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Die Rettung Deutschlands aus den Massengräbern
Vor fünfundachtzig Jahren ist Sven Hedin, der
sonst eher als Forschungsreisender Berühmte, in Belgien auf einer
Propaganda-Tour für die deutsche Weltkrieg-I-Armee unterwegs. Am
Allerseelentag 1914 nimmt er in Belgien an einem Feldgottesdienst teil
und gibt seine "besonders erschütternde Stelle der Predigt"
wieder:
"Und ein zweiter Ruf tönt aus den Massengräbern: Vergesset
unsere Leiden und unsere Wunden nicht!' Meine lieben Kameraden! Der
große Völkerapostel hat einmal seiner Gemeinde in stolzer
Liebe zum Gekreuzigten zugerufen: Ich trage die Wunden der Herrn
an meinem Leibe.' Wer von unserem Volke sich noch etwas sittlichen Ernst
bewahrt hat, wird die Wunden und die Leiden dieses Krieges zeitlebens
in seiner Gesinnung tragen. Der Preis unserer Befreiung und unserer
Siege war der teuerste und kostbarste, den eine Nation zu zahlen hat:
das Blut der Jugend! Kommt und schauet, wie wir sie begraben! Wir können
sie nicht wie die Germanen auf die Schultern heben und über die
Berge in die deutsche Heimat tragen. Aber, meine lieben Brüder,
ich kenne einen Sarg, der kostbarer ist als der Sarg, gezimmert von
einem fremden Meister: das ist der Sarg des deutschen Herzens! Dahinein,
tief und verborgen, wollen wir unsere teuren Toten betten; ihn führen
wir heimwärts in die deutsche Heimat. Und wenn einmal - was Gott,
der Schirmherr unserer deutschen Sache verhüten möge - die
Zeit kommen sollte, wo eine Generation, unsere Jünglinge, unsere
Töchter und Frauen nicht mehr wissen, was uns der Friede und eine
neue Blüte des Reiches gekostet hat, wo man nur der Früchte
in einem erschlaffenden Genußleben sich freut, wo man entnervenden
und zersetzenden Sitten wie fremden Göttern zu huldigen beginnt
- dann, meine lieben Brüder, ist für uns, die wir heute hier
an den Massengräbern trauern, die Stunde gekommen, wo wir die Särge
öffnen und einer nur genießenden Nation unsere Toten, ihre
Wunden und ihre letzten Stunden zeigen werden, dann zeigt, ihr Väter,
eure gefallenen Söhne. Dann mögen die Geister der Gefallenen
den schwersten Kampf gegen das eigene Volk führen, das die Wunden
des Krieges nicht mehr in seiner Seele trägt. ...
Der Krieg ist für uns eine monumental-geistige Sache einer einheitlich
auferstandenen, in ihren heiligsten Gefühlen gekränkten und
zur Gegenwehr gezwungenen Nation. Diese Nation wird aber auch vom Geist
der Gerechtigkeit und des Friedens ewiges Leben ernten. Amen."
Sven Hedin, Ein Volk in Waffen, F. A. Brockhaus, Leipzig
1915, Seite 177f
Ihr
Kommentar

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