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Totalitär? Noch nicht.
Das Schnütchen täuscht. Dieser kußbereite Stulpenmund
zwischen den Plusterbacken ist keine Barbie-Puppe, sondern ein Politiker,
der es bei dem gegenwärtig besinnungslosen Zustand der CDU noch
weit bringen wird.
Gut charakterisiert hat sich der xenophobe Roland Koch bereits mit einer
schmuggelfinanzierten Anti-Ausländer-Kampagne. Seinen jüngsten
Sieg hat er zwar seiner Landesjustiz zu verdanken, aber das paßt
ins Bild einer Partei, die bei ihrer Gewissenserforschung über
das täglich mehrmalige Abbeten des Wortes "schmerzlich"
nicht hinausgekommen ist. Was den Landesvorsitzenden so aufgeblasen
glücklich aussehen läßt: Die hessische Staatsanwaltschaft
hat Ende Februar festgestellt, daß "die Abgabe eines inhaltlich
unzutreffenden Rechenschaftsberichts nach dem Parteiengesetz nicht strafbar"
ist. Wörtlich so hatten ja auch die rabulistischen CDU-Anwälte
nach Thierses Strafmaßverkündung argumentiert. Schon darüber
kann man sich nur wundern. Parteien bräuchten sich demnach über
den ordnungsmäßigen Inhalt ihrer Rechenschaftsberichte keine
Gedanke mehr zu machen. Sie müßten, im Extremfall, nur irgendwas
einreichen, wo außen "Rechenschaftsbericht" draufsteht.
Da fragt man sich: Dürfen auch wir Bürger nun irgendwelche
Steuererklärungen abgeben, egal wie falsch sie sind, wie verlogen
- Hauptsache, wir haben sie rechtzeitig abgegeben?
Es kommt aber noch schlimmer. Was die Strafverfolgungsbehörde dem
CDU- Landesvorsitzenden bei seiner Lüge als Entlastung anrechnet,
ist die bis vor kurzem höchstens politisch, jetzt aber auch juristisch
relevante Bewertung, Koch habe im Rahmen seiner Treuepflicht durch seine
Fälschung "weiteren politischen Schaden" von seiner Partei
abwenden müssen. Nochmal, weil es so unglaublich klingt: Koch mußte
durch eine Fälschung Schaden von der Partei abwenden. Betrug und
Lüge sind also einem Politiker erlaubt, wenn er damit nur Schaden
von seiner Partei abwendet. Im Klartext: Das Recht schützt nicht
mehr die Wahrheit, sondern die Partei, und die Partei, die Partei, die
furchtbar christliche Partei hat immer recht, auch wenn sie lügt.
An dieser Stelle fragt man sich nun nicht mehr, hier kriegt man es mit
der Angst. Derart fanatisch, wie es hier zu Gunsten der CDU ausgelegt
wird, hatten wir uns das tatsächlich so genannte Parteienprivileg
bisher nicht vorgestellt. Dürfen die Partei und ihre Führung
schon wieder mal alles? Und wie lange dauert es, und du bist nichts,
dein Volk ist alles?
Vielleicht erinnert man sich hier auch noch an den rhetorischen Trick,
mit dem Roland Koch "sich entschuldigte", will sagen: alle
Schuld mit eigener Hand von sich abstreifte. Die Fälschung, sagte
er - das Ergebnis seiner Staatsanwaltschaft vorausahnend, sei "womöglich
juristisch korrekt" gewesen, nur "politisch nicht korrekt".
Die Wortwahl ist von bewußter Hinterhältigkeit: "Politische
Korrektheit" ist, aus ganz anderen Zusammenhängen, so hochgradig
negativ besetzt, daß etwas, was gegen solche politische Korrektheit
verstößt, doch nun wirklich nichts Böses sein kann!
Gegen die "politische Korrektheit" zu handeln, ist vielleicht
sogar geboten, auf jeden Fall genauso notwendig wie die Abwendung weiteren
Schadens von der Partei. Und daraus will man ihm, dem Schadensabwender,
nun einen Strick drehen? Er hat schließlich für die Partei
gelogen, und die Partei (siehe oben).
Wir brauchen den Österreichern ihren Haider nicht zu neiden. Wir
haben die unseren schon in ihren Stellungen. Wer den brutalstmöglichen
Hessen bei seiner Wiederwahlrede erlebt hat, bekam eine Ahnung, wohin
er führt. Die Partei will nicht nur die "haben", rief
er laut, die ihr noch nahestehen, nein, sie will auch noch die vielen
anderen haben, die ihr nach der fortgesetzten Lügerei nicht mehr
so recht über den Weg trauen. Und dann, hineingeschrien in den
aufbrandenden Jubel seiner Parteifreunde: "Wir wollen sie alle
haben!" Alle. Haben.
Es klang beängstigend wie: Wir kriegen euch noch alle!
Anatol
Ihr
Kommentar

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