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Ein Pakt zwischen Macht und Sprache
Nicht oft wurde ein Sprachlehrbuch so imperialistisch
vermarktet wie die "Gramática Castellana", veröffentlicht
im Jahr der ersten Kolumbus-Reise 1492. Im Vorwort bietet der Autor
Elio Antonio de Nebrija seiner Königin eine Allianz zwischen "armas
y letras" an. Ein solcher Pakt zwischen Königtum und Sprachunterricht,
meint er, garantiere einen leichter zu kontrollierenden und immerwährenden
Bestand des Reiches.
Im zweiten Absatz wendet sich Nebrija, fünfzig Jahre vor dem Erscheinen
des ersten "Index der verbotenen Bücher", gegen das Überhandnehmen
der neumodischen, in großer Zahl gedruckten Bücher.
Schließlich, und in diesem Punkt ist Nebrija wirklich originell,
entwirft er die historisch erste Ideologie eines entschlossenen Kulturexports.
Dieser vereinigte und souveräne Körper wird von solch einer
Gestalt und einem inneren Zusammenhalt sein, daß Jahrhunderte
ihn nicht auflösen können. Jetzt, da die Kirche gereinigt
worden ist und wir dadurch mit Gott versöhnt sind, jetzt, da die
Feinde des Glaubens von unseren Waffen besiegt worden sind, jetzt, da
gerechten Gesetzen Geltung verschafft wird, die uns allen ermöglichen,
als Gleiche zu leben, bleibt nur mehr das Blühen der friedlichen
Künste. Und unter den Künsten sind es vor allem die der Sprache,
die uns von den wilden Tieren unterscheiden; Sprache, die einzigartige
Auszeichnung der Menschen, das Mittel zur Erkenntnis, das einzig von
der Meditation übertroffen werden kann. ...
Euer Majestat, mein stetes Verlangen ist, unsere Nation groß werden
zu sehen und die Menschen meiner Zunge mit Büchern auszustatten,
die ihrer Muße wert sind. Gegenwärtig vergeuden sie ihre
Zeit mit Novellen und phantastischen Geschichten, die voll von Lügen
sind. ...
Nun, Euer Majestät, laßt mich auf den letzten Vorteil zu
sprechen kommen, den Ihr aus meiner Grammatik gewinnen werdet. Zu diesem
Behufe entsinnt Euch der Zeit, als ich Euch früher in diesem Jahr
in Salamanca einen Entwurf dieses Buches überreichte. Damals fragtet
Ihr mich, welchem Zweck solch eine Grammatik denn dienen könne.
Hier unterbrach uns der Bischof von Ávila, um an meiner Statt
zu antworten. Was er sagte, war dies: "Bald wird Euer Majestät
vielen Barbaren Ihr Joch auferlegt haben, die in fremdartigen Zungen
reden. Durch diesen Euren Sieg geraten diese Menschen in eine neue Bedürftigkeit;
sie bedürfen der Gesetze, die der Sieger dem Unterworfenen schuldet,
und sie bedürfen der Sprache, die wir mit uns bringen werden."
Meine Grammatik wird dazu dienen, ihnen die kastilische Zunge zu verleihen,
so wie wir mit Hilfe von Grammatik unsere Jungen in Latein unterrichtet
haben.
Ihr
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