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Mannix Flynn Ne tolle Frau Zuhause half ich meiner Ma in der Vorweihnachtszeit immer, die Christbäume
zur Camden Street hochzuschaffen, die sie an ihrem Stand verhökerte.
Das Geziehe und Geschleife, Tannen auf der Straße rauf und
runter zerren, ich haßte das. Alle paar Meter mußte
man ne Pause einlegen und sich mit den Zähnen Tannennadeln
aus den Händen ziehn. Ich half auch mit, die Dinger an den Mann
zu bringen, und pries sie den Leuten an wie warme Semmeln. Jedesmal,
wenn ich ne neue Fuhre im Kinderwagen zu Ma's Bude raufschob,
kam ich mit vor wie der letzte Idiot. Alle Kinder in unserem Wohnblock
schauten mir nach, und mein Kopf leuchtete wie ne Ampel, so peinlich
fand ich das. Manchmal purzelten mir die Tannen vom Kinderwagen runter
und rollten auf die Straße. Dann brach gewöhnlich der Verkehr
zusammen. Busfahrer kriegten Schreikrämpfe, und man wurde halb
taub von all dem Gehupe. Die ganze Straße war minutenlang blockiert,
und keiner konnte vor oder zurück. Die Passanten drängelten
sich auf den Bürgersteigen und gafften wie blöde, daß
ihnen nur ja nix entging. Und ich stand mittendrin im allgemeinen Chaos,
bemühte mich, die verdammten Tannen auf meinen Kinderwagen zurückzuhieven,
die Hände gespickt mit Nadeln, die Birne glühend rot. Ich
konnte von Glück sagen, daß nie ein Stier in der Nähe
war. Wenn ich sie dann endlich meiner Ma brachte, wartete sie schon
auf mich, die Arme in die Hüften gestemmt und mit einem Ausdruck
in den Augen, der besagte: "Alles in Deckung! Gleich knallt's,
gleich explodiert sie." "Du!" pflegte sie mich anzuschnauzen,
"du saudummes Schwein du! Über ne Stunde steht ich mir
hier die Beine in den Bauch. Ich könnte die Bäumchen längst
verkauft haben. Jesus, Maria und Joseph, womit hab ich das verdient?
Warum muß ausgerechnet ich ne ganze Blase Versager
in die Welt setzen?" Jeder, der an uns vorbeiging, schaute Ma an,
als wär sie übergeschnappt oder besoffen, oder weiß
der Teufel was. Oft kippte ich nur die Tannen vor ihr auf die Straße
und machte mich aus dem Staub, bevor sie sagen konnte: "Gerard,
sei so lieb, lauf doch bitte noch mal rüber und bring mir
n halbes Dutzend her, du weißt schon, die mittelgroßen,
das wär dann schon alles. Ja, so ist's brav, bist ein Schatz."
Aber ich hörte meistens gar nicht hin und war die Grafton Street
runtergepest, ehe sie den ersten Satz zu Ende gebracht hatte. Aus: Mannix Flynn, Nothing To Say. Übersetzung: Frank T. Zumbach Das Konzert 1. Schwehlicht kehlicht Bramarbasistorium - Wühl de Parfüm inde lauschende Nutria, anne kölschfrische Schürfkrägen. Tuscheln und Knistern von Zwillingsgeschwistern. Das Ehepaar Hinzkunz stellt verhaltensgestörte Tochter vor. Foyer. Marmorschlieren an den Absätzen der Troddelschuhe, Minibriketts, Schnallenschnallen. Stackelt und hallt. Didak-tak. Didaktaktak. Macintosh. Swart, swat. Tümmel, tuschel, Klingelzeichen.Und ´rin. 2. Da de tatüta. Schrumm in der Schräge. Das Tasthorn ansetzen.
Malz in der Gehörgrube, gerinnt nach quietschendem Bohren. Netzlicht
der Übertaster. Durchgestammel zu nummerierten Plätzen, kleine,
rote Mumien. In der Falte steht doch schwärzlichst: Parkett rechts
- wo also nun. Nein, aber das ist mein Platz, und das ist mein Platz,
und das mein Platz. Gestörte Blicke. Wenn überfreundlich,
zerbirst das Makeup. Gesirre, Getuse, Geschramme. Endlich. Da wären
wir. Wuff! Hier, halt mal. Und das. Und das. 3. Letzte Minute. Zeit zur Besinnung. Das Programm riecht nach Bohnerwachs. Namen, die keiner kennt. Schraben, Schlieren. Insekten auf der Rampe. Die Töne verpuppen sich. Risibisi, muhä, romromrom, schursewurse. Ein letzter, abgehackter Dudelton. Das Gerede dimmt ab. Die Lichter werden gelb und verhuschen in Augenspiralen. Stirngeballe zu konzentriertem Hörvermögen. Und jetzt! 4. Frau Hirsemaiers Täschchen geht auf. Perlen fiepen und glucksen über das Linoleum, abwärts, abwärts, wie Limonadenflasche in Lichtspielhaus, freilich: ungleich dezenter. Ogottwassollichmachen, denkt sie und geifert Nervenviren durch die halbanteilnehmende, halb mürrische Stuhlreihe. Lauter Ahnungslosigkeiten. Gespreiz, Gezeig. In kosmetische Wickel verpackter Terror. Erbsenmänner. 5. Schnelles Heranschreiten des Dirigenten. Kurze Verbeugung in das
antosende Handtellerprasseln. Nur netzbehandschuhte Hände klingen
nicht. Er baut sich als Schatten vor Podesten auf, tröpfchenperlig
im Gegenlicht. Der elektrische Sekt verebbt. Durch die einsetzende,
klamme Stille bohren sich erste Hustanfälle. Achselnaht kracht
- Skelettarm ragt gebietend gegen verloschene Lüster. Ruhe, biederes
Volk! Offenbarung steht bevor! 6. - da schrummelt es auf von den emsigen Hölzern, schrillt aus Trompetenhälsen ins reelle Licht. Erhabener Lärm quillt aus dem Graben. Huster an den schönen Stellen. Waldeslust mit Grillenstreichern und Hörnertiefe. Ein Männlein steht im Walde. Der Dirigent. Renkt, fusselt, Halm im Winde, weist mit steingemeißeltem Gesicht hierhin: Bombardonbadon!, dorthin: Filou, filou, und schon streichen und blasen alle wieder gemeinsam, unisono, ehrfurchtgebietend. Verstehs nicht, aber finds trotzdem schön, malt sich auf den Gesichtern der vorderen Reihen. Nicht in Frage stellen. Neisingelasse .... Gulduhr .... 7. Beginnende Ermüdungserscheinungen. Rüschen scheuern Oberbusen wund. Binder würgen scheurig rosa. All die kleinen Drangsale des Alltags nehmen überhand. Das Erhabene provoziert auf Dauer. Husten. Geräusche machen, nur Geräusche machen, mit dem ganzen Raupenleib dagegen ankämpfen. Vollbartkruscheln. Magengrollen. Der Darm sagt `miep´. Später reichen Lesefrüchte. Zu früh klatschen. 8. Holzpracht, Fiedelplissee, Harfenerlös. Die Musikalischen machen die Augen zu. Wie spät? Pst. Fanfaren künden das Ende an. Eine paffen. Beinevertreten. Schnudeln. Man kennts eh von der Platte her. Meine zehnte Sechste. Pause. Luft. Sekt. Schnitten. Büffee. Das ewige Anstehen. Fred hat endlich Abitur gemacht. Dreckiger Witz. Entenbrüstchen, zwinker, zwinker, har, har. Denhättensemalsehensollen. Börsenkurse. Dax. DER DAX. Meine serbische Putzfrau. Meine taubstumme Sekretärin. Mein Gehirn aus Löwensenf. Winnigrätt. Am Montag entlass´ ich Stuntz. Es klingelt schon. Trink deinen Sekt aus, Schatz. 9. Bis man sich wieder hingesetzt hat! Fängt schon an. Licht schwillt ab. Auf Dösen umstellen. Kamasutra. Kamikaze. Kannitverstahn. Stilmöbel der Lutherzeit. Einfach umgestylt. Und die Grundgebühr - is a scho drin. Wir sehen uns ja demnächst. In den neuen Bundesländern. Dias von der Ostseeküste. Emmerich stinkt aus dem Hals. Geht schon los. Eine Dreiviertelstunde noch. Uhrenvergleich. Heldenblick. Glänzender Solist. Das Orchester stöhnt richtig. Sagt mir aber nix. Zuhause sein. Die eigenen vier Wände. Denkrimisehnumnulluhrzehn. Blick ins Programm. Wann man klatschen muß. 10. Aus. Applaus. Nicht mehr klatschen, schnell zu den Mänteln.
Drängeln, Schurren, mit den ersten Ausgeplimpten die Treppe hinab,
vor der Walze. Untermischen. Gestossenwerden. Eifriges Schweigen: Jeder
will zuerst hinaus. Blasses Schusselchen krakt Stoffrochen vor. Reif
fürs Altersheim. Ewiges Abehäkele. Menschenschwarm. Wartezeiten.
11. Taxi! |
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