Nr. 23, März 2000

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Ein Pakt zwischen Macht und Sprache

Nicht oft wurde ein Sprachlehrbuch so imperialistisch vermarktet wie die "Gramática Castellana", veröffentlicht im Jahr der ersten Kolumbus-Reise 1492. Im Vorwort bietet der Autor Elio Antonio de Nebrija seiner Königin eine Allianz zwischen "armas y letras" an. Ein solcher Pakt zwischen Königtum und Sprachunterricht, meint er, garantiere einen leichter zu kontrollierenden und immerwährenden Bestand des Reiches.
Im zweiten Absatz wendet sich Nebrija, fünfzig Jahre vor dem Erscheinen des ersten "Index der verbotenen Bücher", gegen das Überhandnehmen der neumodischen, in großer Zahl gedruckten Bücher.
Schließlich, und in diesem Punkt ist Nebrija wirklich originell, entwirft er die historisch erste Ideologie eines entschlossenen Kulturexports.

Dieser vereinigte und souveräne Körper wird von solch einer Gestalt und einem inneren Zusammenhalt sein, daß Jahrhunderte ihn nicht auflösen können. Jetzt, da die Kirche gereinigt worden ist und wir dadurch mit Gott versöhnt sind, jetzt, da die Feinde des Glaubens von unseren Waffen besiegt worden sind, jetzt, da gerechten Gesetzen Geltung verschafft wird, die uns allen ermöglichen, als Gleiche zu leben, bleibt nur mehr das Blühen der friedlichen Künste. Und unter den Künsten sind es vor allem die der Sprache, die uns von den wilden Tieren unterscheiden; Sprache, die einzigartige Auszeichnung der Menschen, das Mittel zur Erkenntnis, das einzig von der Meditation übertroffen werden kann. ...
Euer Majestat, mein stetes Verlangen ist, unsere Nation groß werden zu sehen und die Menschen meiner Zunge mit Büchern auszustatten, die ihrer Muße wert sind. Gegenwärtig vergeuden sie ihre Zeit mit Novellen und phantastischen Geschichten, die voll von Lügen sind. ...
Nun, Euer Majestät, laßt mich auf den letzten Vorteil zu sprechen kommen, den Ihr aus meiner Grammatik gewinnen werdet. Zu diesem Behufe entsinnt Euch der Zeit, als ich Euch früher in diesem Jahr in Salamanca einen Entwurf dieses Buches überreichte. Damals fragtet Ihr mich, welchem Zweck solch eine Grammatik denn dienen könne. Hier unterbrach uns der Bischof von Ávila, um an meiner Statt zu antworten. Was er sagte, war dies: "Bald wird Euer Majestät vielen Barbaren Ihr Joch auferlegt haben, die in fremdartigen Zungen reden. Durch diesen Euren Sieg geraten diese Menschen in eine neue Bedürftigkeit; sie bedürfen der Gesetze, die der Sieger dem Unterworfenen schuldet, und sie bedürfen der Sprache, die wir mit uns bringen werden." Meine Grammatik wird dazu dienen, ihnen die kastilische Zunge zu verleihen, so wie wir mit Hilfe von Grammatik unsere Jungen in Latein unterrichtet haben.

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