Nr. 18, Oktober 1999
 
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Le style, c'est l'homme

Sogar Raunen will gelernt sein: Erstaunlich, wie aus diesem Text immer wieder das vielleicht Gemeinte kurz auftaucht und sofort wieder in syntaktischen Waberwürsten verschwindet (originale Orthographie und Zeichensetzung):

Was auch die Kunst in Deutschland nach dem letzten Kriege jagte, war der Fluch der Schuld, die sich als Werkzeug der Einschüchterung von links anbot, da sich die Linken als schuldfrei verstanden und weil Hitler die Juden verfolgt hatte, nun in unseliger Allianz einer jüdisch linken Ästhetik gegen die Schuldigen bis zu Langeweile und alles kulturelle Leben lähmenden Lügen so daß die Schuld zum phantasietötenden Geschäft werden konnte, nicht mehr befruchtend, sondern hemmend, als Kriterium des Machens und des Publikums, und daß die anscheinend glückliche Befreiung von der Diktatur die Linken brauchte von seiten der Juden und die Juden brauchte von seiten der Linken im Europa des Westens. Das ergab speziell in Deutschland aus dieser gelähmten Gesellschaft eine neurotische Brisanz, die wegen der zentralen Lage Deutschlands geistig und geographisch seine Wirkung auf die Weltkultur haben mußte. Wer mit den Juden ging wie mit den Linken, machte Karriere, und es hatte nicht unbedingt mit Liebe oder Verständnis oder gar Zuneigung zu tun. Wie konnten das Juden ertragen, es sei denn, sich wollten nur Macht.
Eine unheilige Allianz für eine Kunst ohne Volk oder billiger, bequemer, schneller Wegwerfwaren wie Punk, Pop oder Junk. Mit einem Medienpanzer der Karrieren und Mitläuferschaften umgeben, eine deutsche Mimikry, die uns jetzt blockiert. Wenn wir nichts tun, nicht daraus wachsen, wäre alles umsonst. ...
Was hier kämpferisch auftritt gegen die Führungsrolle dieser Nachkriegsästhetik der Gründungsväter unserer nun sich abnützenden Kulturbetriebe, muß hart klingen in der Polemik gegen ihren Alltag, dessen Adepten böse reagieren müssen trotz aller Entwicklungen in der Geschichte, so daß Hilfe nötig sein wird von den gründenden Vätern selbst oder ihren eigentlichen Nachfolgern, zur Einsicht jener Lebensentwicklung, das etwas gerettet werden muß aus der Verhärtung oder weitergeführt, womöglich zu alten Positionen, die nun wieder möglich sind. Denn was hier steht, kommt aus Erkenntnissen eigener Tat.

aus: Hans Jürgen Syberberg, Vom Unglück und Glück der Kunst in Deutschland nach dem letzgen Kriege, 1990 (aus dem Vorwort: Zu einer Ästhetik der deutschen Nachkriegsgeschichte)


 
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