Nr. 21, Januar 2000
 
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Kein Intimbereich mehr

Nabokovs "Lolita" ist schon ein paarmal nacherzählt worden, manchmal komisch (wie "Roger Fishbite" von Emily Prager oder "Love in Dead Language" von Lee Siegel), manchmal todernst ("Dream Children" von A. N. Wilson), aber niemals sie so gierig, gedankenlos und kannibalisch ausgeweidet wie jetzt von einer italienischen Journalistin namens Pia Pera. Das Buch wäre vermutlich - und zu Recht - unbemerkt an uns vorübergegangen, wenn nicht Dmitri Nabokov, der Sohn des Original-Autors, dagegen geklagt hätte (Die Gazette, Juli 1999).
Pia Pera hat lediglich mit schneller Hand ein paar Namen geändert (Lolita Haze ist jetzt Lolita Maze), der Heldin einen zusätzlichen Schuß Sadismus mitgegeben (Lolita darf kurz mal einen Hamster quälen) und am Ende noch etwas action dazuerfunden. Ansonsten hält sich das "Tagebuch" ans Original, aber flach, einfallslos, uninspiriert, eine mittlere Oberstufenarbeit. Die Autoren sagt, sie habe vor dem Schreiben viele Mädchen-Tagebücher gelesen; so wie das Ergebnis aussieht: zu viele. Besonders unangenehm ist die Verwurstung der durch und durch amerikanischen "Lolita" in das glanzlose Italienisch Peras und danach in ein ebenso mattes Englisch, eine doppelte "Übersetzung", ein doppelter Verlust.
Die "Washington Post" hat sich für die Autorin auf bemerkenswerte Weise eingesetzt. Der Original-Text, meinte die Zeitung, sollte schon vor dem Ablauf der Urheberrechte frei verfügbar sein, da "Lolita" inzwischen "unausweichlich ins allgemeine Bewußtsein" eingegangen sei. Worauf Dmitri Nabokov in seiner Klage zurückfragte: Soll das heißen, dass alles, was einigermaßen berühmt ist, ab sofort rücksichtslos geplündert werden darf?
Pia Pera ist eine bittere Lektion. Vor fünfundvierzig Jahren war es ein genialer Autor, der "Lolita" schrieb, nicht nur eine skandalöse, sondern vor allem eine sprachlich brilliante Geschichte. Heute ist der Stoff ein ideenloses Spielchen, bei dem jeder und jede mitspielen darf, durch keine störenden Anforderungen mehr gehindert. Hat Seattle hier bereits gesiegt? Es lebe der entfesselte literarische Freihandel!

 

Galileis Tochter

Über die Mutter weiß man nichts außer ihrem Namen: Marina Gamba. Mit ihr hatte Galilei während einer zwölfjährigen Liebesaffäre in Venedig einen Sohn und zwei Töchter, Virginia und Livia. Als er die Stadt verließ und an den Hof von Florenz ging, nahm er die Töchter mit und steckte beide in das Kloster San Matteo außerhalb der Stadt, nicht etwa aus Lieblosigkeit, sondern weil er ihre Zukunftsaussichten realistischer einschätzte. Virginia nahm den Namen Maria Celeste an und kümmerte sich fortan, aus dem Kloster heraus, um Galileis häusliche Angelegenheiten. Einhundertvierundzwanzig ihrer Briefe an den Vater sind erhalten (und die faszinierende Grundlage des Buches "Galileo's Daughter" von Dava Sobel, der berühmten Autorin von "Longitude").
Nebenbei dirigierte die musikalisch begabte Maria Celeste den Klosterchor und unterrichtete die Nonnen im Gregorianischen Choral. Sie stellte in der Klosterspotheke Medikamente her und Heilwässer aus Rosenblättern und Aloe - nicht nur für das Kloster selbst, auch für ihren oft kränklichen Vater.
Sie schrieb ihm seine Briefe in Reinschrift, manchmal auch ganze Kapitel seiner Bücher. Und als Galilei in Rom vor das Inquisitionsgericht kam, sorgte sie mit seinen Freunden dafür, dass möglicherweise belastendes Material aus seinem Haus geschafft wurde.
Wenige Wochen nach Galileis Rückkehr aus der Gefangenschaft in Siena wurde die rastlose Tochter krank und starb am 2. April 1634, angeblich an Verdauungsstörungen, aber wohl eher an Erschöpfung und Untererährung.


Ein unbekannter Stamm in New York

Mitchell Duneier hat in seinem neuesten Buch "Sidewalk" eine in New York oft zu beobachtende, aber noch nie wissenschaftlich untersuchte Spezies beschrieben: die Straßenverkäufer, speziell die Buchverkäufer in den Straßen Manhattans.
Die Feldforschung dauerte fünf Jahre. In dieser Zeit stellte Duneier feine Klassenunterschiede fest (etwa zwischen Buch- und Zeitschriftenverkäufern), berufliche Differenzierungen (zwischen denen, die auf die Stände aufpassen, während der Inhaber etwas essen geht, damit die Polizei die Auslage nicht zum Müll erklärt), neue Tätigkeitsbereiche (die Platzhalter, die über Nacht die wenigen legalen Plätze auf dem Pflaster besetzt halten).
Buchverkäufe auf dem Gehweg sind das Ergebnis einer Gerichtsverhandlung. Ein immer wieder von der Polizei aufgegriffener Schriftsteller-Buchverkäufer drückte mit der Hilfe des Anwalts Edward C. Wallace das Recht auf den Straßenverkauf durch - unter Hinweis auf die verfassungsmäßige Redefreiheit und nachhaltig unterstützt von den Zeitungen, die ja ebenfalls ihren Straßenverkauf gesichert sehen wollten.
Trotzdem ist das Verkäuferleben auf der Straße erheblich eingeschränkt durch kleinliche kommunale Verordnungen (einzuhaltender Abstand von Ladeneingängen und ähnliches). Aber selbst wenn er sich an alle Gebote hält, ist der Straßenverkäufer - ganz besonders wenn er ein Schwarzer ist - niemals sicher vor der plötzlichen Laune eines feindlichen Polizisten.
Eines der raren spannenden Bücher über die Soziologie einer Großstadt.


Audacter calumniare

Man muß nur mutig verleumden, geht das lateinische Sprichwort, "semper aliquid haeret", etwas bleibt immer hängen, und sei es das Strohfeuer eines Bucherfolgs.
Der angebliche Massaker-Report kam schon 1998 heraus: "The Slaughter: An American Atrocity" von Carroll Case, der die Sache zuerst als städtische Wandersage kennenlernte. Ihr zufolge sollen Ende 1943 weiße amerikanische Soldaten im Lager Van Dorn, Mississippi, eintausendzweihundert schwarze Soldaten ihrer eigenen Einheit als Meuterer erschossen haben. Die Leichen wurden angeblich noch in der Nacht mit Eisenbahnzügen weggebracht und in nie aufgefundenen Massengräbern beerdigt. Der Vorfall sei natürlich geheimgehalten und vertuscht worden, sogar von Präsident Roosevelt.
Die National Association for the Advancement of Colored People nahm sich der Sache an. Sie mißtraut dem negativen Prüfbericht der Armee und verlangte eine erneute Überprüfung durch das Justizministerium.
Das Buch besteht aus vierundfünfzig Seiten "Dokumentation" und zweihundertsechsundvierzig Seiten Doku-Roman. Der Autor kann jedoch keinen einzigen Todesschützen oder Erschossenen namentlich nennen. Veteranen der Einheit können sich an nichts erinnern, was die Behauptung untermauern könnte.
Aber so sind wenigstens eine Menge Leute erst einmal beschäftigt.


"Das Amerika, das wir verdienen"

ist der Titel des Buches von Donald Trump, der für die Reform-Partei ins Rennen um die Präsidentschaft der USA geht. Und für alle, die einen "Amerikanischen Planeten" oder ein "Amerikanisches Jahrhundert" befürchten, hält das Buch frohe Kunde bereit.
Es ist nämlich - laut Trump - alles ganz anders. Die USA werden dauernd irgendwie übers Ohr gehauen, abgezockt und ausgebeutet, "the rip-off" nennt es der Autor. Wenn er mal Präsident ist und zuständig für die Außenpolitik, dann ist Schluß damit, "dass jedes Land, mit dem die USA Geschäftsbeziehungen haben, hier immer nur absahnt". Dann wird er dafür sorgen, dass die USA nicht länger durch "globale Zwängen verwundbar" sind. Das Haushaltsdefizit will er schlagartig ausgleichen, und zwar durch eine einmalige Vermögensabgabe von exakt 14,25 Prozent für alle mit mehr als zehn Millionen Dollar - ihn natürlich eingeschlossen. Was ihn zu all dem befähigt, ist die erfolgreiche Karriere, präziser: sein Verhandlungsgeschick. "Der Geschäftsmann (the dealmaker) ist listig, verschlossen, konzentriert und gibt sich nie mit weniger zufrieden, als er will. Schon seit langem hatte Amerika keinen solchen Präsidenten mehr."


Tree-sitting

Julia Hill, die junge Frau, die vor zwei Jahren in Nord-Kalifornien auf einen sechzig Meter hohen Redwood-Baum gestiegen und seitdem nicht mehr heruntergekommen ist, hat etwas wie einen Zwischensieg errungen.
Ihre Protest-Aktion, genannt Tree-sitting, richtete sich gegen die Pacific Lumber Company, die Eigentümerin des Bodens, auf dem Baum steht, und deren Absicht, den Baum zu fällen. Julia, seit langem liebevoll "Julia Butterfly" genannt, hat den Baum Luna getauft und in ihrem Baumhaus ein Buch geschrieben: "The Legacy of Luna". Zwischen der Autorin und Pacific Lumber scheint jetzt eine Art Agreement getroffen zu sein: Julia und ihre Anhänger zahlen der Firma fünfzigtausend Dollar, und diese verzichtet auf das Fällen der Bäume im Luna-Gebiet. Das Geld wird als Spende für die Waldforschung an die Humboldt State University weitergegeben.
Die Baum-Sitterin traut dem Frieden noch nicht (in der Vergangenheit gab es bereits mehrere linke Vereinbarungen) und hat noch nicht gesagt, wann sie heruntersteigen will. Sie bekommt jede Woche Post von etwa dreihundert Menschen, friert immer ein wenig, hat ein Handy für den Kontakt zur Außenwelt und klettert zur Morgengymnastik den Baum hinauf. Was ihr am meisten abgeht, ist etwas für uns Untere Selbstverständliches: die Erde unter den Füßen zu spüren.


Die Deutschen kommen!

Mit diesem Unterton jedenfalls gehen manche Nachrichten heraus über die für die nächsten Wochen geplante Vereinbarung einer Zusammenarbeit zweier Buchklubs in den USA.
Der eine ist der angesehene Book-of-the-Month Club mit mehr als vier Millionen Mitgliedern und zweihundertachtzig Millionen Dollar Jahresumsatz im Besitz der Time-Warner-Gruppe - ein amerikanisches Schmuckstück. Der andere ist Doubleday Direct, hat ebensoviele Mitglieder und gehört Bertelsmann. Schon jetzt ist Bertelsmann der weltgrößte Verlag für englischsprachige Bücher - und nun noch diese Partnerschaft. Eine weitergehende Zusammenlegung ist vorerst nicht geplant: Beide Unternehmen behalten ihre jeweiligen Geschäftssitze in New York City (Book-of-the-Month Club) und Long Island.
Mit der Allianz soll vor allem amazon.com angegriffen werden. "Wir werden die Online- Verkäufe aggressiv verstärken", verkündet Markus Wilhelm, der Chef von Doubleday Direct.


Asche zu Asche

Der Roman von Frank McCourt "Die Asche meiner Mutter" (Pulitzer-Preis 1997) war - auch in der glänzenden Übersetzung ins Deutsche durch Harry Rowohlt - nicht nur ein literarisches Ereignis, sondern überdies ein Publikumserfolg. Der Film (obwohl der Autor am Skript mitgeschrieben hat) ist ein jammervolles, drittklassiges Begräbnis aller Qualitäten des Buches.
Dabei bemüht sich wenigstens die erste Hälfte des Films noch um den beißenden Humor, der das Elend (auch dem Leser) überhaupt erträglich macht. Dann aber entwickelt sich die Zentralfigur (Emily Watson, Foto) nicht wie im Roman zu Fleisch und Blut und zur eigenen, ungewöhnlichen Person, sondern zu einem Klischee: die archetypische, leidende irische Mutter. Und statt wahrer Gefühle kriegen wir aufrauschende Musikeinlagen wie in jedem Indiana-Jones-Film. Schlußbild: die Freiheitsstatue; alles wird gut. Musik, Abspann.
Einhundertsechsundvierzig verlorene Minuten.

Ihr Kommentar

 

Die schöne Leserin

Marilyn Monroe hat nicht dauernd nur in Kameras geschaut, sie hat auch gelesen. In ihrer Bibliothek befanden sich mindestens fünf Bücher unterschiedlicher literarischer Qualität (und höchstwahrscheinlich nicht nur diese): "My Antonia" und "Lucy Gayheart" von Willa Cather, "The Portable Dorothy Parker", "The Ballad of the Sad Café" von Carson McCullers und die Kurzgeschichtensammlung "The Little Disturbances of Man" von Grace Paley. Ausschließlich amerikanische Autorinnen.
Die Bücher stammen von einem anonymen Spender und wurden im Dezember der Bibliothek des Radcliffe Institute for Advanced Studies in Camrbidge, Mass., übergeben.

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Hat die Literatur-Nobelpreisträgerin Landesverrat begangen?

Für die Militärs von Guatemala ist der Fall eindeutig: Sie ließen durch den Anwalt Julio Cintrón Anzeige wegen Landesverrat gegen Rigoberta Menchú erstatten; Grund der Anzeige: Die Nobelpreisträgerin hat sich an den obersten spanischen Gerichtshof gewandt, der wegen Völkermord, Folter und Staatsterrorismus aus den sechsunddreißig Jahren des Bürgerkriegs in Guatemala ermitteln soll. Das Vorgehen entspricht nicht zufällig dem Verfahren, in dem der chilenische Ex-Diktator Pinochet vor demselben Gerichtshof verklagt wurde. Die Staatsanwaltschaft kann allerdings frei bestimmen, ob sie die von Cintrón vorgelegten Beweise als ausreichend für eine Anklage gegen Rigoberta Menchú ansieht oder nicht.


Gefährliche Milde

Der Autor hat noch einmal Glück gehabt: Das Verfahren gegen ihn ist eingestellt worden.
Dariusz Ratajczak (Die Gazette, Dezember 1999) hatte in seinem Buch "Gefährliche Fragen" den Holocaust geleugnet und damit gegen polnisches Recht verstoßen. Das Gericht hielt ihm jetzt zugute, dass die lediglich zwei verkauften Exemplare "nur geringen gesellschaftlichen Schaden" angerichtet hätten. Außerdem habe sich der Autor im Vorwort zur zweiten Auflage (anstatt der beschlagnahmten ersten) von den Holocaust-Leugnern distanziert.
Das hinderte Ratajczak aber nicht, nach dem Verfahren zusammen mit Leszek Bubel, dem Führer einer rechtsextremen Splittergruppe, vor die Presse zu treten.
Womöglich waren die Richter doch zu milde mit ihrem Beschluß.


Comeback für den Zeitungsroman?

Die Lektüre eines Fortsetzungsromans in der Zeitung gilt seit Jahrzehnten als langweilige Rentneraktivität. Kein großer Nachkriegsroman wurde in dieser Form veröffentlicht.
Das soll jetzt anders werden. Zwei amerikanische Bestseller-Autoren, Caleb Carr und John Grisham, wollen ihre neuen Produkte in diesem Jahr erstmals als Fortsetzungsromane erscheinen lassen, in der Zeitschrift "Time" bzw. in "The Oxford American", einer Zeitschrift, die von Grisham auch als Herausgeber unterstützt wird.
Ob dahinter ein Trend steht, mag bezweifelt werden. "Alle Schriftsteller", meinte Grisham dazu, "denken darüber nach, einmal etwas anderes zu versuchen, nur um zu sehen, ob sie es schaffen." Und wenn Sie es gesehen haben?
Fortsetzungsromane waren Anfang des 19. Jahrhunderts verbreitet, als neue Drucktechniken die Herausgabe von Periodika beschleunigten. Mehrere Romane der Weltliteratur sind auf diese Weise erschienen, als bahnbrechendes Beispiel "The Pickwick Papers", später etwa "Krieg und Frieden", "Schuld und Sühne" oder "The Portrait of a Lady".


Rückruf für eine ganze Auflage

David Hoffman ist der Autor des Buches "The Oklahoma City Bombing und The Politics of Terror". Darin enthalten sind unzutreffende Tatsachenbehauptungen über den FBI-Beamten Oliver Revell und, schlimmer noch, dessen aktive Beteiligung an dem Bombenattentat vom April 1995, das einhundertachtundsechzig Tote forderte.
Vor Gericht haben sich nun Revell und der kalifornische Verlag Feral House darauf geeinigt, dass die gesamte Auflage zurückgezogen und eingestampft werden soll. Wieviele Exemplare der Verlag noch auf Lager hat und also vernichten kann, wurde nicht bekanntgegeben. Auch nicht die Höhe der Geldstrafe, die der Verlag an Revell zu zahlen hat.
Der Prozeß gegen Hoffman und zwei seiner Informanten geht unabhängig davon weiter.


Ein Lyrik-Kanon?

Da gibt es im Netz eine private Gedicht- und Prosasammlung, die von Abraham a Sancta Clara über Yaak Karsunke und Georg Philipp Telemann [sic] bis Marina Zwetajewa geht, eine kleine Anthologie quer durch alle Länder, Epochen und Stilrichtungen.
Aber nicht das ist das Interessante an der Website, sondern die Rangliste der Gedichte, geordnet nach der Anzahl der Adressen, an denen das jeweilige Gedicht außerdem noch im Internet zu finden ist (die Adressen sind dann auch als Links aufgeführt).
Allen voraus steht hier "Der Panther" von Rilke mit 31 Adressen. Dann folgen drei Goethe-Gedichte ("Ein Gleiches" mit 25, "Der Zauberlehrling" und "Erlkönig" mit je 21 Adressen). Auf Platz fünf überraschend ein Klassiker der Moderne, Paul Celans "Todesfuge" mit ebensovielen Adressen wie das nächste Gedicht, Rilkes "Herbsttag" (21). Danach kommen mit 19 bis 13 Adressen wieder Goethe ("Gefunden"), Heine ("Loreley"), nochmal Goethe ("Prometheus"), Eichendorff ("Mondnacht"), Hesse ("Im Nebel", klar), Claudius ("Abendlied"), Fontane ("Herr von Ribbeck"), Hölderlin (mit - erstaunlich - "Hälfte des Lebens") und Storm ("Die Stadt"). Auch die hinteren Plätze werden eindeutig von Goethe dominiert, Schiller taucht erst später auf ("Das Lied von der Glocke", 9), schließlich auch sogar Gryphius, Trakl und Benn (je 6 Adressen).
Als Psychogramm deutscher Lyrikrezeption ist das lehrreich: konzentriert auf Bewährt- Verläßliches (Goethe), gelegentlich zu hübschem Geklingel verführbar (Rilke, Hesse), vor allem der Romantik anheimgegeben, aber nicht ohne politisches Bewußtsein (Celan). Kein ganz hoffnungsloser Fall.


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