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Es hat sich also doch gelohnt
Im Dezember 1997 schrieb der Herausgeber dieser
Zeitschrift dem Inhaber des hoch angesehenen Manufactum-Vertriebs sowie
der Verlags Manuscriptum, einen verärgerten Brief:
Sehr geehrter Herr Hoof,
seit Jahren bin ich ein aufrichtiger und aktiver Bewunderer Ihres Manufactum-Katalogs
(nicht nur seiner Waren, sondern vor allem seiner schönen, klaren
und gepflegten Sprache). Es war mir also leicht, diese Bewunderung auch
Ihrem neueren Manuscriptum-Katalog zuzuwenden, zumal ich Leser und Bücherliebhaber
bin. ...
Da bekam ich überraschend im Advent eines Ihrer Buchangebote geschenkt.
Es war der Mark Twain und seine Awful German language (warum schreiben
sie eigentlich „language" hier im Titel nicht auch groß?).
Und was mußte ich da erleben! Ich nahm die unbegreiflich desolate
Übersetzung noch hin (siehe, bei Interesse, ein paar Anmerkungen unten).
Ohnehin las ich lieber den Originaltext. Der aber enthält bereits
auf den ersten drei Dutzend Seiten drei (oder noch mehr?) Satzfehler von
so sinnentstellender Beschaffenheit, daß sie die amüsante Lektüre
verleiden. Sie hätten selbst einem nur einäugigen Lektor unbedingt
auffallen müssen: Seite 8, 1. Zeile v.u., steht „which", wo es „with"
heißen muß; dafür steht dann Seite 12, 5. Zeile v.u.,
„with", wo es „which" heißen muß; und Seite 34, 4. Zeile v.o.,
steht „changes", wo es „chances" heißen muß. Bei derart ins
Auge springenden Fehlern mag ich an einen kritischen Textvergleich mit
dem Original gar nicht denken.
Erlauben Sie mir die betrübte Feststellung, daß eine so
drastisch minderwertige Textfassung weder der hübschen Aufmachung
des Bändchens entspricht, noch gar - und das ist das Bittere daran
- dem hohen Wertanspruch, den der Manuscriptum-Katalog und Ihr Unternehmen
insgesamt aufrechterhalten wollen.
Sagen Sie mir, bitte, mit dem gebotenen Ernst: Wie wollen Sie glaubhaft
gegen die weithin übliche Trash-Kultur angehen, wenn auch nur eines
Ihrer Produkte mit so wegwerfender Achtlosigkeit gefertigt ist? Hat sich
der allgemeine Schlendrian nun schon bis Marl durchgefressen? Haben Sie
vielleicht einen noch unentdeckten feindlichen Undercover- Schlamper im
Betrieb?
Mit dem erneuten Ausdruck meiner empfundenen Enttäuschung, obgleich
mit hoffnungsvoll freundlichen Grüßen ...
In der Anlage folgten diesem Schreiben die schlimmsten sieben Übersetzungsfehler
auf den ersten acht Seiten.
Der Brief blieb unbeantwortet. Und der Briefschreiber macht sich so
seine dunklen Gedanken.
Die aber waren etwas voreilig. Denn vor kurzem kam das zweisprachige
Bändchen neu heraus. Und tatsächlich sind darin nun die angemerkten
Fehler - und noch einige mehr - verbessert und bereinigt. Auch das Büchlein
wurde auch noch angereichert um"Slovenly Peter", die liebenswerte - und
originalbebilderte - Twainsche Nachdichtung des "Struwwelpeter".
So kommt ein Lesevergnügen manchmal spät, aber immerhin doch
noch.
Der Haupttext dürfte bekannt sein. Hier also nur ein Original-Zitat
aus der ebenfalls beigefügten Rede "in deutscher Sprache, gehalten
vom Autor dieses Buches bei einem Festessen des Anglo-Amerikanischen Studenklubs
anläßlich des 4. Juli":
Wenn man aber kann nicht meinem Rede verstehen, so werde
ich ihm später dasselbe übersetz, wenn er solche Dienst verlangen
wollen haben werden sollen sein hätte. (I don't know "what wollen
haben werden sollensein hätte" means, bit I notice they always put
it at the end of a German sentence - merely for general literary gorgeousness,
I suppose.)
Da aber nun mal nichts vollkommen ist, steht das Gänsefüßchen
wirklich und wahrhaftig vor "what" und nicht vor "wollen", wo es hingehört.
Sollen wir nun Herrn Hoof wieder einen Brief schreiben? Nein, wir bleiben
dankbar für das Geleistete und nehmen den Rest mit einem Gramm Salz.
Fritz R. Glunk
Mark Twain
The Awful German Language. Die schrechliche deutsche
Sprache
Manusciptum Verlagsbuchhandlung, Waltrop und Leipzig
1999
12,3 x 21,3 Zentimeter, 132 Seiten
DM 14,80, öS 108, sFr 14,--
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