Nr. 18, Oktober 1999
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Die Marginalie
 

 

Das Buch! Das Interview! Der Mann!
 
Aufgabe: Bringen Sie die bösartig aus dem Zusammenhang gerissenen Interview-Sätze in die richtige Reihenfolge (die Fragen dazu brauchen Sie nicht auszudenken).
Erster Preis: Ein Tag mit dem Autor. Zweiter Preis: Eine Woche mit dem Autor. Dritter bis zehntausendster Preis: ein Remittenden-Exemplar des Buches (leicht angestoßen).


Natürlich habe ich mir etwas von der Seele geschrieben. Das Buch handelt von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Insofern hatte ich während des Schreibens Gelegenheit, darauf einzugehen. Ob ich das geschafft habe, müssen auch andere beantworten. Aber da, wo ich meinte, im Inhalt klar Stellung beziehen zu müssen, habe ich es getan.

Jeder, der zurücktritt, schlägt die Tür zu. Beides war bei mir nicht möglich, weil ich Rücksicht auf die Partei und die bevorstehenden Europa-, Kommunal- und Landtagswahlen nehmen und die Partei nicht mit einem Streit belasten wollte. Und selbstverständlich plagen mich auch Zweifel. Aber es kam dann zu den übereilten Entscheidungen, die zu den bekannten Schwierigkeiten führten.

Da stelle ich mir natürlich immer wieder die Frage, ob die Entscheidung richtig war. Zunächst einmal danke ich Ihnen für das Kompliment, dass es keine Verstellung war Ich habe in einer bestimmten Situation nach langem Ringen mit mir selbst eine Entscheidung getroffen. Und deswegen musste ich deutlich sagen, was ich für richtig und was ich für falsch halte.

Ich habe den Dienst für unser Gemeinwesen immer sehr ernst genommen. Ich finde, der Rücktritt von politischen Ämtern ist demokratischer Bestand. Sicher brennt das Feuer. Diese Freundschaft hat Bestand. Aber ein Tag der Besinnung ist für mich unverzichtbar. Ob jemand im Wald spazieren geht am Tag der Ruhe, ob jemand ein gutes Buch liest, in die Kirche geht oder seine Verwandten besucht oder ältere Menschen, die er schon lange nicht mehr besucht hat, das entscheidet jeder für sich. Aber nach all dem, was war, glaube ich, dass man auch Verständnis hat, wenn jemand wie ich jetzt mal etwas mehr Zeit für sich und die Familie braucht.

Warum ist die Poltik so, wie sie heute ist, und warum sind die Politiker so, wie sie heute sind? Natürlich ist eine solche Entscheidung nie so eindeutig, dass nicht auch Gründe dagegen sprechen. Das ist schon eine Differenzierung. Bedauerlicherweise haben die Autoren des Schröder-Blair-Papiers Anthony Giddens nicht gelesen. Es sind keine Memoiren. Ich habe im Buch umfangreich zu dieser Entwicklung Stellung genommen. Ich bin der Auffassung, dass ein überzeugender Politikbeitrag auch dann Wirkung entfaltet, wenn der Autor keine Ämter hat. Aber ich habe jetzt in einer konkreten Situation auch für meine Familie entschieden. Ich habe da natürlich notwendige Rücksichten genommen.

Ich werde mich natürlich in die öffentliche Debatte einmischen und für die Politik werben, die ich für richtig halte. Aber ich hoffe, dass man meine Entscheidung akzeptiert.

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