Nr. 22, Februar 2000
 
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Entsorgung per Wörterbuch

Vor vierzig Jahren prophezeiten maßgebliche Feuilletons die Spaltung der deutschen Sprache in Deutsch-Ost und Deutsch-West. Für Kenner der Materie bestand diese Gefahr nie. Und jetzt, nachdem die DDR untergegangen ist, gehen auch noch all die Wörter unter, mit denen Dinge bezeichnet wurden, die es nicht mehr gibt. Sie gehen zu Recht unter.
Andererseits ist es womöglich verdienstvoll, das nicht mehr benötigte Vokabular museal zu entsorgen, indem man es in ein eigenes Wörterbuch steckt. Dadurch wird eine Etappe der deutschen Sprachgeschichte dokumentiert, wie randständig auch immer.
Unwissenschaftlich, dafür fleißig hat der in Erfurt geborene Ingenieur Stefan Sommer mehr als tausend meist nicht mehr gebräuchliche DDR-Worter aufgelistet: von "Altstoffsammlung" bis "Zirkel schreibender Arbeiter". Gelegentlich werden die bezeichneten Gegenstände dem Westler sogar erläutert (etwa wieviel Gramm ein Broiler hat oder weshalb ein "Tramper", ein bestimmtes Schuhwerk, als Protest gegen das Regime verstanden wurde). Und vielleicht interessiert ja auch mal irgendeinen Historiker, was es mit Persipan oder Forumscheck auf sich hatte, was in Traditionszimmern und Frauenruheräumen los war.
Die Sammlung soll, nach den lyrischen Worten des Autors selbst, den "Dabeigewesenen" als Spiegel dienen, um sich - masochistisch? - wieder an das Leben in den "Mühen der Ebene" zu erinnern.
Nostalgie hat eben viele Seiten, auch die dreihundertfünfzig im "Lexikon des DDR-Alltags".

 

Welche Bücher Autoren nicht lesen

Alain de Botton, der Autor von "Wie Proust Ihr Leben verändern kann" hat natürlich, als einer von wenigen, die "Verlorene Zeit" gelesen; aber gerade das, sagt er, habe ihn abgehalten, einen anderen als "schwierig" geltenden Autor zu lesen, nämlich Tolstoi.
Julian Barnes hat nie "David Copperfield" gelesen, den er in drei verschiedenen Ausgaben besitzt, und hat deshalb "ein schlechtes Gewissen". Er meint aber auch, man sollte kein Buch nur aus Pflichtbewußtsein lesen.
Amanda Foreman ist über das erste Kapitel von "Tristram Shandy" nicht hinausgekommen, ohne zu wissen, warum eigentlich (den "Ulysses", obwohl mühsam, hat sie dagegen mit Vergnügen geschafft).
Ian Rankin ("Verborgene Muster") hat ebenfalls den "Ulysses" gelesen, nicht aber den "Fänger im Roggen", "Finnegans Wake", "Romeo und Julia" oder auch nur irgendetwas von Proust.
Malcolm Bradbury ("Der Geschichtsmensch") nennt als die unmöglichste seiner Lektüren ein Sachbuch: Gibbons "Niedergang und Fall des Römischen Reiches". Statt dessen liest er lieber "Finnegans Wake", und zwar mehrmals hintereinander.
Polly Samson ("Kissenschlacht") wünscht sich, die Bibel zu lesen, hat die Idee dazu auch noch nicht ganz aufgegeben ( weil sie das Buch als gute Hilfe für Kreuzworträtsel ansieht).
Und bei William Boyd steht "vorwurfsvoll" das immer noch ungelesene Riesenwerk "Krieg und Frieden" im Bücherschank. Als Student hat er immerhin Miltons "Paradise Lost" gelesen, Wort für Wort: Es war, sagt er, "einer jener Berge, bei denen man glücklich ist, wenn man sie erstiegen hat".


Der Vorsinger

Er wollte sich immer wieder in die Politik einmischen, hatte er gedroht, und ist doch seit Monaten für nichts anderes unterwegs als für den Absatz seines Buches. Er hält es verlegen - aber auch immer weniger verlegen - in die Kameras, läßt sich interviewen, liest pausenlos in Buchhandlungen, singt sein eigenes Lob und signiert und signiert und signiert.
Nun hat Oskar Lafontaine seine Drohung wahr gemacht. Obwohl, klar, auf Werbetour für sein Buch, auch noch in Paris, fand er Ende Januar Zeit, der konservativen Tageszeitung "Le Figaro" die bewegende Einsicht mitzuteilen, daß "Deutschland zwei große Parteien braucht", mithin auch die CDU, da sonst die SPD zu einer "Waisen" [sic] würde. Nicht ganz so tiefschürfend gerieten seine Auskünfte zu den laufenden SPD-Affären: Hier mußte der tingelnde Buch-Autor einräumen, daß er über keine Informationen verfüge, er schließe aber "auf regionaler Ebene" nichts aus.
Irgendwie nett vom "Figaro", sich so wortreich der Banalitäten eines Ex-Politikers anzunehmen.


Beowulf lebt

Im Lexikon steht darüber: "Alteng. Stabreimepos; ältestes und einziges vollständig erhaltenes altgerman. Heldenlied, in der heute vorliegenden Textform wahrscheinl. im 10. Jh. entstanden; episod. Darstellung der heldenhaften Kämpfe von B., einem [südschwed.] Gautenfürsten, gegen Ungeheuer am dän. Hof (Grendel und seine Mutter) und später im eigenen Land, wobei er den Tod findet." Nicht gerade der Stoff, aus dem Bestseller sind.
Aber: Der Literatur-Nobelpreisträger Seamus Heaney hat ihn ins Neu-Englische übersetzt und stand mit diesem seinem neuesten Werk in der engeren Auswahl für den dreiundzwanzigtausend Pfund schweren "Whitbread Book of the Year"-Preis. Insgesamt wurden für die fünf Disziplinen vierhundertvierzehn Bücher nominiert.
Wer schon wieder fehlte, war Salman Rushdie. Mit dabei war aber der im Oktober 1998 verstorbene Ted Hughes, der den Preis schon zweimal mit nach Hause nahm, und J. K. Rowling mit einem ihrer Harry-Potter-Bücher.
Die Jury - nach einer längeren Duskussion darüber, ob eine Übersetzung überhaupt preiswürdig sei - vergab den Ersten Preis an den Beowulf-Übersetzer; er habe einen "vergrabenen Schatz gehoben", sagte ein Jury-Mitglied. Es ist schon sein Zweiter Whitbread- Preis. Harry Potter sozusagen kam als Zweiter durchs Ziel.


Syrischer Autor gestorben

Im Alter von achtundsiebzig Jahren ist am 23. Januar der Schriftsteller und Diplomat Badei Haqqi im Al-Shifaa-Krankenhaus in Damaskus gestorben. Er lag nach einem Herzschlag bereits seit einigen Tagen im Koma.
Badei Haqqi hat sich auch als arabischer Übersetzer mehrerer ausländischer Werke, darunter mehrerer Bücher von Hemingway, einen Namen gemacht.


Die kommenden Megaseller

Normalerweise lassen die amerikanischen Verlage mit ihren großen Neuerscheinungen eine Art zeitliche Rücksicht walten. Sie stimmen sich aufeinander ab: Jede Neuerscheinung ihrer Großautoren soll ein paar Wochen zum Atmen und Aufmerksamkeitsheischen haben; erst dann kommt der nächste Donnerschlag aus dem Konkurrenzverlag. In diesem Jahr geht es anders zu, er herrscht ein seltsames Gedränge.
Im nächsten Frühjahr kommen mit Neuerscheinungen auf den Markt: Nobelpreisträger (1976) Saul Bellow, Pulitzer-Preisträger Philip Roth, John Updike, E. L. Doctorow, Susan Sontag, Michael Ondaatje, Joyce Carol Oates und Mary McGarry Morris. Und noch ein paar andere, etwa Patricia Cornwell, Faye Kellerman und der regelmäßige Tom Clancy.
Saul Bellow, bereits vierundachtzig Jahre alt, wird "Ravelstein" vorstellen, seinen ersten ausgewachsenen Roman seit zehn Jahren; Philip Roth seinen Roman "The Human Stain"; John Updike "Gertrude and Claudius" (das ist der Teil der Hamlet-Geschichte, der vor dem ersten Akt spielt); Susan Sontag "In America"; Doctorow "City of God", die Geschichte von einem verschwundenen und in Manhattan (auf einer Synagoge) wieder aufgetauchten Kreuz; und Michael Ondaatje "Anil's Ghost", seinen ersten Roman seit dem gefeierten "Englischen Patienten".


Eine geschlagene Schlacht

Die Angelegenheit ist eher peinlich: Da greift ein bislang unbekannter Autor Friedrich Nietzsche an und meint, mit dem prominenten Gegner gleich in die philosophische Oberliga einzusteigen. Was die Kritik an dem Angreifer politisch so unkorrekt macht: Er ist Afrikaner, Äthiopier.
Eyasu Gorfu hat sein ziemlich eitel betiteltes Buch "Gorfu contra Nietzsche" sogar bei dem New Yorker Verlag Vantage Press untergebracht. Er hat, schreibt die Zeitung "Addis Tribune" grundlos begeistert, nach jahrelangem Studium die Philosophie Nietzsches als direkte Vorlage für Nazis und Faschisten "enthüllt". Er weist Nietzsche eine durchgehende Mißachtung der Intelligenz und aller Logik nach, er belegt, daß Nietzsche seine "satanischen Ansichten" hinter religiösen Metaphern versteckte und ein unverbesserlicher Rassist in den Diensten der in Wahrheit barbarischen "Arier" war.
Offenbar gibt es völlig überflüssige Bücher nicht nur im reichen Norden.


Nicht-Nominierung

Im engeren Kandidatenkreis für die Preise des renommierten US National Book Critic Circle sind die Lyrikerin Rita Dove (mit ihrem Buch "On the Bus With Rosa Parks"), der südafrikanische Autor J. M. Coetze (der mit seinem Roman "Disgrace" gerade den Booker Prize gewonnen hat) und der verstorbene Jorge Luis Borges (gestorben 1986) in der Abteilung Sachbuch, und zwar für sein literaturkritisches Gesamtwerk.
Ein paar Halbberühmtheiten fehlen erfreulicherweise, unter ihnen vor allem Edmund Morris und seine fragwürdige Reagan-Biographie "Dutch".
Die Preisträger werden am 13. März bekanntgegeben.


Nötiger Aufwand

Robert van Pelt ist Professor für Architektur an der Universität von Waterloo (Canada) und Autor des Buches "Auschwitz - 1270 bis zur Gegenwart".
Er hält es in seiner Zeugenaussage vor Gericht für "nicht plausibel", daß die Gaskammern der Konzentrationslager nur eine Propagandalüge der Briten im Zweiten Weltkrieg waren. Er sagte weiterhin, daß es eine "überwältigende Menge an Beweisen" gebe für die Tatsache, daß das Lager Auschwitz - dessen originale Baupläne ihm zur Verfügung standen - als Vernichtungslager betrieben wurde.
Warum bemüht ein Londoner Gericht einen kanadischen Professor für die Darlegung einer als historisch anerkannten Wahrheit?
David Irving, der Verfasser einiger rechtsradikaler Bücher über das "Dritte Reich", ist der wohl berüchtigtste Holocaust-Leugner; dabei beruft er sich gern auf die Untersuchungen eines Amateurwissenschaftlers namens Fred Leuchter, der aus einigen Mauerstücken aus Auschwitz 1988 den Schluß zog, es habe hier niemals tödliche Gaskammern gegeben. Deborah Lipstedt hat Irving daraufhin als "Lügner und Geschichtsfälscher" bezeichnet, und das nahm Irving zum Anlaß für eine Gegenklage. Der Prozeß ist noch im Gang.


Das schuldige Opfer

Ein US-amerikanischer Autor, Randy Thornhill, hat in einer Talkshow die These seines Buches "A Natural History of Rape" verteidigt, daß die Opfer von Vergewaltigungen selber schuld seien.
"Wir müssen den Frauen sagen, daß mit provokativer Kleidung gewisse Kosten verbunden sind", meinte er, "ebenso mit nächtlichen Allein-Ausgängen und so weiter." Die beiden anderen Eingeladenen, Frauen von zwei Hilfsorganisationen für Vergewaltigungsopfer, schüttelten ungläubig die Köpfe: "Wenn wir so etwas in den siebziger Jahren gehört hätten, wäre es eine zeittypische Äußerung gewesen - aber jetzt haben wir das Jahr 2000." Sie zeigten sich besorgt darüber, daß Thornhills Thesen künftige Opfer davon abhalten könnte, ihren Vergewaltiger anzuzeigen.
Das Buch soll in wenigen Wochen auf den Markt kommen. Wir fürchten, es wird Käufer finden.


Nicht gerade Geheimnisverrat

Eigentlich kennt man sie ja, die Tricks der Taschendiebe. Aber daß sich jetzt einer hinsetzt und sie sozusagen vollständig in einem Buch ausbreitet, ist eine Kurznachricht wert.
Bob Arno aus Las Vegas ist selber Profi und arbeitete gern in Zweiterteam mit seiner Frau Bambi. Auch allein ist er gut: Nach einem scheinbar harmlosen Händedruck hat er die Rolex in seiner Tasche. Heute jedoch geht er lieber mit der Videokamera herum und filmt seine früheren Kollegen bei der Arbeit. Zusammen mit Bambi bereist er die beliebtesten Jagdgründe in aller Welt. Der Bus vom Vatikan zum Hauptbahnhof in Rom, zum Beispiel, gehört zu den ergiebigsten Arbeitsplätzen für Taschendiebe. Später soll aus der Dokumentation einmal ein Buch werden.
Seine Tips: Sich im Freien entschlossen bewegen; ein guter Taschendieb erkennt Verlegenheit in Sekunden. Brieftaschen und dergleichen nie in Innentaschen, sondern am besten unter der Kleidung aufbewahren. Körperliche Zusammenstöße mit Personen unbedingt vermeiden. Und vor allem: Sich nie ablenken lassen (auch nicht von einem, der Ihnen sagt, Sie hätten Taubenscheiße auf der Jacke: Er hat sie Ihnen vorher aufgesprüht!).

Ihr Kommentar

 

Muß man erst ein Buch schreiben?

Vor fünfundzwanzig Jahren wurde in Greenwich, Connecticut, die junge Martha Moxley mit einem Golfschläger erschlagen und dann, sicherheitshalber, mit dem abgebrochenen Schläger auch noch erstochen. Der Schläger gehörte der Familie Skakel, und der damals fünfzehnjährige Michael Skakel wurde als Tatverdächtiger genannt, zusammen mit seinem Bruder. Es kam jedoch zu keiner Anklage. Warum?
Mark Fuhrmann, Polizist und bekannter Ermittler im O.-J.-Simpson-Prozess, hat vor zwei Jahren ein Buch über den ungelösten Mordfall geschrieben und kam darin zu dem Ergebnis, daß Michael Skakel das Mädchen aus blinder Eifersucht ermordet hat. Richter George Thim veranlaßte daraufhin die Wiederaufnahme der Ermittlungen und hat jetzt, achtzehn Monate später, Anklage gegen Michael Skakel erhoben.
Die Erklärung für die seltsame Langsamkeit der Justiz: Michael Skakel gehört zum Clan der Kennedys. Sein Vater ist der Bruder der Robert-Kennedy-Witwe Ethel Kennedy. Darum.


Eine Person der Zeitgeschichte

Die Gauck-Behörde brachte 1998 ein Buch heraus mit dem Titel "Der Fall Havemann. Ein Lehrstück politischer Justiz". Darin wurde auch eine anwaltliche Berufungs-Begründung von Gregor Gysi aus dem Jahr 1979 veröffentlicht: Gysi hatte damals den Regimekritiker gegen die Anklage wegen Devisenvergehen verteidigt.
Diese Veröffentlichung hatte Gysi in einem Rechtsschutzverfahren zu unterbinden versucht. Aber umsonst. Das Bundesverfassungsgericht, und zwar die 1. Kammer des Ersten Senats, lehnte Ende Januar die Annahme der Gyso-Beschwerde einstimmig ab.


Selbsthilfe

Unter den Passagieren der Indian-Airlines-Maschine, die acht Tage lang lang in Afghanistan festgehalten wurde, war auch die dreiundfünfzigjährige Jeanne Moore. Jetzt plant sie, sich mit anderen Teilnehmerinnen des Fluges zusammenzutun und ein Selbsthilfe-Buch über ihre Erfahrungen zu schreiben. Sie leidet noch immer unter dem Trauma, ihre Hände zittern, und nachts liegt sie oft wach.
"Man sollte nicht damit warten", sagte sie zu ihren Plänen, "ein erinnernswertes Leben zu führen. Man muß sich den idealen Grabstein vorstellen und dann in der Zeit zurückgehen. Wenn man als guter Mensch im Gedächtnis der anderen bleiben will, sollte man ein guter Mensch werden. Und wenn man als interessant gelten will, sollte man jetzt interessant sein."
Unternehmungslustig. Und nicht ohne Geschäftssin. Jeanne Moore hat ihre Mitarbeit auch dem natürlich unvermeidlichen Fernsehfilm über die Flugzeugentführung angeboten.



Was zu erwarten war

Eigentlich schwer verständlich, warum noch niemand das Leben der exzentrischen "Tal der Puppen"-Autorin Jacquline Susann verfilmt hat. Jetzt endlich ist es soweit: Der Bio-Film von Andrew Bergman trägt den munteren Titel "Isn't she great?". Das Drehbuch geht auf einen Artikel zurück, den Michael über die Autorin für "The New Yorker" geschrieben hat.
Wer aus der eigentlich nur publicitysüchtigen Susann eine zumindest enthemmte Figur macht, ist Bette Midler. Und doch: Der Film besteht, sagt die Kritik, eigentlich nur als sprachlichen Gags, wenn auch guten, aber nicht aus Personen. Da reißen selbst die Szenen mit dem autistischen Sohn nichts mehr heraus: Sie wirken geradezu aufdringlich.


Groß-"Glöckner"-Event

Victor Hugo kommt gut. Nachdem "Les Misérables" zu einem profitablen Musical verwurstet sind, das fünfzig Millionen Besucher in siebenundzwanzig Ländern gesehen haben, ist nun seit Ende Januar der nächste Hugo-Roman dran: "Notre Dame de Paris", bekannter als die Geschichte vom Glöckner von Notre Dame.
Sozusagen die Premiere der englischsprachigen Fassung fand in Las Vegas statt. Die nächste Station des Buckligen-Musicals war die Schallplattenmesse Midem in Cannes Ende Januar, nun soll London von Quasimodo und Esmeralda erobert werden.
Die französische Version des Musicals hat in Frankreich, Belgien, Kanada und der Schweiz immerhin schon mehr als zwei Millionen Besucher angezogen.


Die Negativliste des Jahrhunderts

Das Intercollegiate Studies Institute in Wilmington im US-Staat Delaware hat es sich zur Aufgabe gemacht, die fünfzig schlechtesten Sachbücher des letzten Jahrhunderts aufzulisten. An erster Stelle wurde Margaret Meads weltberühmter Bestseller von 1928 plaziert, "Coming of Age in Samoa" ("Jugend und Sexualität in primitiven Gesellschaften").
Die Samoaner selbst haben sich angeblich schon 1925, während Meads Studienreise nach Samoa, über die laszive Fragen, die ihnen die Ethnologie-Studentin stellte, so amüsiert, daß sie ihr alle möglichen Unglaublichkeiten erzählten - und Margaret Mead glaubte ihnen jedes Wort.
Sie teilt sich den zweifelhaften Ruhm übrigens mit Alfred Kinseys "Sexual Behaviour in the Human Male" von 1948


Faulkner-Haus baufällig

Das einhundertzweiundfünfzig Jahre alte Bürgerkriegs-Haus, das der Nobelpreisträger William Faulkner in Oxford, Mississippi, bis zu seinem Tod 1962 bewohnte, ist baufällig. Die Verwalter schätzen die Sanierungskosten des zu einem Museum umgewidmeten Hauses auf eine Million Dollar, aber nur die Hälfte davon wurde vom Stadtrat letztes Jahr genehmigt: allein zur Reparatur der Heizungs- und Klima-Anlage.
Vor kurzem hatte Faulkners Tochter und Alleinerbin schon erwogen, die Bibliothek ihres Vaters aus Sicherheitsgründen aus dem Haus zu schaffen und in der University of Virginia unterzubringen.


Aufklärung im engeren Sinn

Wenn ein sagen wir neunjähriges Kind seine Eltern nicht über Sex ausfragt, sollten Eltern sich keineswegs beruhigt in solchem Schweigen einrichten. Und umgekehrt: Wenn ein
Fünfjähriger diese Fragen stellt, sollten sie nicht gleich in verlegenes Schwitzen geraten. Wenn schon darüber geredet werden soll, dann lieber vor der Pubertät - wenn es dem noch nicht so neugierigen Kind leichter fällt - als später. Und auch dies ist wichtig: immer mal wieder drüber reden, auch nebenbei, um das Thema entdämonisiert in den Alltag des Kindes zu bringen.
Solche Ratschläge kommen von Robie H. Harris, genauer: aus ihrem Buch "So amazing", das sie als Erziehungshilfe für Eltern geschrieben hat.
Sie stellt eine weitergehende Akzeleration fest. Früher hat sie erst bei zwölf- bis vierzehnjährigen Mädchen körperliche Anzeichen der Pubertät entdeckt, heute dagegen schon bei Mädchen zwischen acht und elf Jahren.


Buchhändler zufrieden.
Online-Buchhändler auch.

Der Amazon.com-Chef Jeff Bezos veröffentlicht prinzipiell so wenige Zahlen wie nur möglich. Auch zum deutschen Weihnachtsgeschäft von Amazon.com gibt es keine. Man weiß nur, es habe "die Erwartungen übertroffen".
Die beiden zweitgrößten Online-Buchhändler in Deutschland, Bol.de und Bücher.de, sind ein bißchen großzügiger. Bol.de meldet für den Dezember 4000 tägliche Bestellungen, Bücher.de 2500 (eine Bestellung kann natürlich immer mehrere Artikel umfassen, bei Bücher.de sind es durchschnittlich zwei Bücher pro Bestellung). Damit hat sich das Dezembergeschäft bei Bücher.de gegenüber dem Vorjahr verfünffacht. Der viertplazierte Online-Buchhändler, Buch.de, erhielt im Dezember immerhin noch "bis zu 1000 Bestellungen pro Tag"


Die UFOs kommen!
Die UFOs kommen!

Wenn ein amerikanischer Talkmaster seiner liebsten Spinnerei nachgibt, kann das Ergebnis nur "Der kommende Globale Supersturm" sein. Aber ein bißchen spät für die schon wieder schwindenden Millenniumsängste kommt die Prophezeiung schon.
Was Art Bell fasziniert, sind UFOs. Zusammen mit Whitley Strieber hat er das "Supersturm"- Buch geschrieben. Beide sind fest überzeugt, daß die globale Erwärmung genau im Jahr 2100 einen weltweiten und eiskalten Tornado (mit fünfhundert Stundenkilometern) auslösen muß, der vier Fünftel der Erdbevölkerung und damit alle bekannten Zivilisationen auslöscht. Das ist der originelle Teil. Abgestanden klingt die Drohung mit dem Abschmelzen der Polkappen und der Überschwemmung aller Küstenstädte der Welt.
Ach ja, da ist noch die Sphinx. Sie ist nicht etwa ein religiöses Monument, sondern die Warnung einer sehr, sehr frühen und sehr, sehr fortgeschrittenen Kultur an uns, ihre Nachkommen, vor - na was wohl?: dem Supersturm, der sie damals schon vernichtet hat.
Das ist nicht mehr liebenswürdig, sondern schier politisch gefährlich. Wenn die globale Erwärmung mit so viel esoterischen Unfug angereichert und begründet wird, zieht man die tatsächliche Gefahr für die Erde nur ins Lächerliche.
Aber so ist das halt mit Überzeugungstätern: Auf Kollateralschäden wird keine Rücksicht genommen.


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