaus Christie's.


Räubereien

In Deutschland selbst haben die Nationalsozialisten lediglich ein Drittel ihrer Raubkunst eingesammelt: zweihunderttausend Objekte, Bücher, Bilder, Plastiken, Gobelins.
Diese Zahl gab Jonathan Petropoulos bekannt, der Forschungsleiter der amerikanischen Präsidial-Kommission für Holocaust-Guthaben in den USA. Etwa hunderttausend Objekte kamen aus Westeuropa und dreihunderttausend aus Osteuropa und den Teilen der früheren Sowjetunion, die von der Wehrmacht zeitweise besetzt waren. Dreiundvierzig andere Staaten haben für solche Nachforschungen ähnliche Kommissionen eingesetzt.
Jonathan Petropoulos ist Professor für Geschichte in Kalifornien und der Autor eines Buches über den Kunstraub der Nationalsozialisten.


Wer rettete die Carnegie Hall?

Der Geiger Isaac Sterne (der dort mehr als einhundertfünfundfünzig Konzerte gab). "Wenn Sie da draußen vorbeigehen und schweigend horchen, dann hören Sie Toscanini, Horowitz, Heifetz, Bernstein, Anderson, wie sie Ihnen sagen: ‘Komm Kleiner, versuch's mal!' Sie stecken in den Mauern und heißen Sie willkommen."
So beschreibt der Achtzigjährige das berühmte Gebäude in seinem Buch "My First 79 Years". Im Mai 1960, nach dem Bau des Lincoln Center, dem neuen Haus für das New York Philharmonic Orchestra, sollte auf diesem Karree ein Bürohaus errichtet werden. Aber für Sterne war "die Carnegie Hall der heilige Gral", und er beredete die verantwortlichen Politiker so lange, bis zwei Gesetze erlassen wurde, nach denen die Stadt das Gebäude für fünf Millionen kaufte und dann an die neugegründete Carnegie Hall Corporation leaste. Isaac Sterne wurde zum ersten Präsidenten der Corporation gewählt. Er ist noch heute ihr Vorsitzender.


Eigenwerbung

Der chinesische Präsident Jiang Zemin feiert sich selbst: mit einem soeben erschienenen Buch, das ihn auf dieselbe Bedeutungshöhe bringen soll wie Mao Zedong oder Deng Xiaoping. So auch der unmißverständliche, wenn auch etwas lang geratene Buchtitel: "Mao Zedong, Deng Xiaoping und Jiang Zemin über Ideologie und politische Praxis". Es wurde allen staatlichen Angestellten und natürlich allen Parteimitgliedern zum Intensivstudium dringend empfohlen.
Der Hintergrund der Kampagne ist Jiangs Kampf gegen die Korruption mehrerer hoher Parteifunktionäre, die sich durch überhöhte Steuern, mafiose Schutzgelder oder schlichte Unterschlagungen einen luxuriösen Lebenswandel finanzierten.
Die Zeitungen jubeln den Buchautor entsprechend hoch: "Seit Genosse Jiang Zemin Generalsekretär wurde [1989], hat er unter völlig neuen historischen Bedingungen viele bedeutsame Darlegungen geschrieben, um die neue ideologische und politische Arbeit zu vervollständigen." Ganz offensichtlich will der Autor, heute dreiundsiebzig Jahre alt, als einer der großen chinesischen Ideologen in die Geschichte eingehen.
Ob da ein Buch reichen wird?


Unfrommer Wunsch

"Niemand hat die Berechtigung, dieses unabänderliche und göttliche Urteil zu widerrufen, das - so Gott will - vollstreckt werden wird."
Sprach Ayatollah Mohammed Yazdi am 18. Februar beim Freitagsgebet in Teheran. Das genannte und so innig beschworene Urteil ist die nun elf Jahre alte Fatwa gegen Salman Rushdie.
Immerhin in Nuancen anders sagte es vier Tage vorher Kamal Kharazi, der iranische Außenminister: Das Todesurteil für die "Satanischen Verse" bleibe in Kraft, von einem Widerruf könne niemals die Rede sein. Und immerhin bezeichnete er die Äußerungen einiger Ayatollahs als "nicht repräsentativ für die iranische Regierung".
Der so göttlich Verurteilte plant inzwischen, sein britisches Exil zu verlassen und in die USA zu gehen. Die Sunday Times berichtete, er habe sich in New York eine Wohnung gekauft.


Richter-Schelte

In Europa weiß kaum noch einer, wie der Richter hieß, der vor einem Vierteljahrhundert die Watergate-Prozesse führte und die berüchtigten Tonbänder als Beweismittel beschlagnahmte. In den USA jedoch gehört der Name John J. Sirica zur politischen Bildung. Und wenn jemand ihn beschimpft, kriegt er es mit John J. Sirica jr. zu tun.
Die Journalistin Renata Adler hatte eigentlich nur vor, ein Buch zum fünfundsiebzigjährigen Geburtstag der nicht mehr ganz so glanzvollen Zeitschrift "The New Yorker" zu schreiben (Titel: "Gone. The Last Days of The New Yorker"). In diesem Kontext kam sie dann kurz auch auf den Richter zu sprechen. Sie habe herausgefunden, schrieb sie, daß Sirica (gestorben 1992) im Widerspruch zu seinem Ruf als Held und Retter "eine korrupte, unfähige und unehrliche Figur" war - mit engen Verbindungen zu dem Kommunistenfresser Joseph McCarthy und zur Mafia.
Der Sohn nennt nun die Anwürfe "offenkundig absurd und falsch". Er will nur zugeben, daß sein Vater in den frühen fünfziger Jahren enge Verbindungen mit McCarthy pflegte. Die Autorin hält dagegen: "Natürlich kann ich die Behauptungen belegen, sonst hätte ich sie nicht hingeschrieben." Wann und wie sie sie belegen wird, behält sie im Augenblick noch für sich.
Juristisches Detail: Die USA haben kein legales Äquivalent zur Verletzung des Andenkens Verstorbener. Einen Toten kann man dort nicht beleidigen.


Zensur im Internet

Die Akronyme purzeln nur so: Eine der fünf Nachfolge-Organisationen des KGB (Komitee für Staatssicherheit), der FSB (Bundes-Sicherheitsdienst), hat jetzt die Aktion SORM (System operationaler Ausforschungsmaßnahmen) gestartet, um mit Hilfe einer speziellen Spionage-Software den russischen Internet-Surfern über die Schulter zu schauen. Die entsprechende Verfügung wurde von Präsident Putin, gerade mal fünf Tage im Amt, am 5. Januar unterzeichnet.
Schon bisher konnte der FSB das Briefgeheimnis ohne große Umstände unerlaufen. Jetzt aber soll im Überwachungsfall der gesamte E-Mail-Briefwechsel eines Internet-Nutzers nicht nur dem FSB, sondern zeitgleich an sechs weitere Institutionen weitergeleitet werden: an die Finanzbehörden, die Polizei des Innenministeriums, den Kreml selbst, die Sicherheitsbehörden des Parlaments, die Sicherheitsbehörden des Präsidenten, die Grenzpolizei und den Zoll. Es besteht Anlaß zu erheblichen Zweifeln daran, daß für diese massenweise und automatische Verbreitung privater Korrespondenz jedesmal die theoretisch nötige richterliche Genehmigung eingeholt wird.
Die Hardware-Kosten für den Weiterleitungsbetrieb muß jeder Internet-Provider auch noch selbst tragen. Die fälligen zwanzig- bis sechzigtausend Mark werden viele Provider in den frühen Bankrott treiben. Und wer nicht mitspielt, dem wird kurzerhand der Stecker rausgezogen. So bereits geschehen mit dem Provider Bayard-Slavia, der sich - als bisher Einziger - gegen die SORM-Aktionen ausgesprochen hatte.
Yelena Bonner: "Damit ist Rußland wieder zu einem Polizeistaat geworden."





Ihr Kommentar

Wie werde ich reich?

Bestimmt nicht, indem ich die Ratschläge in dem Buch "Wie werde ich reich?" befolge. Höchstens indem ich es schreibe.
Thomas J. Stanley hat dieses Prinzip begriffen und schreibt am liebsten über Millionäre. Mitte Februar kam sein neuestes Buch "The Millionaire Mind" heraus. Und es enthält Tröstliches.
Er hat nämlich herausgefunden, daß Intelligenz - jedenfalls schulische - überhaupt nicht nötig ist, um Millionär zu werden. Keiner der entausendreihundert von ihm untersuchten Fälle hatte besonders herausragende Schulnoten. Klar, es gibt ein paar Superschlaue inter seinen Millionären, aber die große Mehrheit gehört eher zum allenfalls befriedigenden Durchschnitt.
Was sie erfolgreich sein läßt, sind ganz andere Dinge. Diese Menschen sind, laut Stanley, vielleicht nicht besonders intelligent, aber dafür kreativ und praktisch veranlagt. Sie nehmen sich ein Ziel vor, gehen ein kalkulierbares Risiko ein, und dann arbeiten sie mehr als andere für dieses Ziel.
Der durchschnittliche Millionär ist vierundfünfzig Jahre alt, bleibt achtundzwanzig Jahre lang mit derselben - übrigens weitgehend selbstlosen - Frau verheiratet und hat drei Kinder. Er ist ehrlich, diszipliniert und freundlich zu seinen Mitmenschen.
Worauf warten wir also noch?


Zwangslektüre

Eine besorgte Mutter beschwerte sich in einem Brief an eine Hongkonger Zeitung darüber, daß ihre Tochter und alle anderen Schülerinnen einer Grundschule beim Eintreffen in der Schule sich erst einmal auf den Boden einer großen Halle setzen und ein Buch lesen müssen, bis der Unterricht beginnt. Während der Lektüre darf niemand aufstehen oder herumlaufen, sogar der Gang zur Toilette ist ein strafbarer Regelverstoß. Die Halle ist feucht und extrem heiß, der Boden schmutzig.
Das sei nicht nur ungesund, schreibt die Mutter, sondern so lerne auch niemand mit Freude lesen. Und das Unterrichtsministerium solle da doch mal nach dem Rechten sehen.
Finden wir auch.


Der Rächer der Muslime

Wenn die Bewohner der kenianischen Insel Lamu nicht Ernst August von Hannover hätten, müßten sie sich glatt selber helfen. So aber hat der Prinz nicht nur ein Haus auf der Insel, sondern auch die Interessen der dortigen Muslime im Sinn, wenn er mal einen Landsmann, den Unternehmer Josef Brunlehner z.B., niederschlägt; jene können sich nämlich vor diesem "nicht selbst schützen". Seit an Seite kämpft der Bruder des Adligen, allerdings an der publizistischen Front, und gibt ein Buch heraus. Es enthält zweihundertfünfzig - der über dreitausend - Mails aus allen Altersgruppen und Bevölkerungsschichten, die der Bruder nach der Schlägerei "spontan" erhalten hat. Angeblich ist das Werk mit dem beeindruckenden Titel "Die Welfen im Netz" eine "mitreißende Lektüre über das älteste Fürstenhaus Europas".


Was der Heckschütze zurückließ

Die B-29, die am 6. August 1945 die erste Atombombe der Menschheit auf die Menschheit losließ, hieß "Enola Gay" und George Robert Caron ihr Heckschütze. Er ist schon seit fünf Jahren tot, aber erst jetzt, Mitte Februar, sind seine Siebensachen versteigert worden: Fotos, Bücher, Kleidungsstücke und andere Memorabilia. Die Witwe, Cay Caron, legt Wert darauf, daß die Gegenstände zu Leuten kommen, "die die Historie zu würdigen wissen".
Damals hatte man dem Heckschützen im letzten Augenblick eine Kamera in die Hand gedrückt, mit der die später weltberühmten Fotos von dem Atompilz über Hiroshima machte.


Der Bücherklau geht um

Noch wagt sich niemand mit einer Verschwörungstheorie nach vorn, und so bleibt die erstaunliche Häufung von Kepler-Diebstählen ein erklärungsbedürftiges Phänomen. Sind es wirklich nur Nachfolgetäter, copy-cats, kleptomane Trittbrettfahrer? Jedenfalls wurde innerhalb weniger Jahre an weit auseinanderliegenden Orten gleich mehrere Erstausgaben von Keplers "De revolutionibus orbium coelstium" gestohlen.
Die einzelnen Fälle: In Krakau nahm ein Bibliotheksbenutzer das Buch mit auf die Toilette und verschwand. In der Nationalbibliothek in Kiew zeigte einer einen gefälschten Polizeiausweis her und beschlagnahmte das Exemplar. Der letzte Diebstahl geschah im Februar in St. Petersburg. Zwei weitere Exemplare wurden in der University of Illinois (Champaign-Urbana) und in einem wissenschaftlichen Institut in Stockholm gestohlen.


Kein Sex im All

Die NASA hat sofort und vehement dementiert, daß einer der vier Space-Shuttle-Flüge 1966 zur Erprobung möglichen Geschlechtsverkehrs unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit durchgeführt wurde.
Der französische Autor Pierre Kohler hatte in seinem jüngst erschienenen Buch ("The Last Mission") unter Beurufung auf ein NASA-Dokument namens 12-571-3570 so etwas behauptet. Angeblich wurde mit zehn Positionen experimentiert; sechs davon verlangten einen aufblasbaren Tunnel, für die übrigen vier genügte laut Kohler die klassische Umarmung.
Und das alles in einem einzigen NASA-Dokument?


Wie wird man John Lennon los?

Die Forderung nach Freigabe der John-Lennon-Papiere geht auf das Jahr 1983 zurück. Damals schon verlangte John Wiener Einsicht in alle FBI-Dokumente, die sich auf John Lennon beziehen. Wiener ist Historiker und Autor des Buches "Gimme Some Truth. The John Lennon FBI Files", das vor zwei Monaten in Berkeley herauskam. Seine Forderung wurde auch erfüllt - obwohl darunter Seiten waren, die von der ersten bis zur letzten Zeile offiziell eingeschwärzt und unleserlich gemacht waren. Aber zehn Seiten wurden damals nicht herausgegeben, angeblich weil eine "ausländische Regierung", von der die Dokumente stammten, um weitergehende Geheimhaltung gebeten hatte. Es liegt nahe, hinter der ausländischen Regierung - wenn überhaupt jemanden - Großbritannien zu vermuten
Wieners langer Kampf hat sich gelohnt. Ende Februar hat ein Bundesgericht der USA die Herausgabe auch der letzten zehn Seiten angeordnet; darunter sind das Transkript eines Telefongesprächs und zwei Briefe.
Man vermutet, daß die Regierung Nixon den Musiker wegen seines Widerstands gegen den Vietnam-Krieg überwachte - und mit dem Ziel, ihn daraufhin als unerwünschte Person ausweisen zu können.


Sich umbringen - aber wie?

Derek Humphry ist der Gründer der "Schierlings-Gesellschaft" und der Autor eines Bestsellers mit dem Titel "Final Exit". Und der Kommentator eines Videofilms, in dem er zeigt, wie er seiner ersten Frau nach unerträglich gewordenen Krebs-Schmerzen dabei hilft, sich ein tödliches Gift in ihren Kaffe zu rühren. Er zählt des weiteren andere geeignete Gifte auf, die einen sanften Tod ermöglichen, und wie man sie am besten mit Apfelsaft verrührt.
Das Video wurde Anfang Februar in Oregon ausgestrahlt, ohne daß es besonderes Aufsehen erregte. "Da wir immer mehr zu einer alternden Gesellschaft werden", so die Stellungnahme der für die Sendung Verantwortlichen, "sollten Themen wie Tod, Sterben und chronischer Schmerz in aller Offenheit diskutiert werden." Trotzdem: Der Gouverneur hofft, daß keine weiteren Sendungen mit dem Video veranstaltet werden und Zeitungsredaktionen mit dem Material "äußerst besonnen" umgehen. Es sei "grob unverantwortlich", einen derartigen praktischen Ratgeber für Selbstmörder im Fernsehen auszustrahlen.
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In memoriam

Zitate aus Charles Schultz' Buch "Charlie Brown. Snoopy and Me":
- "Ich habe nie Kinder als mein hauptsächliches Publikum angesehen. Die wahren Fans sind die Erwachsenen, denn sie erinnern sich daran, wie es war, als sie noch Kinder waren, und sie können mit den ‘Peanuts' viel mehr anfangen als kleine Kinder."
- "Man kann aus Glück keinen Humor machen."
- Über seinen Hund Spike, der ihn zu Snoopy inspirierte: "Eines Tages habe ich mal gezählt und festgestellt, daß Spike einen Wortschatz von mindestens fünfzig Wörtern hatte. Man konnte ihm sagen: ‘Spike, möchtest du nicht eine Kartoffel? Warum gehst du nicht runter und holst dir eine?' und er, er ging sofort in den Keller und steckte seinen Kopf in den Kartoffelsack und kam mit einer Kartoffel wieder rauf."
- "Von allen Dingen in meinen Zeichnungen bin ich auf die Schmusedecke von Linus besonders stolz. Vielleicht habe ich den Ausdruck nicht erfunden, aber ich stelle mir gern vor, daß ich ihn der Sprache heimisch gemacht habe."



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