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Nicht nur wegen des Kreuzworträtsels
Demnächst muß niemand mehr Französisch können,
um eine der besten Tageszeitungen der Welt zu lesen: "Le Monde".
Schon jetzt beeindruckt "Le Monde interactif" durch eine ungewöhnlich
großzügige und in ihrer Vollständigkeit nur mit amerikanischen
Zeitungen vergleichbare Präsentation seiner täglichen Artikel
(und, bei aller seriösen Texthaltigkeit, mit einem "Foto des
Tages"). Die Online-Ausgabe erscheint sogar gleichzeitig mit der
Papierausgabe der ursprünglichen Abendzeitung, nämlich bereits
am frühen Nachmittag des Vortages.
In der Navigationsleiste, die alle "Bücher" (Teile) der
Zeitung auflistet, sind erfreulicherweise die kulturellen Themen einmal
nicht unter "Lifestyle" oder "Entertainment" zu
finden, sondern - wie es sich gehört - unter "Culture".
Wir sind schießlich in Frankreich.
Zwar ist der Zugang zum Archiv der Zeitung (alle sechshunderttausend
Artikel seit 1987) nicht kostenlos (zwischen 6,56 und 9,84 FF pro Artikel),
aber
die jedem Besucher offenstehende Suchmaschine findet zu einem Stichwort
nicht nur die Artikel der aktuellen Nummer, sondern auch die der letzten
drei, vier Monate. Und sie lassen sich alle problemlos herunterladen.
Dort entdeckt man dann auch einen hierzulande
noch unbekannten, vage apologetischen, aber dann doch auftrumpfenden
Beitrag Sloterdijks vom 8. Oktober für "Le Monde".
Seine Elmauer Rede, meint er frohgemut, habe in Deutschland wie "der
Blitz eingeschlagen". Der deutschen Gesellschaft bescheinigt er
ein nach den Weltkriegen habituell gewordenes "schweres Erbe an
Angst und Paranoia". Aber sein "Blitz" habe da endlich
eine "neue Praxis der Postparanoia" eingeleuchtet. Viel klarer
wird auch damit nicht, was er meint, und vieles bleibt unheimlich wie
zuvor. So verkündigt er einen seltsam "positiven Sinn"
der Bezeichnung "Berliner Republik", und zwar "das Problem
oder Nicht-Problem einer dritten Generation nach 1945 in Deutschland,
die psychologisch und sozial anders an die Arbeit geht, aber sicher
mit demselben Verantwortungsgefühl". Nun ja.
Aber die Pläne der Zeitung gehen erheblich weiter.
Bis Ende des Jahres will "Le Monde interactif" eine Übersetzungssoftware
installiert haben, die sämtliche Beiträge in sieben Weltsprachen
zu übersetzen imstande ist. Geplant sind außerdem die offenbar
unvermeidlichen Chat-groups, die hier etwas feiner "Salons Privés"
heißen sollen, ein nach Interessen zusammenstallbarer täglicher
Newsletter, Auktionen und Ticketverkäufe sowie ein ziemlich überflüssiges
Online-Kreuzworträtsel (nach unserer Kenntnis hat nur der "Boston
Globe" so etwas im Netz). Und schon ab Mitte dieses Monats sollen
mehrere "Le Monde"-Artikel auch auf Palm-Pilots lesbar sein.
Gegenwärtig zählt die anspruchsvolle Website täglich
sechzigtausend Zugriffe. Und bereits jetzt wird bei "Le Monde Interactif"
über einen Gang an die Börse "ernsthaft nachgedacht".
Ihr
Kommentar

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