Nr. 19, November 1999
 
 Essays    Interview     Leseproben     Net-Ticker      TextBilder     Rubriken     Archiv

 
Rubriken
 
 
 
Lese-Effekte
Fundsache
Texte, die wir nicht verstehen
Unzeitgemäß
Die Adresse
Peinlichkeiten

 
Leserbriefe
Impressum

 

 

Überschrift in der "Süddeutschen Zeitung", Feuilletonbeilage:
Holocaust
Feig und enthüllend einfallslos. Auf derselben Doppelseite erhält man ansonsten so launige Überschriften-Kalauer wie "Das Nichts und die Nichte" (über einen Undset-Roman), "Die Welt, die hat acht Ecken" (Mozarts "Don Giovanni"), "Mal wieder" (die Mahnmal-Stiftung), "Ansichten eines Klons" (Philosophen-Kongreß) und - sehr gelungen - "Peng, du bist Turandot" (über die Liceu-Wiedereröffnung in Lissabon). Und nun daneben nackt und bloß "Holocaust"? Warum nicht etwa "Holocaust - gell, da schaust!"? Oder wenigstens "Holoköstlich"? Oder auch, irgendwie gräzistisch gebildeter, "Ein brennendes Thema"?
Jetzt soll die SZ nur nicht mit der faulen Ausrede kommen, das sei doch eines der "Hundert Wörter des Jahrhunderts" gewesen. Die anderen Überschriften haben doch auch nichts mit irgendeinem Artikelinhalt zu tun.


Peter Gauweiler, Kolumnist der "Welt am Sonntag": Die wirkliche Verwirrung der SPD haben auch nicht Lafontaines Thesen bewirkt, sondern
ein von oben verordneter hundertachtzigprozentiger Gesinnungsschwenk der Partei.
Wenn die Christliche High-Tech-Partei mit Prozenten so umgeht, steigen die Renten bald um zehn Grad (vielleicht sogar Celsius).


Die Wahlkampfmanager dort: lässig,  
und unser Minister, tapfer lächelnd, kann es noch gar nicht fassen, daß es sowas gibt.


Ein Internet-Verlag präsentiert sich:
Der gutenberg-neuemedien-Verlag wertet Literatur nicht, wir sind Sprachrohr von Hunderten von Autoren und deren Gedanken.
Das Wort ist frei, und so finden sich Autoren, deren Bücher verbrannt, neben Literaten die Strömungen der Zeit niederschreiben.
Das Werten der Texte bleibt ganz allein Ihnen, dem Leser vorbehalten.

Diese für einen Verlag ungewöhnliche Zurückhaltung ist - bei solcher Sprachbeherrschung und Zeichensetzung - weise. Noch rücksichtsvoller gegen Hunderte von Autoren wäre es allerdings, das Sprachrohr publizierte überhaupt nicht.


Der "Spiegel" Nr. 43, Seite 159, mitten in der Rubrik "Medien":
Das Magazin der Reporter
Bis jetzt hat das "Spiegel"-Layout zwischen redaktionellen Beiträgen und Werbung noch unterschieden. Aber beim vorauseilenden Selbstlob schlägt offenbar auch hier die Schludrigkeit durch.

Ihr Kommentar

 
 Essays     Interview     Leseproben     Net-Ticker     TextBilder     Rubriken     Archiv