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Alexandra Simon
Kleine rechte Wortkunde
Am 19. Februar, während der rauschhaften Wiederwahl Roland Kochs
zum Landesvorsitzenden, bezeichnete Dr. Franz Josef Jung, Chef der hessischen
Staatskanzlei, die Hessen-CDU als "Kampfgemeinschaft". Die
schüchterne Erwiderung des Phoenix-Reporters, dies sei "ein
gefährlicher Begriff", ging im Lärm der Kampfgemeinschaft
unter, jedenfalls nahm Jung ihn nicht zur Kenntnis.
Mit Recht.
Denn "gefährlich" kann der Begriff schon deshalb nicht
sein, weil er vor allem in harmlosen Männerbünden wie etwa
dem Ringer-Verein Siegfried/Nordwest üblich ist und es dort sogar
zur geläufigen Abkürzung "KG" gebracht hat. Und
ganz wie CDU träumt auch die KG Siegfried Nordwest vom Wiederaufstieg
(in die zweite Liga: "Wir werden um die Qualifikation kämpfen
und dann muß auch ein neues Marketing her!"). In diesem Sinn
hat die KG CDU also etwas durchaus erfrischend Sportliches.
Anderswo wird das Wort sogar von der Evangelischen Kirche nicht gescheut,
deren Sekten- Informationsstelle das so genannte "Engelwerk",
auch Corpus Operis Angelorem oder COA, als "mystische Kampfgemeinschaft"
bezeichnet. Das hat nun vielleicht nichts mehr mit Sport zu tun. Ist
aber aber auch nicht gefährlich im Sinne des Phoenix-Reporters.
Daß der Begriff in der sicher demokratischen Bundeswehr eine -
übrigens verblüffend kleine - Rolle spielt, versteht sich
von selbst. Unter den offiziellen "Stichworten zur Sicherheitspolitik"
ist er nicht aufgezählt, erst bei den Erläuterungen zur Marine-Ausbildung
taucht er einmal im Text auf ("ihr Ziel ist die als Kampfgemeinschaft
einsatzfähige Besatzung"). Also noch nicht mal im Militärischen
kommt der Begriff so richtig gefährlich daher.
Wir wissen aber schon, worauf der Reporter hinauswollte: Nach dem gern
gebrauchten Vorwurf "Nazisprache" streckte er die Hand aus.
Aber da hätte er sich nun erst recht und gründlich vergriffen.
Es ist eine kaum bekannte Tatsache, daß sich schon die Bayerische
Staatspartei in ihrer Satzung von 1967 stolz zur "politischen Kampfgemeinschaft
für Bayern" ernannte. In gewissermaßen neuzeitlicher
Aufweichung hat dann ja auch die CSU diese Selbststilisierung übernommen,
wenn sie sich in ihrem derzeitigen Grundsatzprogramm unter dem schönen
Punkt 12 ("Die CSU ist die lebendige politische Heimat für
unser ganzes Volk") nicht nur als "erfolgreiche moderne Partei",
sondern entschlossen als "politische Überzeugungs- und Kampfgemeinschaft"
bezeichnet. Und schließlich wird man wohl daran erinnern dürfen,
daß die SPD selbst sich einst als "Kampfgemeinschaft"
anbiederte, wenn auch "für Demokratie", aber immerhin
auch "für Sozialismus" - in ihrem Görlitzer Programm
von 1921. Man stelle sich vor: die SPD! Und weiter draußen auf
dem linken Rand forderte noch 1997 die - wie jeder weiß - kommunistisch
gesteuerte VVN dazu auf, sich in ihre "Kampfgemeinschaft"
"einzureihen".
Demgegenüber fallen ein paar versprengte Rechtsgrüppchen,
die ebenfalls mit diesem Begriff arbeiten, kaum noch ins Gewicht.
Etwa das "National Journal", das sich gleich im Untertitel
"Kampfgemeinschaft gegen antideutsche Politik" nennt und daher
auch mal einen Leserbrief erhält, in dem zehn Elternpaare, die
- unter der originellen Überschrift "Schwindlers Liste"
- gegen die Zwangsverpflichtung eines schulischen Filmbesuchs protestieren,
sich als "recht illustre Kampfgemeinschaft" vorstellen. Gemeint
von dem Reporter war vielleicht auch eine neuheidnische Rockergruppe
mit dem Namen "Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft".
Womöglich hatte der Einwender sogar die Jungen Nationaldemokraten
und ihre Selbstbezeichnung "politische Kampfgemeinschaft"
im Sinn. Vielleicht, wer weiß, hatte er auch nur den Klappentext
von "General a.D." Felix Steiners Buch "Die Armee der
Geächteten" gelesen, in dem nicht bloß von "Charakter,
Haltung, Ausbildung und Zucht" der Waffen-SS die Rede ist, sondern
irgendwo halt auch mal von einer "Kampfgemeinschaft". Oder
er hatte etwas von der "europäischen Kampfgemeinschaft"
gehört, die laut einer Rezension von Franz Schönhubers neuestem
Werk "Europas Patrioten - Die Eurorechte: Chance oder Illusion?"
dringender denn je gebraucht wird.
Und das alles, von den sportlichen Ringern über die lebendige CSU-Heimat
zu Schönhuber, soll jetzt gefährlich sein? Ach, armer umnachteter
Reporter!
Die CDU hat jetzt wahrlich um vieles zu kämpfen: um Vertrauen,
um Mitglieder, um Wählerstimmen, um Geld (ja, Geld!, das fehlt
ihr - nach dem Ehrenvorsitzenden - ja doch am schmerzlichsten). Da soll
sie sich ruhig als Kampfgemeinschaft verstehen.
Denn wenn sie denken könnte, würde sie sich ja wohl "Denkgemeinschaft"
nennen. Und haben Sie vielleicht schon mal ein so blödes Wort gehört?
Na also.
Ihr
Kommentar
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