Fotogalerie
Dazu
Michael Peuckert, der Fotograf:
Kuala Lumpur, Malaysia
Seit bald einem Jahr brennen auf dem malaiischen Archipel die Wälder
- Brandrodung, um Land zu „gewinnen". Verlierer sind die letzten Orang
Utans und alle anderen Waldbewohner: Sie bezahlen mit ihrem Lebensraum.
Doch auch die Menschen ernten allmählich die bitteren Früchte
ihrer eigenen Spezies. Ein grauer Schleier legt sich über das Land,
verschließt den Himmel und verpestet die Atemluft.
Über Malysias Hauptstadt und Wirtschaftszentrum Kuala Lumpur erwarte
ich auf dem Dach eines Bankhochhauses den Sonnenaufgang. Für mich
ist dies sonst die schönste und intenssivste Zeit des Tages, auch
eine spannende, denn die Erde läßt das Licht der Sonne in veränderten
Farben auf unseren Planeten strahlen. Die Welt erscheint buchstäblich
immer wieder neu in einem anderen Licht. Als das Tagesgestirn dann schließlich
für kurze durch den Dunst über dem Häusermeer auftaucht,
empfinde ich die geliebte Lichtquelle hier oben plötzlich als etwas
Fremdes. Die Szenerie erscheint mir wir aus einem Science-Fiction-Film,
eine Wüstenei aus Stahl, Beton und Glas, darüber ein unbekannter,
fahler Himmelskörper. Beunruhigt drücke ich mehrmals auf den
Auslöser, warte ein wenig, ob das Licht sich verändert. Aber
wie ein Spuk, der sich erst nach Mitternacht wieder auflösen wird,
verschwindet die Sonne für den Rest des Tages.
Ein Satz aus der Rede des Indianerhäuptlings Seattle von vor fast
hundertfünfzig Jahren kommt mir in den Sinn: „Die Erde gehört
nicht dem Menschen - der Mensch gehört der Erde. Der Mensch schuf
nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer ihr
dem Gewebe antut, das tut ihr euch selber an."