Nr. 17,  September 1999
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Inhalt

Der Kommentar
Gastkolumne

Leseproben
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Buchkunst
Lyrik
Kurzprosa
Fotogalerie
Die Marginalie

Lese-Effekte
Fundsache
Texte, die wir nicht verstehen
Unzeitgemäß
Die Adresse
Peinlichkeiten

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Selbstanzeige

Ein großes Nachrichtenmagazin kann, wenn es sinkt, tief sinken. Markus Kubelka hat die letzte  "Newsweek"-Story über Bill Gates analysiert und peinlich schleimige Speichelspuren entdeckt.
In den Leseproben stehen das auf hohem menschlichen Niveau scheiternde Tagebuch von Nico Rost "Goethe in Dachau", eine tatsächlich verbesserte Neuauflage und Walter Niedermayrs scharfer Fotoblick auf die nachhaltig barbarisierte Alpenlandschaft.

Reinhold G. Stecher erklärt im Interview, warum es Literaturagenten gibt: Weil Verlage nicht mehr sind, was sie einst waren: der gute Freund des Autors. Und daß beim angeblichen "Traumberuf Freier Autor" das letzte Wort fast ohne Sinnverlust wegfallen könnte, beschreibt Andreas Hopf in der Gastkolumne.

Die Lyrik tritt diesmal mit einer Besonderheit auf: einem Gedicht, "Scene III", in zwei Fassungen, in der Originalversion von Paul Bowles und dann in der vorzüglichen Übersetzung von Florian Vetsch. Lyrik eigener Art, von Augusta Förster, findet sich aber auch in der Fotogalerie. Die Kurzprosa bringt eine Skizze der bemerkenswert talentierten Nachwuchsautorin Maja Das Gupta (die sicher noch öfter in Der Gazette zu lesen sein wird).

Zum Wiederlesen ein Autor, der gerade im Zeitalter der Globalisierung aus Vergessen- und Umstrittenheit heraustreten dürfte: Pierre Teilhard de Chardin mit einem Plädoyer für "Klarheit und Wärme". 

Dringlich empfohlen aber auch die offensive, überraschend (kultur)politisch argumentierende Stellungnahme des Schweizerischen Buchhändler- und Verlag-Verbands zur Buchpreisbindung.

Und Rudolf Augstein hat Goethes "Maximen und Reflexionen" nicht gelesen (schreibt aber darüber). 
Wer jedoch gleich zum intelligenten Schmunzeln übergehen möchte, klickt sich eben direkt zur Marginalie von Matthias Falke durch.

Letzter, aber ebenso erfreulicher Hinweis: Das "Taschenlexikon Goethe", das die Kalenderblätter Der Gazette zehn Monate lang begleitet hat, ist gerade als Buch erschienen (im Piper Verlag München).

PS
Im Archiv trägt ab sofort  jeder dort aufgeführte Artikel einen Link, mit dem die dazugehörige Ausgabe Der Gazette aufgerufen werden kann.

Haben wir Sie interessiert? 
Dann interessiert uns Ihr Kommentar.

Das Zitat für Leser

Ist Schreiben ein Handwerk? Wenn ja, dann ein ziemlich unordentliches. Oder eines, das aus vielen, einander widersprechenden Ordnungen besteht. Eine Ordnung des Erinnerns und eine des Vergessens, eine des Größenwahns und eine der Demut, des methodischen Aufbaus und seiner mutwilligen Zerstörung.
(Tilman Spengler, Ich  - der Autor)
 
 

Themen

Hat Bill Gates jetzt auch  "Newsweek" gekauft?

Reinhold G. Stecher: "Früher haben sich Ledig-Rowohlt oder Bermann-Fischer noch um ihre Autoren gekümmert. Das geschieht heute nicht mehr."

SBBV: "Der selbstbewußte wissende Bürger ist ... undenkbar ohne die Möglichkeiten, welche die Buchkultur geschaffen hat."

Jon Kenon über Karadzic: "Er empfindet keine Angst. Sein Gewissen ist rein."

Pierre Teilhard de Chardin plädiert für Klarheit und Wärme.

Eberhard von Brauchitsch besucht Kohls "geschmackvoll bescheidene Weinstube".


 
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Zur September-Nummer:
Ich weiss nicht, mit ihren 'Peinlichkeiten' --ich hab schon mal was vom Glashaus gesagt--, hübsch wie sie zu lesen sind, komm ich nicht immer mit.   Bei der Ministerin, um die Pointe für mich zu machen, müsste dabei stehen, wer sie ist.   Bei Brauchitsch, den (von vor 40 oder so Jahren) ich kenne, kann ich feststellen, dass er an der in diesen Kreisen grassierenden Krankheit leidet, sich schriftlich nur holprig-hölzern ausdrücken zu können, verbal jedoch einer durchaus farbigen, um nicht zu sagen krachigen Sprache mächtig ist.   Was Sie aus der ZEIT gespiesst haben, dieses unverzeihliche 'Schau-mal-her-wie-gebildet-ich-bin'-Name- dropping fällt genau in den Lifestyle-Beritt, in den dieses immer leichtergewichtige Blatt (bald werden wir Blättchen sagen dürfen) mit Vehemenz dabei ist sich einzufügen.   Über Augstein wäre nur zu sagen, dass er so viele Jahre lang hervorragend gearbeitet, leider nie mehr so gut wie als Jens Daniel sel., und er sich jetzt complètement aufs Altenteil zurückziehen und auf jede Sekunde der ohnehin in seinen Breiten selten genug scheinenden Sonne passen sollte.   Was er da, und obwohl mir dieses Wort stinkt, ich muss hier sagen: 'abgesondert' hat zum Thema Goethe, ist schon ganz unten auf dem absteigenden Ast.   Lasst uns ihm zurufen, dass es eine Ästhetik des Abschieds gibt, und dass die Zeit gekommen ist, den SPIEGEL, ohnehin schon ziemlich runtergekommen, mit solchen Beiträgen nicht mehr so zu beschmieren, dass wir selbst uns nicht mehr sehen, ihn aber dafür riechen können ... und beides ist schlecht.   Schliesslich, wenn wir die SZ lesen, fällt schnell auf, dass es dort überhaupt keine Korrektoren mehr gibt -- und hier müssen Sie die Feder des Kompliments sich selbst auch an den Hut stecken, hence glass house.
Urs Glarus

Betrifft: Armer Poet
Nun gut, Kollege Hopf: Es ist alles wahr. Wahr ist auch, daß wir Schreiberlinge uns gern einbilden, mit unserm Tun das Fähnchen der Kultur hochzuhalten. Und wenn uns davon die Ärmchen wehtun, weil gar so ein böser Gegenwind pfeift: schrecklich. Und die mangelnde Anerkennung: Ein schweres Leben, ach ja. Nur: Daß so ein Verlags-Trutscherl ein "würdigeres" Leben führt - im Sinne von "Miete zahlen können"? -, ist einfach wild gewordene Larmoyanz, bittschön. Und das mädchenhafte Gejammer von wegen "Prostitution" kann ich auch nicht mehr hören: Wir stellen unsere Arbeitskraft dem Markt zur Verfügung, und wenn der Markt nun mal dringender die entfremdete Arbeit von Supermarktkassiererinnen, Brokern und Immobilienmaklern braucht, heißt das doch nicht, daß uns niemand liebhat... Kopf hoch, Hopf! Life is a bitch, and then wie die. 
Mit mäßig mitfühlenden Grüßen
Scusi Boilchen 
 

Zum Leserbrief von Michael Ketschmer in der August-Nummer:
Ich möchte keine Diskussion über Goldners "Dalai Lama" anstoßen, und erst recht keine Diskussion mit dem Leserbriefschreiber aus Santiago de Chile. Aber so viel muß doch dazu gesagt werden:
Das "Leiden eines ganzen Volkes" ist kein hinreichender Grund, offenkundige Unrichtigkeiten, Verschiebungen und sogar Unwahrheiten des Dalai Lama widerspruchslos hinzunehmen. Bei der der Sauberkeit der öffentlichen Debatte zuliebe notwendigen Aufdeckung solcher Mängel darf es auch keine Rolle spielen, ob jemand nun "Spät-68"er ist oder 89er oder welcher Generation er auch immer angehören mag. Hier zählt nur die historische Wahrheit. Und die wird eben vom Dalai Lama - um es höflich auszudrücken - nicht immer genügend beachtet.
Prof. Dr. Michaela Treidler, Tokio

Zum Westphalen-Interview:
Selbst wenn 90 Prozent des Interviews so uninteressant und nur-privat sein sollten, wie es manchen scheint, so bleibt doch eins übrig: die offenbar bis in den Tod dauernde Freude des Autors über eine - wenn auch nur einzige - gelungene Formulierung, auch noch bestätigt von einer - wenn auch nur einzigen - Leserin seines Buches. 
Dies - wenn auch nur dies allein, toutes proportions gardées - hebt ihn auf eine Höhe mit Flaubert, der ja auch tagelang nur an einer Formulierung feilte, bis er die richtige gefunden hatte.
Peter Ürzen, Mailand

Zur Gastkolumne:
ROLTWL über den Artikel über die Fehlersucher. Warum habt ihr sowas nicht in jeder Nummer?
Daniel V., Malta

Und was mir noch in der Gazette aufgefallen ist: Ich find, sie ist immer noch zu
voll (zu viel!) und manche Beiträge zu lang. Ich weiß, daß Sie mir diese (nicht 
neue) kritische Anmerkung nicht verübeln. 
Das neue Layout ist prima!
ubg


 
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Die Gazette
Herausgeber: Fritz R. Glunk, Irschenhauserstraße 2, D-81379 München
Glunk@Gazette.de
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