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Überschrift in der "Süddeutschen Zeitung", Feuilletonbeilage:
Holocaust
Feig und enthüllend einfallslos. Auf derselben Doppelseite erhält
man ansonsten so launige Überschriften-Kalauer wie "Das Nichts
und die Nichte" (über einen Undset-Roman), "Die Welt,
die hat acht Ecken" (Mozarts "Don Giovanni"), "Mal
wieder" (die Mahnmal-Stiftung), "Ansichten eines Klons"
(Philosophen-Kongreß) und - sehr gelungen - "Peng, du bist
Turandot" (über die Liceu-Wiedereröffnung in Lissabon).
Und nun daneben nackt und bloß "Holocaust"? Warum nicht
etwa "Holocaust - gell, da schaust!"? Oder wenigstens "Holoköstlich"?
Oder auch, irgendwie gräzistisch gebildeter, "Ein brennendes
Thema"?
Jetzt soll die SZ nur nicht mit der faulen Ausrede kommen, das sei doch
eines der "Hundert Wörter des Jahrhunderts" gewesen.
Die anderen Überschriften haben doch auch nichts mit irgendeinem
Artikelinhalt zu tun.
Peter Gauweiler, Kolumnist der "Welt am Sonntag": Die wirkliche
Verwirrung der SPD haben auch nicht Lafontaines Thesen bewirkt, sondern
ein von oben verordneter hundertachtzigprozentiger
Gesinnungsschwenk der Partei.
Wenn die Christliche High-Tech-Partei mit Prozenten so umgeht, steigen
die Renten bald um zehn Grad (vielleicht sogar Celsius).
Die Wahlkampfmanager dort: lässig,
und unser Minister, tapfer lächelnd, kann es noch gar nicht fassen,
daß es sowas gibt.
Ein Internet-Verlag präsentiert sich:
Der gutenberg-neuemedien-Verlag wertet Literatur nicht,
wir sind Sprachrohr von Hunderten von Autoren und deren Gedanken.
Das Wort ist frei, und so finden sich Autoren, deren Bücher verbrannt,
neben Literaten die Strömungen der Zeit niederschreiben.
Das Werten der Texte bleibt ganz allein Ihnen, dem Leser vorbehalten.
Diese für einen Verlag ungewöhnliche Zurückhaltung ist
- bei solcher Sprachbeherrschung und Zeichensetzung - weise. Noch rücksichtsvoller
gegen Hunderte von Autoren wäre es allerdings, das Sprachrohr publizierte
überhaupt nicht.
Der "Spiegel" Nr. 43, Seite 159, mitten in der Rubrik "Medien":
Das Magazin der Reporter
Bis jetzt hat das "Spiegel"-Layout zwischen redaktionellen
Beiträgen und Werbung noch unterschieden. Aber beim vorauseilenden
Selbstlob schlägt offenbar auch hier die Schludrigkeit durch.
Ihr
Kommentar

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