Nr. 22, Februar 2000
 
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Die Wiedergeburt einer Weltstadt

Die Library of Congress zeigt eine Rom-Ausstellung, die auch im Internet zu sehen ist. Die virtuellen haben gegenüber den tatsächlichen Exponaten sogar Vorteile: Sie umfassen auch einige Stücke, die in der Vorbereitung der Ausstellung dann doch nicht berücksichtigt wurden; und sie bleiben nicht nur bis Ende April ausgestellt, wie in der Library of Congress, sondern zeitlich unbegrenzt.

Dargestellt ist die eminente Bedeutung der Vatikanischen Bibliothek für den Wiederaufbau der Stadt. Rom war ja in den Jahrhunderten des Früh- und Hochmittelalters fast zu einer Geisterstadt verkommen: Auf dem antiken Forum, besser auf der haushohen Erdschicht, von der es bedeckt war, weideten die Kühe, und wer durch den Titusbogen ritt, mußte den Kopf einziehen, um nicht am oberen Torbogen anzustoßen.
Die Website bietet nicht nur einen profunden - englischsprachigen - Einführungstext über die Gründung und die Geschichte der Vatikanischen Bibliothek, sondern vor allem eine illustre Serie von Abbildungen aus deren Buchbeständen.

Das erste hier wiedergegebene Bild ist ein zwar schematischer, aber sehr genauer Stadtplan Roms von etwa 1330/40 (aus der "Satyrica historia" von Paolino Veneziano). Man sieht eine noch dichte Besiedlung der nördlichen Stadtteile, während das antike Zentrum fast verlassen liegt. Auf dem zweiten Bild (aus dem Rom-Buch "Antiquae urbis imago" von Pirro Ligorio) sind nun auch die südlicheren Stadtviertel deutlich dichter bebaut, und manche antike Ruinen scheinen bereits vom Häusermeer fast eingeschlossen.

Das dritte Bild ist schon so etwas wie die Dokumentation des Wiederaufbau-Erfolgs: Kleinere Künstler zehren vom Ruhm der großen, wenn hier etwa Giorgio Ghisi die Delphische Sibylle aus der Sixtinischen Kapelle nachzeichnet.

Andere bemerkenswerte Raritäten unter den Abbildungen: eine zweisprachige (lateinisch- griechische) "Ilias" des Homer von 1477, die "Sonnenflecken" von Galilei von 1612, ein Bernini-Entwurf für die Piazza di San Petro (die Kolonnade, die zum Logo der Ausstellung wurde) oder Pico della Mirandolas Handexemplar des Buches Hiob mit eigenen Randnotizen.
Ein guter Rat: Hingehen und sich die schönsten Buchseiten holen.



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