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Le style, c'est l'homme
Sogar Raunen will gelernt sein: Erstaunlich, wie aus diesem
Text immer wieder das vielleicht Gemeinte kurz auftaucht und sofort wieder
in syntaktischen Waberwürsten verschwindet (originale Orthographie
und Zeichensetzung):
Was auch die Kunst in Deutschland nach dem letzten Kriege jagte, war
der Fluch der Schuld, die sich als Werkzeug der Einschüchterung von
links anbot, da sich die Linken als schuldfrei verstanden und weil Hitler
die Juden verfolgt hatte, nun in unseliger Allianz einer jüdisch linken
Ästhetik gegen die Schuldigen bis zu Langeweile und alles kulturelle
Leben lähmenden Lügen so daß die Schuld zum phantasietötenden
Geschäft werden konnte, nicht mehr befruchtend, sondern hemmend, als
Kriterium des Machens und des Publikums, und daß die anscheinend
glückliche Befreiung von der Diktatur die Linken brauchte von seiten
der Juden und die Juden brauchte von seiten der Linken im Europa des Westens.
Das ergab speziell in Deutschland aus dieser gelähmten Gesellschaft
eine neurotische Brisanz, die wegen der zentralen Lage Deutschlands geistig
und geographisch seine Wirkung auf die Weltkultur haben mußte. Wer
mit den Juden ging wie mit den Linken, machte Karriere, und es hatte nicht
unbedingt mit Liebe oder Verständnis oder gar Zuneigung zu tun. Wie
konnten das Juden ertragen, es sei denn, sich wollten nur Macht.
Eine unheilige Allianz für eine Kunst ohne Volk oder billiger,
bequemer, schneller Wegwerfwaren wie Punk, Pop oder Junk. Mit einem Medienpanzer
der Karrieren und Mitläuferschaften umgeben, eine deutsche Mimikry,
die uns jetzt blockiert. Wenn wir nichts tun, nicht daraus wachsen, wäre
alles umsonst. ...
Was hier kämpferisch auftritt gegen die Führungsrolle dieser
Nachkriegsästhetik der Gründungsväter unserer nun sich abnützenden
Kulturbetriebe, muß hart klingen in der Polemik gegen ihren Alltag,
dessen Adepten böse reagieren müssen trotz aller Entwicklungen
in der Geschichte, so daß Hilfe nötig sein wird von den gründenden
Vätern selbst oder ihren eigentlichen Nachfolgern, zur Einsicht jener
Lebensentwicklung, das etwas gerettet werden muß aus der Verhärtung
oder weitergeführt, womöglich zu alten Positionen, die nun wieder
möglich sind. Denn was hier steht, kommt aus Erkenntnissen eigener
Tat.
aus: Hans Jürgen Syberberg, Vom Unglück und
Glück der Kunst in Deutschland nach dem letzgen Kriege, 1990 (aus
dem Vorwort: Zu einer Ästhetik der deutschen Nachkriegsgeschichte) |