Nr. 21,  Januar 2000
 


 

Inhalt

Der Kommentar
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Das Interview
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Die Marginalie

Lese-Effekte
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Texte, die wir nicht verstehen
Unzeitgemäß
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Selbstanzeige

In Kassel? Ja, in Kassel hatte Samuel Beckett (sein Todestag jährte sich im vergangenen Dezember zum zehnten Mal) eine große Jugendliebe. Gottfried Büttner, zwanzig Jahre lang mit dem Dramatiker befreundet, erzählt aus einfühlsamer Nähe die kaum bekannte Episode.
Der schillernde Goldfisch an der Angel dieses Monats ist natürlich Joseph von Westphalen. In einem Vorabdruck bringen wir einen Auszug aus seinem neuen Roman, der dieses Jahr - aber wie wir den Betrieb kennen: womöglich doch erst 2001 - erscheinen soll.
Auch die Lyrikerin im Januar ist keine gewöhnliche Schreiberin. Lynne Marie Rypdal ist in Norwegen geboren und aufgewachsen, und auf die Frage, wie sie zum Deutschen kam, antwortet sie eigenwillig: "Das Deutsche kam zu mir."
Vor wenigen Wochen hat sich Maja Das Gupta eingehend mit Alexander Korund unterhalten, der den 9. Literarischen Herbst in Leipzig geleitet und vor kurzem abgeschlossen hat: Ihr Interview gibt einen detaillierten Einblick in den Literaturbetrieb der sächsischen Universitätsstadt.
Zwar nicht neu, weil nur die Fortsetzung aus der Dezember-Nummer, ist Jean Pauls in jedem Wortsinn "Wunderbare Gesellschaft", deren zweiten und letzten Teil Sie aber keinesfalls verpassen sollten.
Zum Schluß noch der Hinweis auf ein Buch über Schweine und Wolkenkratzer, das schon 1996 bei Antje Kunstmann erschienen ist: unbedingt lesen! Es gibt keine amüsantere und zugleich fundiertere Einführung zu den Chicago-Boys.

In diesem Sinn wie immer: Viel Vergnügen!

Der Herausgeber


PS
Man wird bemerken, daß sich die neue Rechtschreibung auch hier allmählich einschleicht, aber allenfalls in sehr gemäßigter Form.

Das Zitat für Leser

Und doch ist es auch wahr, daß man nichts Lesbares schreiben kann, wenn man nicht dauernd darum kämpft, die eigene Persönlichkeit unsichtbar zu machen. Gute Prosa ist wie eine Fensterscheibe.

George Orwell, Warum ich schreibe (1945)
 

Themen

Bedenkenlose Banalitäten: Lolitas nachgeschriebenes Tagebuch.

Hat der Marquis de Sade einen Tipp für unseren Sozialstaat? Aber ja. Und was für einen!

Schleichwerbung im Biedermeier? Aber sicher. In "Abschied und Krankheit" 1817.

Die Kleinen sind die Besseren: Gazetten-kompatible Suchmaschinen.

Jean Paul kommt ohne Die wunderbare Gesellschaft ins nächste Jahrhundert.

Nochmal: Wer hat die Futures mit Rinderhälften erfunden? . Eine funkelnde Stadtbegehung mit Marco d'Eramo.


 
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 Leserbriefe
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 

Gratuliere, man kann sich festlesen, wie in Papier. Ist ja eigentlich auch kein Wunder. Schließlich ist man mittlerweile seit Jahren daran gewöhnt daß das Hirn von Zeichen auf dem Bildschirm aus in Schwung gestzt wird. Was mich mal irgendwann interessiert ist das Technische. Nicht alle Homepages sind so übersichtlich aufgemacht wie die Gazette. Wer bastelt da herum, daß es so gut funktioniert? Alles Gute, Joseph Westphalen, der bei der Suche nach seinem eigenen Interview hier sich woanders festgelesen hat, und das ist ja auch gut so. Das Internet leistet dem Inzest bzw. dem Narzismus Vorschub, man sucht immer nach Spuren seiner selbst. Dabei in andere Bahnen zu gelangen, ist die gerechte "Strafe" für die Eitelkeit.
Joseph von Westphalen

Für die Überlegung, was mit dem nächsten Jahrtausend zu machen sei, haben Sie ja noch immerhin ein ganzes Jahr Zeit !
Mit freundlichen Grüßen
Friedr.-W. H. Rahe

Ich beglückwünsche Sie zu der Ruhe, mit der Sie der - ich drücke mich bewußt zurückhaltend aus - Jahreswende entgegensehen. Der feierlichen Rück- und Vorausblicke ist ja kein Ende mehr! Wenn damit wenigstens ein produktives Innehalten verbunden wäre, von dem dann auch das so oft geforderte Umdenken ausginge - ich ließe es mir noch gefallen. Aber es ist doch wohl eher zu befürchten, dass nach allen scheinbaren 2000er-Bilanzen der gedankenlose Schlendrian im nächsten Jahr und Jahrhundert unvermindert, unverbessert weitergeht. - Behalten Sie Ihren aufklärerischen Ton bei, wir werden ihn noch brauchen.
Prof. Dr. Rebekka Lindner, Taiwan

 
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