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Die Sonderheit des Wollens
Der Deutsche begann [um 1800], sich inmitten der fremden Völker
als führend im Dichten und Denken zu fühlen. Das Bewußtsein
der überragenden Leistung auf einem, und zwar dem ihm so wichtigen
Felde erfüllte ihn endlich seit Hunderten von Jahren der Verehrung
für französische, italienische, englische Verbilder mit sehr
berechtigtem Stolz. Die Bewunderung des Auslandes machte ihm völlig
klar, wie viel er vermochte.
So geschah es, daß der Begriff der Nation, der deutschen Nation
als einer Sonderheit des Seins und Wollens, in den Köpfen der Besten
emporstieg und langsam bestimmten Inhalt erhielt. Gerade das weiche
Zerfließen im raumlosen All erzeugte zuletzt den Sinn für
das Ureigene, Angestammte und Nahe. Der Flug in die Ferne gebar die
Sehnsucht nach Heimat. ... Kein Geringerer als Schiler hat ferner im
Entwurf zu einem Gedicht kurz vor seinem Tode den grundlegenden Zügen
des deutschen Wesens nachgespürt und gelangte dabei vom Standpunkt
der Epoche aus zu einem wunderbar stolzen Ergebnis. Nach ihm verkehrt
der Deutsche "mit dem Geist der Welten", doch das eben macht
ihn "zum Kern der Menschheit". "Nicht im Augenblick zu
glänzen", ist seine Aufgabe, sondern "den großen
Prozeß der Zeiten zu gewinnen". "Jedes Volk", heißt
es zum Schluß, "hat seinen Tag in der Geschichte, doch der
Tag der Deutschen ist die Ernte der ganzen Zeit". Eindeutig gewinnt
hier der Hang zum Internationalen den Übergang zum nationalen Empfinden.
Friedrich Stieve, Geschichte des deutschen Volkes, München und
Berlin 1940
Ihr
Kommentar

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