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Die unvermutete Gefährlichkeit
der Flaggenkarten
Der geneigte Leser sieht hier eine der freundlichsten und
lieblichen weiblichen Gestalten, die der treffliche Cooper je gezeichnet.
Ihr Name ist Catharina Plowden, ihr Charakter ein entzückendes
Gemisch von Leichtsinn, Schalkhaftigkeit, Frohsinn und Liebe, ihr Wesen
ganz kindliche Anmuth, und ihr gegenwärtiges Thun - leicht würdet
ihr es für Spielerei nehmen, wenn nicht der seelenvolle Blick wäre,
der so vieles verräth. Sie hält eine Flaggenkarte in der Hand.
"Was ist das, eine Flaggenkarte, und was hat ein Mädchen mit
einem solchen Dinge zu thun?" Eine Flaggenkarte lehrt uns die verschiedenen
Arten der Flaggen, die Wappen und Farben derselben, den -- ach, die
Flaggenkarte eines schönen Mädchens ist eigentlich unerklärbar,
da seine Launen die Blätter stets wieder zusammenschlagen; ...
Aber zu unserm Bildchen. Catharina hat sich ein allerliebstes Spielchen
ausgedacht; sie hatte ihrem besten Freunde - wie wohl Mädchen gern
ihren Geliebten nennen - eine Flaggenkarte mit Ziffern und deren Erklärung
gegeben und eine ähnliche für sich behalten, so daß
sie in der Ferne sich auf das beste miteinander unterhalten konnten.
Wollte sie ihm z.B. sagen: ich erwarte dich - so wurde Gelb über
Roth ausgesteckt; oder: wir sind heute nicht sicher - so kam Roth, Grün
und Gelb in die Höhe u.s.w. Wie wir Catharina hier sehen, scheint
sie fast eines süßern Zeitvertreibs zu gedenken, als dessen,
welchen das Betrachten der Karte ihr gewährte. Wie unschuldig aber
auch das Spiel ist, wir rathen guten Vätern und sorgsamen Müttern,
ihren Tochtern lieber ein Kochbuch als die vollständige Flaggenkarte
in die Hände zu geben.
Rheinisches Tagebuch auf das Jahr 1830
Ihr
Kommentar
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