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Welche Bücher Autoren nicht lesen
Alain de Botton, der Autor von "Wie Proust Ihr Leben verändern
kann" hat natürlich, als einer von wenigen, die "Verlorene
Zeit" gelesen; aber gerade das, sagt er, habe ihn abgehalten,
einen anderen als "schwierig" geltenden Autor zu lesen,
nämlich Tolstoi.
Julian Barnes hat nie "David Copperfield" gelesen, den
er in drei verschiedenen Ausgaben besitzt, und hat deshalb "ein
schlechtes Gewissen". Er meint aber auch, man sollte kein
Buch nur aus Pflichtbewußtsein lesen.
Amanda Foreman ist über das erste Kapitel von "Tristram
Shandy" nicht hinausgekommen, ohne zu wissen, warum eigentlich
(den "Ulysses", obwohl mühsam, hat sie dagegen
mit Vergnügen geschafft).
Ian Rankin ("Verborgene Muster") hat ebenfalls den "Ulysses"
gelesen, nicht aber den "Fänger im Roggen", "Finnegans
Wake", "Romeo und Julia" oder auch nur irgendetwas
von Proust.
Malcolm Bradbury ("Der Geschichtsmensch") nennt als
die unmöglichste seiner Lektüren ein Sachbuch: Gibbons
"Niedergang und Fall des Römischen Reiches". Statt
dessen liest er lieber "Finnegans Wake", und zwar mehrmals
hintereinander.
Polly Samson ("Kissenschlacht") wünscht sich, die
Bibel zu lesen, hat die Idee dazu auch noch nicht ganz aufgegeben
( weil sie das Buch als gute Hilfe für Kreuzworträtsel
ansieht).
Und bei William Boyd steht "vorwurfsvoll" das immer
noch ungelesene Riesenwerk "Krieg und Frieden" im Bücherschank.
Als Student hat er immerhin Miltons "Paradise Lost"
gelesen, Wort für Wort: Es war, sagt er, "einer jener
Berge, bei denen man glücklich ist, wenn man sie erstiegen
hat".
Der Vorsinger
Er wollte sich immer wieder in die Politik einmischen, hatte
er gedroht, und ist doch seit Monaten für nichts anderes
unterwegs als für den Absatz seines Buches. Er hält
es verlegen - aber auch immer weniger verlegen - in die Kameras,
läßt sich interviewen, liest pausenlos in Buchhandlungen,
singt sein eigenes Lob und signiert und signiert und signiert.
Nun hat Oskar Lafontaine seine Drohung wahr gemacht. Obwohl, klar,
auf Werbetour für sein Buch, auch noch in Paris, fand er
Ende Januar Zeit, der konservativen Tageszeitung "Le Figaro"
die bewegende Einsicht mitzuteilen, daß "Deutschland
zwei große Parteien braucht", mithin auch die CDU,
da sonst die SPD zu einer "Waisen" [sic] würde.
Nicht ganz so tiefschürfend gerieten seine Auskünfte
zu den laufenden SPD-Affären: Hier mußte der tingelnde
Buch-Autor einräumen, daß er über keine Informationen
verfüge, er schließe aber "auf regionaler Ebene"
nichts aus.
Irgendwie nett vom "Figaro", sich so wortreich der Banalitäten
eines Ex-Politikers anzunehmen.
Beowulf lebt
Im Lexikon steht darüber: "Alteng. Stabreimepos; ältestes
und einziges vollständig erhaltenes altgerman. Heldenlied,
in der heute vorliegenden Textform wahrscheinl. im 10. Jh. entstanden;
episod. Darstellung der heldenhaften Kämpfe von B., einem
[südschwed.] Gautenfürsten, gegen Ungeheuer am dän.
Hof (Grendel und seine Mutter) und später im eigenen Land,
wobei er den Tod findet." Nicht gerade der Stoff, aus dem
Bestseller sind.
Aber: Der Literatur-Nobelpreisträger Seamus Heaney hat ihn
ins Neu-Englische übersetzt und stand mit diesem seinem neuesten
Werk in der engeren Auswahl für den dreiundzwanzigtausend
Pfund schweren "Whitbread Book of the Year"-Preis. Insgesamt
wurden für die fünf Disziplinen vierhundertvierzehn
Bücher nominiert.
Wer schon wieder fehlte, war Salman Rushdie. Mit dabei war aber
der im Oktober 1998 verstorbene Ted Hughes, der den Preis schon
zweimal mit nach Hause nahm, und J. K. Rowling mit einem ihrer
Harry-Potter-Bücher.
Die Jury - nach einer längeren Duskussion darüber, ob
eine Übersetzung überhaupt preiswürdig sei - vergab
den Ersten Preis an den Beowulf-Übersetzer; er habe einen
"vergrabenen Schatz gehoben", sagte ein Jury-Mitglied.
Es ist schon sein Zweiter Whitbread- Preis. Harry Potter sozusagen
kam als Zweiter durchs Ziel.
Syrischer Autor gestorben
Im Alter von achtundsiebzig Jahren ist am 23. Januar der Schriftsteller
und Diplomat Badei Haqqi im Al-Shifaa-Krankenhaus in Damaskus
gestorben. Er lag nach einem Herzschlag bereits seit einigen Tagen
im Koma.
Badei Haqqi hat sich auch als arabischer Übersetzer mehrerer
ausländischer Werke, darunter mehrerer Bücher von Hemingway,
einen Namen gemacht.
Die kommenden Megaseller
Normalerweise lassen die amerikanischen Verlage mit ihren großen
Neuerscheinungen eine Art zeitliche Rücksicht walten. Sie
stimmen sich aufeinander ab: Jede Neuerscheinung ihrer Großautoren
soll ein paar Wochen zum Atmen und Aufmerksamkeitsheischen haben;
erst dann kommt der nächste Donnerschlag aus dem Konkurrenzverlag.
In diesem Jahr geht es anders zu, er herrscht ein seltsames Gedränge.
Im nächsten Frühjahr kommen mit Neuerscheinungen auf
den Markt: Nobelpreisträger (1976) Saul Bellow, Pulitzer-Preisträger
Philip Roth, John Updike, E. L. Doctorow, Susan Sontag, Michael
Ondaatje, Joyce Carol Oates und Mary McGarry Morris. Und noch
ein paar andere, etwa Patricia Cornwell, Faye Kellerman und der
regelmäßige Tom Clancy.
Saul Bellow, bereits vierundachtzig Jahre alt, wird "Ravelstein"
vorstellen, seinen ersten ausgewachsenen Roman seit zehn Jahren;
Philip Roth seinen Roman "The Human Stain"; John Updike
"Gertrude and Claudius" (das ist der Teil der Hamlet-Geschichte,
der vor dem ersten Akt spielt); Susan Sontag "In America";
Doctorow "City of God", die Geschichte von einem verschwundenen
und in Manhattan (auf einer Synagoge) wieder aufgetauchten Kreuz;
und Michael Ondaatje "Anil's Ghost", seinen ersten Roman
seit dem gefeierten "Englischen Patienten".
Eine geschlagene Schlacht
Die Angelegenheit ist eher peinlich: Da greift ein bislang unbekannter
Autor Friedrich Nietzsche an und meint, mit dem prominenten Gegner
gleich in die philosophische Oberliga einzusteigen. Was die Kritik
an dem Angreifer politisch so unkorrekt macht: Er ist Afrikaner,
Äthiopier.
Eyasu Gorfu hat sein ziemlich eitel betiteltes Buch "Gorfu
contra Nietzsche" sogar bei dem New Yorker Verlag Vantage
Press untergebracht. Er hat, schreibt die Zeitung "Addis
Tribune" grundlos begeistert, nach jahrelangem Studium die
Philosophie Nietzsches als direkte Vorlage für Nazis und
Faschisten "enthüllt". Er weist Nietzsche eine
durchgehende Mißachtung der Intelligenz und aller Logik
nach, er belegt, daß Nietzsche seine "satanischen Ansichten"
hinter religiösen Metaphern versteckte und ein unverbesserlicher
Rassist in den Diensten der in Wahrheit barbarischen "Arier"
war.
Offenbar gibt es völlig überflüssige Bücher
nicht nur im reichen Norden.
Nicht-Nominierung
Im engeren Kandidatenkreis für die Preise des renommierten
US National Book Critic Circle sind die Lyrikerin Rita Dove (mit
ihrem Buch "On the Bus With Rosa Parks"), der südafrikanische
Autor J. M. Coetze (der mit seinem Roman "Disgrace"
gerade den Booker Prize gewonnen hat) und der verstorbene Jorge
Luis Borges (gestorben 1986) in der Abteilung Sachbuch, und zwar
für sein literaturkritisches Gesamtwerk.
Ein paar Halbberühmtheiten fehlen erfreulicherweise, unter
ihnen vor allem Edmund Morris und seine fragwürdige Reagan-Biographie
"Dutch".
Die Preisträger werden am 13. März bekanntgegeben.
Nötiger Aufwand
Robert van Pelt ist Professor für Architektur an der Universität
von Waterloo (Canada) und Autor des Buches "Auschwitz - 1270
bis zur Gegenwart".
Er hält es in seiner Zeugenaussage vor Gericht für "nicht
plausibel", daß die Gaskammern der Konzentrationslager
nur eine Propagandalüge der Briten im Zweiten Weltkrieg waren.
Er sagte weiterhin, daß es eine "überwältigende
Menge an Beweisen" gebe für die Tatsache, daß
das Lager Auschwitz - dessen originale Baupläne ihm zur Verfügung
standen - als Vernichtungslager betrieben wurde.
Warum bemüht ein Londoner Gericht einen kanadischen Professor
für die Darlegung einer als historisch anerkannten Wahrheit?
David Irving, der Verfasser einiger rechtsradikaler Bücher
über das "Dritte Reich", ist der wohl berüchtigtste
Holocaust-Leugner; dabei beruft er sich gern auf die Untersuchungen
eines Amateurwissenschaftlers namens Fred Leuchter, der aus einigen
Mauerstücken aus Auschwitz 1988 den Schluß zog, es
habe hier niemals tödliche Gaskammern gegeben. Deborah Lipstedt
hat Irving daraufhin als "Lügner und Geschichtsfälscher"
bezeichnet, und das nahm Irving zum Anlaß für eine
Gegenklage. Der Prozeß ist noch im Gang.
Das schuldige Opfer
Ein US-amerikanischer Autor, Randy Thornhill, hat in einer Talkshow
die These seines Buches "A Natural History of Rape"
verteidigt,
daß die Opfer von Vergewaltigungen selber schuld seien.
"Wir müssen den Frauen sagen, daß mit provokativer
Kleidung gewisse Kosten verbunden sind", meinte er, "ebenso
mit nächtlichen Allein-Ausgängen und so weiter."
Die beiden anderen Eingeladenen, Frauen von zwei Hilfsorganisationen
für Vergewaltigungsopfer, schüttelten ungläubig
die Köpfe: "Wenn wir so etwas in den siebziger Jahren
gehört hätten, wäre es eine zeittypische Äußerung
gewesen - aber jetzt haben wir das Jahr 2000." Sie zeigten
sich besorgt darüber, daß Thornhills Thesen künftige
Opfer davon abhalten könnte, ihren Vergewaltiger anzuzeigen.
Das Buch soll in wenigen Wochen auf den Markt kommen. Wir fürchten,
es wird Käufer finden.
Nicht gerade Geheimnisverrat
Eigentlich kennt man sie ja, die Tricks der Taschendiebe. Aber
daß sich jetzt einer hinsetzt und sie sozusagen vollständig
in einem Buch ausbreitet, ist eine Kurznachricht wert.
Bob Arno aus Las Vegas ist selber Profi und arbeitete gern in
Zweiterteam mit seiner Frau Bambi. Auch allein ist er gut: Nach
einem scheinbar harmlosen Händedruck hat er die Rolex in
seiner Tasche. Heute jedoch geht er lieber mit der Videokamera
herum und filmt seine früheren Kollegen bei der Arbeit. Zusammen
mit Bambi bereist er die beliebtesten Jagdgründe in aller
Welt. Der Bus vom Vatikan zum Hauptbahnhof in Rom, zum Beispiel,
gehört zu den ergiebigsten Arbeitsplätzen für Taschendiebe.
Später soll aus der Dokumentation einmal ein Buch werden.
Seine Tips: Sich im Freien entschlossen bewegen; ein guter Taschendieb
erkennt Verlegenheit in Sekunden. Brieftaschen und dergleichen
nie in Innentaschen, sondern am besten unter der Kleidung aufbewahren.
Körperliche Zusammenstöße mit Personen unbedingt
vermeiden. Und vor allem: Sich nie ablenken lassen (auch nicht
von einem, der Ihnen sagt, Sie hätten Taubenscheiße
auf der Jacke: Er hat sie Ihnen vorher aufgesprüht!).

Ihr
Kommentar
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Muß man erst ein Buch schreiben?
Vor fünfundzwanzig Jahren wurde in Greenwich,
Connecticut, die junge Martha Moxley mit einem Golfschläger
erschlagen und dann, sicherheitshalber, mit dem abgebrochenen
Schläger auch noch erstochen. Der
Schläger gehörte der Familie Skakel, und der damals
fünfzehnjährige Michael Skakel wurde als Tatverdächtiger
genannt, zusammen mit seinem Bruder. Es kam jedoch zu keiner Anklage.
Warum?
Mark Fuhrmann, Polizist und bekannter Ermittler im O.-J.-Simpson-Prozess,
hat vor zwei Jahren ein Buch über den ungelösten Mordfall
geschrieben und kam darin zu dem Ergebnis, daß Michael Skakel
das Mädchen aus blinder Eifersucht ermordet hat. Richter
George Thim veranlaßte daraufhin die Wiederaufnahme der
Ermittlungen und hat jetzt, achtzehn Monate später, Anklage
gegen Michael Skakel erhoben.
Die Erklärung für die seltsame Langsamkeit der Justiz:
Michael Skakel gehört zum Clan der Kennedys. Sein Vater ist
der Bruder der Robert-Kennedy-Witwe Ethel Kennedy. Darum.
Eine Person der Zeitgeschichte
Die Gauck-Behörde brachte 1998 ein Buch
heraus mit dem Titel "Der Fall Havemann. Ein Lehrstück
politischer Justiz". Darin wurde auch eine anwaltliche Berufungs-Begründung
von Gregor Gysi aus dem Jahr 1979 veröffentlicht: Gysi hatte
damals den Regimekritiker gegen die Anklage wegen Devisenvergehen
verteidigt.
Diese Veröffentlichung hatte Gysi in einem Rechtsschutzverfahren
zu unterbinden versucht. Aber umsonst. Das Bundesverfassungsgericht,
und zwar die 1. Kammer des Ersten Senats, lehnte Ende Januar die
Annahme der Gyso-Beschwerde einstimmig ab.
Selbsthilfe
Unter den Passagieren der Indian-Airlines-Maschine,
die acht Tage lang lang in Afghanistan festgehalten wurde, war
auch die dreiundfünfzigjährige Jeanne Moore. Jetzt plant
sie, sich mit anderen Teilnehmerinnen des Fluges zusammenzutun
und ein Selbsthilfe-Buch über ihre Erfahrungen zu schreiben.
Sie leidet noch immer unter dem Trauma, ihre Hände zittern,
und nachts liegt sie oft wach.
"Man sollte nicht damit warten", sagte sie zu ihren
Plänen, "ein erinnernswertes Leben zu führen. Man
muß sich den idealen Grabstein vorstellen und dann in der
Zeit zurückgehen. Wenn man als guter Mensch im Gedächtnis
der anderen bleiben will, sollte man ein guter Mensch werden.
Und wenn man als interessant gelten will, sollte man jetzt interessant
sein."
Unternehmungslustig. Und nicht ohne Geschäftssin. Jeanne
Moore hat ihre Mitarbeit auch dem natürlich unvermeidlichen
Fernsehfilm über die Flugzeugentführung angeboten.
Was zu erwarten war
Eigentlich schwer verständlich, warum noch
niemand das Leben der exzentrischen "Tal der Puppen"-Autorin
Jacquline Susann verfilmt hat. Jetzt endlich ist es soweit: Der
Bio-Film von Andrew Bergman trägt den munteren Titel "Isn't
she great?". Das Drehbuch geht auf einen Artikel zurück,
den Michael über die Autorin für "The New Yorker"
geschrieben hat.
Wer aus der eigentlich nur publicitysüchtigen Susann eine
zumindest enthemmte Figur macht, ist Bette Midler. Und doch: Der
Film besteht, sagt die Kritik, eigentlich nur als sprachlichen
Gags, wenn auch guten, aber nicht aus Personen. Da reißen
selbst die Szenen mit dem autistischen Sohn nichts mehr heraus:
Sie wirken geradezu aufdringlich.
Groß-"Glöckner"-Event
Victor Hugo kommt gut. Nachdem "Les Misérables"
zu einem profitablen Musical verwurstet sind, das fünfzig
Millionen Besucher in siebenundzwanzig Ländern gesehen haben,
ist nun seit Ende Januar der nächste Hugo-Roman dran: "Notre
Dame de Paris", bekannter als die Geschichte vom Glöckner
von Notre Dame.
Sozusagen die Premiere der englischsprachigen Fassung fand in
Las Vegas statt. Die nächste Station des Buckligen-Musicals
war die Schallplattenmesse Midem in Cannes Ende Januar, nun soll
London von Quasimodo und Esmeralda erobert werden.
Die französische Version des Musicals hat in Frankreich,
Belgien, Kanada und der Schweiz immerhin schon mehr als zwei Millionen
Besucher angezogen.
Die Negativliste des Jahrhunderts
Das Intercollegiate Studies Institute in Wilmington
im US-Staat Delaware hat es sich zur Aufgabe gemacht, die fünfzig
schlechtesten Sachbücher des letzten Jahrhunderts aufzulisten.
An erster Stelle wurde Margaret Meads weltberühmter Bestseller
von 1928 plaziert, "Coming of Age in Samoa" ("Jugend
und Sexualität in primitiven Gesellschaften").
Die Samoaner selbst haben sich angeblich schon 1925, während
Meads Studienreise nach Samoa, über die laszive Fragen, die
ihnen die Ethnologie-Studentin stellte, so amüsiert, daß
sie ihr alle möglichen Unglaublichkeiten erzählten -
und Margaret Mead glaubte ihnen jedes Wort.
Sie teilt sich den zweifelhaften Ruhm übrigens mit Alfred
Kinseys "Sexual Behaviour in the Human Male" von 1948
Faulkner-Haus baufällig
Das einhundertzweiundfünfzig Jahre alte
Bürgerkriegs-Haus, das der Nobelpreisträger William
Faulkner in Oxford, Mississippi, bis zu seinem Tod 1962 bewohnte,
ist baufällig. Die Verwalter schätzen die Sanierungskosten
des zu einem Museum umgewidmeten Hauses auf eine Million Dollar,
aber nur die Hälfte davon wurde vom Stadtrat letztes Jahr
genehmigt: allein zur Reparatur der Heizungs- und Klima-Anlage.
Vor kurzem hatte Faulkners Tochter und Alleinerbin schon erwogen,
die Bibliothek ihres Vaters aus Sicherheitsgründen aus dem
Haus zu schaffen und in der University of Virginia unterzubringen.
Aufklärung im engeren Sinn
Wenn ein sagen wir neunjähriges Kind seine
Eltern nicht über Sex ausfragt, sollten Eltern sich keineswegs
beruhigt in solchem Schweigen einrichten. Und umgekehrt: Wenn
ein
Fünfjähriger diese Fragen stellt, sollten sie nicht
gleich in verlegenes Schwitzen geraten. Wenn schon darüber
geredet werden soll, dann lieber vor der Pubertät - wenn
es dem noch nicht so neugierigen Kind leichter fällt - als
später. Und auch dies ist wichtig: immer mal wieder drüber
reden, auch nebenbei, um das Thema entdämonisiert in den
Alltag des Kindes zu bringen.
Solche Ratschläge kommen von Robie H. Harris, genauer: aus
ihrem Buch "So amazing", das sie als Erziehungshilfe
für Eltern geschrieben hat.
Sie stellt eine weitergehende Akzeleration fest. Früher hat
sie erst bei zwölf- bis vierzehnjährigen Mädchen
körperliche Anzeichen der Pubertät entdeckt, heute dagegen
schon bei Mädchen zwischen acht und elf Jahren.
Buchhändler zufrieden.
Online-Buchhändler auch.
Der Amazon.com-Chef Jeff Bezos veröffentlicht
prinzipiell so wenige Zahlen wie nur möglich. Auch zum deutschen
Weihnachtsgeschäft von Amazon.com gibt es keine. Man weiß
nur, es habe "die Erwartungen übertroffen".
Die beiden zweitgrößten Online-Buchhändler in
Deutschland, Bol.de und Bücher.de, sind ein bißchen
großzügiger. Bol.de meldet für den Dezember 4000
tägliche Bestellungen, Bücher.de 2500 (eine Bestellung
kann natürlich immer mehrere Artikel umfassen, bei Bücher.de
sind es durchschnittlich zwei Bücher pro Bestellung). Damit
hat sich das Dezembergeschäft bei Bücher.de gegenüber
dem Vorjahr verfünffacht. Der viertplazierte Online-Buchhändler,
Buch.de, erhielt im Dezember immerhin noch "bis zu 1000 Bestellungen
pro Tag"
Die UFOs kommen!
Die UFOs kommen!
Wenn ein amerikanischer Talkmaster seiner liebsten
Spinnerei nachgibt, kann das Ergebnis nur "Der kommende Globale
Supersturm" sein. Aber ein bißchen spät für
die schon wieder schwindenden Millenniumsängste kommt die
Prophezeiung schon.
Was Art Bell fasziniert, sind UFOs. Zusammen mit Whitley Strieber
hat er das "Supersturm"- Buch geschrieben. Beide sind
fest überzeugt, daß die globale Erwärmung genau
im Jahr 2100 einen weltweiten und eiskalten Tornado (mit fünfhundert
Stundenkilometern) auslösen muß, der vier Fünftel
der Erdbevölkerung und damit alle bekannten Zivilisationen
auslöscht. Das ist der originelle Teil. Abgestanden klingt
die Drohung mit dem Abschmelzen der Polkappen und der Überschwemmung
aller Küstenstädte der Welt.
Ach ja, da ist noch die Sphinx. Sie ist nicht etwa ein religiöses
Monument, sondern die Warnung einer sehr, sehr frühen und
sehr, sehr fortgeschrittenen Kultur an uns, ihre Nachkommen, vor
- na was wohl?: dem Supersturm, der sie damals schon vernichtet
hat.
Das ist nicht mehr liebenswürdig, sondern schier politisch
gefährlich. Wenn die globale Erwärmung mit so viel esoterischen
Unfug angereichert und begründet wird, zieht man die tatsächliche
Gefahr für die Erde nur ins Lächerliche.
Aber so ist das halt mit Überzeugungstätern: Auf Kollateralschäden
wird keine Rücksicht genommen.
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