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Edgar Allan Poe
Die innerhalb weniger Jahre so merkliche Zunahme an Zeitschriften-Litteratur
darf man keineswegs als jenes Anzeichen werten, als das manche Kritiker
meinen, es sehen zu müssen - nämlich als ein Anzeichen für
den Niedergang des amerikanischen Geschmacks und Schrifttums. Vielmehr
ist solche Zunahme blos ein Zeichen der Zeit und der Indicator einer Aera,
darin die Menschen sich zur Kürze, zum Concentrat, zum Wohldurchdachten
verhalten sehen und nicht mehr die Muße haben zur Lektüre umfänglicher
Werke - Zeichen einer Zeit also, darin der Journalismus an die Stelle gelehrter
Abhandlungen getreten ist. Wir bedürfen nunmehr der leichten Artillerie
des Intellects und nicht mehr seiner schweren Geschütze. Ich möchte
nicht unbedingt sagen, daß
die Menschen unserer Tage tiefgründiger denken als die Generation
vor einem Halbhundert Jahren, doch fraglos denken sie gehetzter, geschickter,
tactvoller, methodischer und deshalb weniger gewunden und umständlich
als in vergangenen Tagen. Doch abgesehn von all Dem, hat die Menge des
zu Ueberdenkenden nun um ein mehr als Beträchtliches zugenommen: die
Menschen von heute haben mehr Facten vor sich, die's gedanklich zu bewältigen
gilt. Aus diesem Grunde ist man heute darauf aus, ein Maximum an Gedanken
auf minimalen Raum zu comprimieren und es auf raschestmöglichem Wege
unter die Leute zu bringen.Daher kömmt der Journalismus unserer Zeit,
und daher kommen im Besonderen unsre Magazine. Zu viele dürfen es
freilich nicht sein - Dies kann als allgemein verbindliche Regel gelten.
Was wir aber von ihnen verlangen müssen, ist, daß ihre Meriten
sie am Anfang hinreichend lesenswert machen, und daß sie lange genug
bestehen bleiben, um uns die Bildung eines gerechten Urteils über
ihren Wert zu ermöglichen.
(aus den Marginalien, in: Das gesamte Werk in zehn Bänden,
Walter Verlag 1976, Band 10, übs. von Richard Kruse, Friedrich Polakovics
und Ursula Wernicke )
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