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Vom Glück, Amerikaner zu sein Gegen Ende des Films von Roberto Benigni "Das Leben ist schön" rollt ein riesiger Panzer auf das Gelände des von der SS geräumten Konzentrationslagers und kommt eine Handbreit vor dem kleinen Jungen zum Stehen, der das Inferno als Einziger überlebt hat. Die Luke öffnet sich und das Kind wird von einem Mann auf den Turm des Tanks gehievt, der die ideale Verkörperung des amerikanischen Befreiers darstellt: der Krieg hat auf seinem entspannten Gesicht keine Gravuren hinterlassen, die Kakhiuniform ist fleckenlos und leger, das breite, ausgeruhte Lächeln tilgt die Furcht des Überlebenden in Sekundenbruchteilen. Wenn es für europäische Nachkriegskinder Frei von jeder Gepreiztheit beginnt und endet das Buch mit einem leidenschaftlichen Bekenntnis zum Verzehr von Speiseeis. Meditationen über die mit Cowboystars versehenen "Dixie Cups" und die "Golden Glows" im Pappcontainer, legen Erinnerungsspuren frei, die im Sinne von Prousts Madeleine in die Welt einer russisch-jüdischen Einwandererfamilie führen, die es nach Ende des Ersten Weltkriegs nach Coney Island, den größten Rummelplatz der Welt, verschlagen hat. Unter der Führung der Mutter, einer gütigen und energischen Matriarchin, findet für Joseph und seine Halbgeschwister die Einübung in ein maßvolles Leben statt, in dem niemand über die Stränge schlägt und das Jammern als Zeichen schlechten Stils gilt: "Wir waren Kinder aus armen Familien, wußten es aber nicht. Ich glaube nicht, daß ich mich selbst je im Leben als unterprivilegiert gesehen habe, als jemanden, der das nicht besaß, was er eigentlich erwarten durfte." An die stillschweigende Übereinkunft, nach dem frühen Tod des Vaters Gespräche über "traurige Dinge" zu vermeiden, hat sich Joseph Heller gehalten: das Glück der Teilhabe am American way of life überstrahlt alle Beschädigungen, Mißhelligkeiten und Assimiliationskonflikte. Daß Immigranten jüdischer Herkunft bestimmte Viertel meiden mußten, daß ihnen der Zutritt zu einer Reihe von Sportvereinen verwehrt wurde, daß sich der junge Mann in der Fabrik, in der er vor seiner Einberufung zur Luftwaffe arbeitete, des Schutzes "eines großen starken breitschultrigen Gojs" versichern mußte, um zu überleben, verschwindet in Nebensätzen und dokumentiert die unbedingte Bereitschaft, die Erinnerung in den Dienst der Aussöhnung mit einer Welt zu stellen, der er alles zu verdanken hat. "Einst" war Joseph Heller ein tapferes vaterloses Kind am Rande eines Vergnügungsparks, jetzt ist er ein berühmter Schriftsteller, der sich die Freiheit herausnimmt, den Nachhall des privaten Unglücks in gänzlich unprätentiöse Vignetten zu fassen und den Zauber, der jedem Anfang innewohnt nicht durch "systematische Nachforschungen zu zerstören." Der Autor, der mit entwaffnender Offenheit bekennt, daß er sich von der neurotischen Unart des Fingernagelkauens seit dem Verlust des Vaters nie gänzlich befreien konnte, verfügt andererseits über die Souveränität, sich als Besatzungssoldat in dem Licht zu zeigen, daß ihn in den Augen des Literatur- und Filmliebhabers zum Amerikaner par excellence befördert: "Ich hatte meine Mittelmeebräune, war gesund, sah gut aus, war bescheiden." Der glückliche Amerikaner ist im November 1999 gestorben. Jakob Sorger Joseph Heller |
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