Nr. 18,  Oktober 1999
 


 

Inhalt

Der Kommentar
Gastkolumne

Leseproben
Das Interview
Net-Ticker

Buchkunst
Lyrik
Kurzprosa
Die Marginalie

Lese-Effekte
Fundsache
Texte, die wir nicht verstehen
Unzeitgemäß
Die Adresse
Peinlichkeiten

Am Kiosk

Leserbriefe
Archiv
Impressum

 
 

Selbstanzeige

Mens irae, mens illa! Aber der September der Abrechnungen ist nun vorbei: Die Wähler haben mit der SPD abgrechnet, Lafontaine mit Schröder, die SPD mit ihrem Ex-Vorsitzenden, Sloterdijk mit der Humanität und alle übrigen mit ihm. Es reicht.

Zu Wesentlicherem: Schattingers Gastkolumne über das drohende Abdriften der ZEIT ist bei aller Schärfe der Kritik ein notwendiges Mit-der-Nase-Draufstoßen, zum Besten einer einst großen Wochenzeitung. Dazu Andreas Odenwalds Interview mit Andreas Lebert, dem Schöpfer der ZEIT-Beilage "Leben": ein zwischen den Antwort-Zeilen enthüllendes Gespräch.

In den Leseproben: ein sehr empfehlenswertes Privatissimum zur "Wahrheit der Literatur" und eine kundig geführte Wanderung durch die Lese-Welten von der Antike bis heute.

In der Kurzprosa präsentiert Anja Frisch, Studentin am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, ihren erstaunlich reifen, ruhigen Text "Die Eulen". Manfred Wieniger erklärt zu zweien seiner Gedichte, warum er auch heute noch Lyrik schreibt.

Sodann - in den Büchernachrichten des Net-Tickers - von einem, der auszog, dem zwölften Pius die Maske vom Gesicht zu reißen: mit bedauerlich untauglichen, ja unredlichen Hand- und Mißgriffen. Und schließlich und ernster: Das Dalai-Lama-Imperium schlägt zurück; fanatische Anhänger drohen dem Autor Colin Goldner (siehe die Rezension im Juli) mit Mord. Die Skinheads der Kulturhauptstadt haben bereits im Wortsinn zugeschlagen ("Schriftsteller in Weimar leben gefährlich" aus Haseckes Sudelbüchern). 

Vergnügen zu wünschen bei alldem - ich weiß nicht. Aber immerhin hat Grass endlich den Nobel-Preis, und das ist denn doch eine Freude wert.

Der Herausgeber

Das Zitat für Leser

Was unterhaltend ist, hat die besten Chancen, in dieser Gesellschaft zur Kenntnis genommen zu werden. Der spannende Kampf zwischen Low und High Culture ist entschieden.
(Michael Krüger, Hanser Verlag)

Banale Weisheit ... modischer Kulturpessimismus.
(Antwort von B. F. Lunkewitz) 
 

Themen

Hier spricht der fanatische Flügel der Dalai-Lama-Lobby: "Tod dem Verräter."

P. G. Wodehouse bereute einen "abscheulichen Fehler".

Oskar Lafontaine: "Jeder, der zurücktritt, schlägt die Tür zu." (aus dem Zusammenhang gerissen)

Christian Weber, Verlagsleiter: "Auf die gut verdienenden  Alten können wir nicht verzichten."

Gottfried Wilhelm Leibniz wählt zwischen der alten und neuen Philosophie (ein Lese-Effekt)


 
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 Leserbriefe
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zum "Unzeitgemäß" im September:
Die Noosphären-Idee des Intelligenz-Romantikers Teilhard de Chardin ist so unzeitgemäß nicht: Wetten, daß jede Menge Web-Träumer ähnliche Projektionen am Laufen haben?! Nur mit der Wärme und Klarheit ist es so eine Sache - aber vielleicht erkenne ich ja die moderne Variante dieser Werte nicht...
A propos Internet: Wenn ich einen Bildschirmschoner zum Herunterladen suche, kriege ich nur Bierwerbung, Weiber oder debile Spielereien angeboten. Wie wär's, wenn die Gazette ihren treuen Lesern jeden Monat einen schönen alten Stich als screen-saver anbieten würde? Mann, könnte ich im Büro mit meinem Hogarth protzen..
In alter Verbundenheit
Ihr Waldo Scared Shitless III 

Zum Archiv überhaupt:
Was mir, um das schnell einzuflicken, bevors vergessen wird, bei einem kürzlichen Nachschlagen in einer alten Gazette (ja, das Archiv wird genutzt) aufgefallen ist:  Sie enthält zu wenig Leerzeilen, m.a.W., Sie sollten die Abschnitte deutlicher machen.  Es trägt sehr zur Leserlichkeit und zum besseren Verständnis bei, speziell bei ihren Lesefrüchten, die mit den neckischen Kurzkommentaren (bei denen ich immer staunen muss:  welch Konzentration!  welch Peripheralvision!  welch Assoziationsvielfalt!  Und da ist es nachgerade störend, um nicht zu sagen verwirrend (ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, auf jeden Fall aber ist ein zweites Lesen nötig), wenn der Mut zur leeren Zeile gefunden wird. Und im Elektronischen können Sies mit umso besserem Gewissen tun, als kein Papier unnötig verbraucht transportiert entsorgt wird 
Franz-Xaver Sauerhuber, Ismaning


 
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