Nr. 19, November 1999
 
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Die Rettung Deutschlands aus den Massengräbern

Vor fünfundachtzig Jahren ist Sven Hedin, der sonst eher als Forschungsreisender Berühmte, in Belgien auf einer Propaganda-Tour für die deutsche Weltkrieg-I-Armee unterwegs. Am Allerseelentag 1914 nimmt er in Belgien an einem Feldgottesdienst teil und gibt seine "besonders erschütternde Stelle der Predigt" wieder:

"Und ein zweiter Ruf tönt aus den Massengräbern: ‘Vergesset unsere Leiden und unsere Wunden nicht!' Meine lieben Kameraden! Der große Völkerapostel hat einmal seiner Gemeinde in stolzer Liebe zum Gekreuzigten zugerufen: ‘Ich trage die Wunden der Herrn an meinem Leibe.' Wer von unserem Volke sich noch etwas sittlichen Ernst bewahrt hat, wird die Wunden und die Leiden dieses Krieges zeitlebens in seiner Gesinnung tragen. Der Preis unserer Befreiung und unserer Siege war der teuerste und kostbarste, den eine Nation zu zahlen hat: das Blut der Jugend! Kommt und schauet, wie wir sie begraben! Wir können sie nicht wie die Germanen auf die Schultern heben und über die Berge in die deutsche Heimat tragen. Aber, meine lieben Brüder, ich kenne einen Sarg, der kostbarer ist als der Sarg, gezimmert von einem fremden Meister: das ist der Sarg des deutschen Herzens! Dahinein, tief und verborgen, wollen wir unsere teuren Toten betten; ihn führen wir heimwärts in die deutsche Heimat. Und wenn einmal - was Gott, der Schirmherr unserer deutschen Sache verhüten möge - die Zeit kommen sollte, wo eine Generation, unsere Jünglinge, unsere Töchter und Frauen nicht mehr wissen, was uns der Friede und eine neue Blüte des Reiches gekostet hat, wo man nur der Früchte in einem erschlaffenden Genußleben sich freut, wo man entnervenden und zersetzenden Sitten wie fremden Göttern zu huldigen beginnt - dann, meine lieben Brüder, ist für uns, die wir heute hier an den Massengräbern trauern, die Stunde gekommen, wo wir die Särge öffnen und einer nur genießenden Nation unsere Toten, ihre Wunden und ihre letzten Stunden zeigen werden, dann zeigt, ihr Väter, eure gefallenen Söhne. Dann mögen die Geister der Gefallenen den schwersten Kampf gegen das eigene Volk führen, das die Wunden des Krieges nicht mehr in seiner Seele trägt. ...
Der Krieg ist für uns eine monumental-geistige Sache einer einheitlich auferstandenen, in ihren heiligsten Gefühlen gekränkten und zur Gegenwehr gezwungenen Nation. Diese Nation wird aber auch vom Geist der Gerechtigkeit und des Friedens ewiges Leben ernten. Amen."

Sven Hedin, Ein Volk in Waffen, F. A. Brockhaus, Leipzig 1915, Seite 177f

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