Widerspruch gegen eine Fatwa
Der Führer einer von der pakistanischen Janiat-Ulema-e-Islam abgespaltenen
radikalen Splittergruppe, Maulana Ajmal Qadri, hat Mitte September das
Urteil über alle Abgeordneten gesprochen, die im Senat gegen die geplante
Einführung der Scharia stimmen sollten. Sie haben, so lautet seine
Fatwa, den Tod verdient.
Der entsprechende Verfassungszusatz hat zwar bereits das Unterhaus
passiert, stößt aber im mehrheitlich von der Opposition bestückten
Senat auf Widerstand. Die Fatwa hat nun die Oppositionspolitiker aufhorchen
lassen. Und sie melden sich zu Wort. Der Senator Aitzaz Ahsan meinte sogar,
das Schweigen der Regierung sei ein geheimes Einverständnis mit Qadris
Todesdrohung. Der Vorsitzende der "Christlichen Befreiungsfront", Shahbaz
Bhatti, fragte öffentlich: "Wie will eine Regierung ihre Bürger
beschützen, wenn sie gleichzeitig Terrorismus, Gesetzlosigkeit und
Todes-Fatwas unterstützt?"
Gute Frage.
Ein Buch als Rückkehrkampagne
Édouard Balladur, der französische Ex-Premier, hat soeben
bei Plon ein hundertsechsundachtzig Seiten schmales Bändchen mit dem
Titel "L'avenir de la différence" herausgebracht. Schon seinen erfolgreichen
Wahlkampf 1993 hatte er durch mehrere Buchpublikationen eingeleitet. In
Frankreich gehört so etwas zum politischen Leben. Bereitet nun sein
neues Werk die Rückkehr in die Arena vor?
Der Inhalt ist stellenweise überraschend. Balladur lobt den großen
"Unterschied", da er allein gegen die Gefahr der globalisierten "Uniformität"
hilft, aber auch gegen "den Traum von der Gleichheit" und "die Tyrannei
des Weltkonformismus". Ebenso leidenschaftlich und vom gleichen Prinzip
aus verdammt der Autor aber auch jeden Rassismus. Er stellt nüchtern
fest: "Nichts wird die Bevölkerungsströme aufhalten. ... Man
sollte sich also dieser neuen Situation lieber anpassen und sie strukturieren,
damit diese Pluralität nicht das soziale und psychologische Gleichgewicht
des Nationen beschädigt. Die Minderheiten haben ein Recht auf Respektierung
ihrer Andersheit." Es gehe demnach nicht mehr bloß um "Assimilierung",
sondern schlicht um "Integration".
Aber es kommt noch liberaler. "Die Ungleichheiten an Reichtum und Wohlstand
zwischen verschiedenen Nationen, Gruppen und Menschen haben einen solchen
Höchststand erreicht, daß man sie nicht mehr lange ertragen
wird." Oder dies: "So wenig wie die Suche nach der Gerechtigkeit die Tyrannei
legitimiert, so wenig rechtfertigt die Effizienz die Ungerechtigkeit."
Für den Autor ist die Frage nach "privatem oder kollektivem Eigentum"
noch lange nicht ein für allemal entschieden, und bitter beklagt er
die "Exzesse, zu denen der regellose Liberalismus und das unkontrollierte
Privateigentum geführt haben".
Driftet der doch rechte Gaullist in linke Lager ab? Nein. Sein ärgster
Feind, die egalitäre "Gleichmacherei", kommt für ihn wie bisher
aus dem Marxismus oder vom Mai 68.
Aber ein neuer Ton ist das auf jeden Fall.
Eine neue Art der Biographie
Am 30. September erschienen Ronald Reagans Lebenserinnerungen. Das Neue
daran ist kaum der Inhalt, wohl aber die ungewöhnliche Form. Der Ex-Präsident
gewährte zwar dem Autor Edmund Morris ungewöhnlich offenen Zugang
(so durfte Morris lange Zeit den Präsidenten und den Pensionär monatlich
interviewen und ihn auf Reisen begleiten). Sogar die mißtrauische
Nancy hatte ihn ins Vertrauen gezogen. Gleichwohl wird das Leben Reagans
von einem zu diesem Zweck erfundenen, also fiktiven Morris namens "Dutch"
erzählt (was auch Regans Kindername ist). "Ein absolutes Unding" und
"den Mißbrauch einer einmaligen Gelegenheit" nennt Professor David
Kennedy, Stanford University, das seltsame Verfahren. Auch ein erfundener
Leitartikler Paul Rae taucht auf sowie ein Gavin, der Sohn des Erzählers.
An keiner Stelle läßt der Autor erkennen, daß dies nur
fiktive Figuren sind.
Nur eine der damit einhergehenden Bizarrerien: Morris stellt sich in
dem Buch als heute Neunundfünzigjährigen vor und will trotzdem
Reagan schon 1926 bei einem Football-Match beobachtet haben. Insgesamt
beschreibt der fiktiv ja noch ungeborene Erzähler Reagans gesamte
Kindheits- und Jugendjahre, wenn auch nicht alles aus so eklatant unmöglicher
eigener Anschauung.
Der Trick verwischt literarische Gattungsgrenzen (siehe auch die Damerau-Rezension
hier). "Ich hatte das maßgebliche Buch über Ronald Reagan erwartet.
Aber die Idee, Tatsachen und Fiktives zu mischen", sagte Lyn Nefziger,
eine Angestellte im Weißen Haus der Reaganjahre, "ist etwas, das
mich verwirrt."
Morris, übrigens Pulitzerpreisträger für seine Biographie
"The Rise of Theodore Roosevelt" 1980, hat den Vertrag für sein Reagan-Buch
- drei Millionen Dollar Vorschuß - 1985 unterschrieben, und schon
1991 sollte es fertig sein.
Der Spion, der wohl doch keiner war
P. G. Wodehouse, auch in Deutschland beliebter Autor des weisen Butlers
Jeeves - ein Landesverräter?
Im Jahr 1940 lebte er in Frankreich und wurde in ein Internierunsglager
der Deutschen gesperrt. Im Jahr darauf jedoch wurde er entlassen und erhielt
die Erlaubnis, von Berlin aus fünf Radioansprachen zu halten, die
für die angelsächsischen Alliierten bestimmt waren: eine humoristische
Beschreibung des Lagerlebens. Sein Honorar bestand aus Lebensmittelkarten,
Seife und Zigaretten. Und sechzigtausend Reichsmark.
Nach dem Krieg bereute Wodehouse die Ansprachen als "abscheulichen
Fehler"; sie hätten, sagte er, nur dazu gedient, seine Freunde von
seinem Wohlbefinden zu unterrichten, nicht aber, die Kampfmoral der Hitler-Gegner
zu schwächen.
Wodehouse hatte allerdings in England keine gerichtlichen Nachspiele
zu befürchten, da er ab 1944 nur noch in den Vereinigten Staaten lebte.
1975 wurde er von der britischen Königin sozusagen in Abwesenheit
zum Ritter geschlagen, sechs Wochen vor seinem Tod.
Gebildetes Quebec
Eine Meinungsumfrage von Crop/La Presse vom 4. September zufolge wollen
nur 26 Prozent aller Einwohner Quebecs, daß ihre Steuern gesenkt
werden. Eine Mehrheit von 54 Prozent dagegen bevorzugt statt dessen stärkere
Invesitionen im Bildungswesen und in der Gesundheitspflege.
Die Nachricht erinnert daran, daß Steuerminderungen nie allen
Bürgern zugutekommen. Denn viele, in diesem Fall ein sattes Drittel
aller Einwohner, zahlen überhaupt keine Steuern, weil sie einfach
zu arm sind dafür.
Die Befürworter der Bildungsinvestitionen finden sich überraschenderweise
in fast allen Einkommensschichten in der Mehrheit: 61 Prozent bei Jahreseinkommen
unter zwanzigtausend Dollar, 54 Prozent bei Einkommen zwischen zwanzig-
und neununddreißigtausend, 47 Prozent bei Einkommen zwischen vierzig-
und neunundfünfzigtausend und 54 Prozent bei Einkommen über sechzigtausend
Dollar.
Das Buch über den Bücherschrank
Weil Henry Petroski umfassend bibliophil veranlagt ist, hat er sein
neuestes Buch ("The Book on the Bookshelf", bei Knopf) einem selbst unter
Bibliophilen bisher mißachteten Gegenstand gewidmet: dem Bücherschrank.
Mit Ausdauer, Einfühlung und Wärme behandelt der Autor beispielsweise
die Technik des Regalbretts, einschließlich seiner Belastbarkeit,
Durchhängetiefe und Konstruktionsweise. Die Geschichte des Bücherschranks
beginnt natürlich mit Gutenberg, nach dem die Bücherproduktion
überhand nahm im Vergleich zum verfügbaren Stapelraum. Weshalb
sich das Lesepult aus Raumknappheit in die Höhe entwickelte und die
Pultbretter mit der Zeit ihre Schräge verloren Der Erfinder der Dezimalklassifikation,
Melvil Dewey, wird geradezu lyrisch vorgestellt. Und wer wußte schon,
daß die frühen Bücher mit dem - noch nicht beschrifteten
- Rücken nach innen standen, damit - im Fall der Kettenbücher
- die an der Einbandecke angebrachte Kette nach vorne heraushängen
konnte. Lange und detailreiche Ausführungen gönnt Petroski der
Entwicklung der Leseräume, ihrer Architektur und Beleuchtung (schmale,
hohe Fenster deuten noch heute schon von außen auf eine Bibliothek
hin). Die Position der drei Bücher in Dürers "Hieronymus" wird
liebevoll und kundig und ein ganzes Kapitel lang untersucht. Auch der Tod
durch den Bücherschrank fehlt nicht, am Beispiel von "Howard's End"
von E. M. Forster. Zuletzt geht das Buch auch noch auf die modernen Trägermedien
wie CD und Internet ein. Hier hält sich der Autor erfreulich zurück
mit Vorhersagen für das nächste Jahrtausend und kommt ganz ohne
den ignoranten Jeremiadenton unserer Feuilletons aus.
Bei der Lektüre gehen dem Leser einfache, aber durchschlagende
Wahrheiten auf wie diese: Es gibt einfach mehr Bücher als Bücherregale
in der Welt. Oder auch: Man hat mindestens fünfundzwanzig verschiedene
Ordnungsmethoden, seine Bücher zu stellen, und keine ist die richtige.
Etwas für Liebhaber.
Hitlers verhinderter Longseller
Der kleine Verlag Croatiaprojekt in Zagreb ließ "Mein Kampf" ins
Serbokroatische übersetzen und brachte das Buch im letzten Frühjahr
heraus, gewissermaßen als Privatdruck. Die lediglich sechshundert
Exemplare waren in gut vier Monaten ausverkauft. Croatiaprojekt ist bekannt
für ein paar andere und nicht weniger antisemitische Buchpublikationen.
Mitte September mahnte das Simon-Wiesenthal-Center in Paris bei Präsident
Tudjman brieflich das Verbot des Buches an. Es informierte ihn, daß
"Mein Kampf" bereits in mehreren Ländern Europas verboten sei - und
Kroatien sei doch schließlich Möchtegern- Beitrittskandidat
zur Europäischen Union.
Zagreber Regierungskreise verurteilten zwar den Inhalt des Buches und
seine Veröffentlichung, fügten aber hinzu, die Meinungsfreiheit
in ihrem Land lasse eine Beschlagnahme nicht zu.
Ja wenn das so ist.
Wieder ein Buch aus dem Gefängnis?
Noch nicht ganz. Wir sind noch im Planungsstadium. Benjamin Netanjahu,
der frühere Premierminister Israels, lebt in seinem Heimatland eher
zurückgezogen, reist allerdings durch die Vereinigten Staaten und
hält Vorträge. Außerdem trägt er sich mit der Absicht,
so droht er, seine Memoiren schreiben.
Am 15. September jedoch wurde er zusammen mit seiner Frau auf einem
Jerusalemer Polizeirevier befragt, einen Tag nachdem Zeitungen von einer
Ermittlung wegen finanzieller Unsauberkeiten zu berichten wußten.
Drei Jahre lang soll Netanjahu sein Privathaus immer wieder mal auf
Staatskosten instandgesetzt haben; die Rechnung lautete schließlich
auf etwa zweihunderttausend Mark, angeblich für die Renovierung von
Netanjahus Büro. Und eingereicht wurde die Rechnung erst, nachdem
der Premier die Wahlen im Frühjahr verloren hatte.
Kommt einem bekannt vor. |
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Nicht sehr spannend
"An der Front des Kalten Krieges 1946-51" ist die jüngste
Sechshundertvierunddreißig-Seiten- Dokumentation der CIA betitelt.
Und insoweit hat die Herausgeberin recht. Aber was danach kommt, ist entweder
bekannt, oder es ist peinlich oder peinlich dünn. Beispiel eins: Markus
Wolf schielt ein wenig. Beispiel zwei: Die Russen wußten - durch
einen britischen KBG- Agenten - von dem geheimen Tunnel in den Ostsektor,
noch bevor die Grabungsarbeiten begonnen. Anfangs, sogar bis 1947 hatte
die Berliner CIA-Filiale keinen Mitarbeiter mit Russischkenntnissen.
Immerhin konnte sie kurz vor 1948 die Berlin-Blockade
ziemlich korrekt vorhersagen. Und sie hatte einen Agenten bei einer Konferenz
in Berlin, auf der die Russen über die drastischen Folgen einer womöglichen
Gegenblockade der "Zone" informiert wurden. "Wenn wir das vorher gewußt
hätten", meinte einer von ihnen hinterher, "wären wir nicht so
weit gegangen."
Für etwaige Interessenten: Bestellungen für
"On the Front Lines of the Cold War" nimmt der National Technical Information
Service, 5285 Port Royal Road, Springfield, Va., 22161 entgegen.
"Bibel-Code" geplatzt
Die angesehene Fachzeitschrift "Statistical Science" hatte
1994 den Kult selbst losgetreten, als sie einen Aufsatz über angeblich
in Bibeltexten verschlüsselte und verstecke Vorhersagen publizierte.
Im September veröffentlichte nun dieselbe Zeitschrift die längst
fällige Gegendarstellung.
Mehrere Zeitungsartikel, Bestseller und Fernsehsendungen
hatten das millenniumsträchtige Thema ausgeschlachtet. Israelische
Forscher entdeckten nicht nur - was irgendwie nahelag - die Namen
und Geburtsdaten berühmter Geistlicher, andere die Ermordung Rabins,
ja sogar ein Erdbeben in Los Angeles - im Jahre 2010.
Das "Entschlüsselungs"verfahren, das seltsamerweise
ebensogut die Entdeckung wie jetzt die Widerlegung erbrachte: Der hebräische
Text wird als fortlaufende Buchstabenkette geschrieben, dann werden darin
nach bestimmten Zahlenmustern Buchstaben ausgesucht (am einfachsen etwa:
jeder dreizehnte), woraus sich dann sinnvolle Prognosen zusammensetzen
lassen sollen. Was der niedlichen Idee den Garaus machte, war jedoch vor
allem die Tatsache, daß es keinen authentischen Urtext gibt, sondern
nur Varianten, wie ehrwürdig alt auch immer.
Topkapi, die zweite
Im vergangenen Juni wurde in Istanbul aus einer Moschee
des 16. Jahrhunderts eine Reliquie gestohlen: ein Haar Mohammeds. Die Diebe
gaben das heilige Stück jedoch wenige Tage später zurück,
anonym, und sind bis heute nicht gefaßt.
Im September schlugen Räuber erneut in Istanbul
zu. Diesmal war ihr Ziel das Topkapi und ihre Beute ein handgeschriebenes
Koran-Exemplar des 15. Jahrhunderts. Andere wertvolle Manuskrpte im selben
Raum ließen sie liegen.
Aufmerksame Touristen bewundern in dem Museum nicht nur
kostbare Schätze, sondern wundern sich auch über die mangelnden
Sicherheitsmaßnahmen. Viele Räume werden weder von Wächtern,
noch von Videokameras überwacht. Der Raum mit der Koran-Vitrine, die
jetzt leersteht, hatte zwar Kameras, das Buch aber keine eigentliche Diebstahlsicherung;
und die Kameras nützten auch nichts, weil die Deckenleuchten zwei
Wochen vorher ausgefallen waren und niemand seitdem eine neue Glühbirne
einschraubte.
Das Falun-Gong-Schwarzbuch
Der chinesische Staatspräsident Jiang Zemin benützte
seinen Besuch in Washington auch für ein ungewöhnliches Geschenk
an Clinton. Er überreichte ihm ein offizielles Schwarzbuch der Regierung
über die von ihr verfolgte Sekte Falun Gong.
Alle behaupteten Verbrechen des Sektenführers Li
Hongzhi sind auf hundertfünfzig Seiten aufgelistet, viele davon mit
Horrorfotos bebildert. Die Sektenmitglieder sollen angeblich so verrückt
gemacht worden sein, daß sie ihre Familienmitglieder gewalttätig
verletzten oder aber Selbstmord begingen. Genau eintausendvierhundertvier
Mitglieder sollen bereits gestorben sein, auch dadurch, daß sie jede
ärztliche Behandlung ablehnten, wie Li es ihnen vorgeschrieben habe.
Das Buch enthält in den wenigstens Fällen nachprüfbare
Quellenangaben oder Dokumente.
Gegen mindestens zehn chinesische Verlage wurde Ende
September Anklage wegen der Verbreitung von Falun-Gong-Büchern erhoben.
Interpol hat jedoch die Aufforderung der chinesischen Regierung zurückgewiesen,
auch Li an seinem Wohnort New York zu verhaften.
Gefährliche Reisen
Wieder einmal trifft die schlechte Nachricht den Boten.
Das Tourismus-Ministerium der Philippinen hat den Verlag AAP in Hongkong
aufgefordert, aus einem Reiseführer eine Passage zu entfernen, in
der die zentralphilippinische Insel Negros Occidental als "riskanter" Ort
bezeichnet wurde. Dort steht: "Viele Reiche gehen mit bewaffneten Leibwächtern
aus, und immer wieder sind Berichte über Verletzungen von Menschenrechten
zu hören. Dies ändert sich zwar, aber in bestimmten Gegenden,
speziell in der Südhälfte von Negros Occidental, bleibt das Reisen
riskant."
Der Verlagslektor ist offenbar Diplomat. Die Stelle,
gab er bekannt, sei ohnehin veraltet, und er sei nur zu glücklich,
sie zu überarbeiten. Er gab aber auch zu bedenken, daß solche
Hinweise gerade Abenteuerreisenden eine gewisse Hilfe seien. In der Tat.
Gefahren drohen den Reisenden zum Jahrtausendwechsel
ohnehin genug, und nicht nur in Südostasien. Das amerikanische Außenministerium
ließ laut Kress-Report soeben verbreiten, man solle um diese Zeit
seinen Urlaub nicht gerade in Rußland, China, Japan oder -dio mio!
- Italien verbringen. Insgesamt stehen sogar dreiundfünfzig Länder
auf der Liste mit "instabilen Verhältnissen" wegen möglicher
Computerfehler an Sylvester.
Nachahmenswert
Französische Schüler haben seit dem 21. September
sechs Wochen lang ihren eigenen virtuellen Büchermarkt, auf dem sie
alte Schulbücher im Internet verkaufen beziehungsweise nicht mehr
benötigte verkaufen können. Sie loggen sich namentlich identifiziert
bei alapage.com ein und haben sofort Zugang zu den Angeboten oder geben
selbst eines ab. Bei Nachfragen schickt der Webmaster die Mails aller Interessenten
an den Anbieter weiter, der sich dann seinen Käufer selbst aussucht.
Das Ganze ist mit einer Suchmaschine ausgestattet, die
mit den Kriterien Klasse, Unterrichtsfach und Region nach dem gewünschten
Buch suchen kann.
Und das Schönste: Der Service ist völlig kostenlos.
Morddrohung
Nachdem der Alibri Verlag seit Dezember letzten Jahres
von den
Anthroposophen und ihren Handlangern wegen kritischer
Texte
zu Rudolf Steiner und seinen okkulten Lehren mit
Prozessen überzogen wird, ist nun ein weiteres Verlagsprojekt ins
Visier religiöser Fanatiker geraten.
Beim Verlag ging ein anonymes Schreiben ein, in
dem Colin Goldner, Autor des kürzlich erschienenen Buches "Dalai
Lama - Fall eines Gottkönigs", mit dem Tod gedroht wird. An den
Verlag erging die Aufforderung, das Buch
zurückzuziehen, "solange es noch Zeit ist".
Für den Autor sei die Zeit bereits "vorbei", für seine "Lügen
und Verleumdungen" werde er "bezahlen" müssen. Unterzeichnet ist der
Brief mit "Tod dem Verräter". Goldner, Mitarbeiter der Zeitschrift
MIZ und Leiter des Forum Kritische Psychologie, bringt in seinem Werk zahlreiche
Fakten zutage, die den tibetischen Buddhismus allgemein und den Friedensnobelpreisträger
von 1989 insbesondere in keinem guten Licht erscheinen lassen. Die Todesdrohung
kommentierte er mit den Worten: "In jeder Religionsgemeinschaft gibt es
einen Bodensatz an Fanatikern, die auf Kritik, sei sie noch so berechtigt
und fundiert, nur mit Gewalt reagieren können.
(Verlagsmitteilung)

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