Nr. 23,März 2000
 
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Ein Atem, der nicht schadet

Gefunden jüngst in einer Monatszeitschrift der deutschen Ultrarechten: eine Buchbesprechung, flügellahm, aber unbeirrt bemüht, viele lange Wörter und doch konfus (Auszüge).

Bei aller Luzidität seiner Analyse verkennt Schwab jedoch die Wirkungsmöglichkeiten fundamentalistischer Radikalopposition in der Bundesrepublik. Da hilft es wenig, die Protagonisten der heutigen NPD mit ihrer Präferenz für einen nationalen Sozialismus im Windschatten der alten 48er-Revolutionäre zu verorten; da hilft auch die Forderung wenig, wonach eine "nationalistische Partei" eine "neue politische Ordnung von Volk, Staat und Verfassung" zu propagieren habe. Denn selbst für einen mühseligen Marsch durch die Institutionen geben solche Handlungsanweisungen wenig her. Fundamentalopposition allein reicht nicht, um irgendwann an die Hebel der Macht zu gelangen. Im übrigen geht Schwab, was angesichts der Stringenz seiner Gedankenführung um so schmerzlicher auffällt, einer Uralt-Falle des "Systems" auf den Leim, indem er sich auf die völlig überflüssige Konfliktstellung zwischen vermeintlich "alter Rechter" und "neuem Nationalismus" einläßt - jugendliches Revoluzzertum ist schließlich ebensowenig wie Alter ein Makel. Und warum ständig das ostentative Bekenntnis zum "Nationalismus"? Weiß Schwab, der immerhin eine Koryphäe der Verhaltensforschung wie I. Eibl-Eibesfeldt im Literaturverzeichnus anführt, nicht, daß alle "Ismen" unzulängliche Vehikel der Auseinandersetzung sind, weil ihnen der "unausrottbare Fehler der Grenzüberschreitung ‘nach oben'" (K. Lorenz) anhaftet?
Schwab hat sich mit seinem Werk zweifellos Meriten um eine schonungslose Bestandsaufnahme der gegenwärtigen deutschen Rechts-Szene erworben. Auch mit seinem Vorschlag, eine künftige nationale Politik auf die drei "Bausteine" nationaler Identität, nationaler Souveränität und nationaler Solidarität zu gründen, hat er einen erfreulich präzisen Beitrag zur Programmdiskussion des sogenannten "nationalen Lagers" geleistet. Daß er sich nicht scheut, in seine Lageanalyse auch die Sichtweisen von Marx und Engels einzuarbeiten, weist ihn als klarblickenden strategischen Kopf aus, dem es um die ernsthafte Durchdringung von Sachfragen, nicht um engstirnige Parteipolitik geht.

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