Nr. 17, September 1999
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Es hat sich also doch gelohnt

Im Dezember 1997 schrieb der Herausgeber dieser Zeitschrift dem Inhaber des hoch angesehenen Manufactum-Vertriebs sowie der Verlags Manuscriptum, einen verärgerten Brief:

Sehr geehrter Herr Hoof,

seit Jahren bin ich ein aufrichtiger und aktiver Bewunderer Ihres Manufactum-Katalogs (nicht nur seiner Waren, sondern vor allem seiner schönen, klaren und gepflegten Sprache). Es war mir also leicht, diese Bewunderung auch Ihrem neueren Manuscriptum-Katalog zuzuwenden, zumal ich Leser und Bücherliebhaber bin. ...
Da bekam ich überraschend im Advent eines Ihrer Buchangebote geschenkt. Es war der Mark Twain und seine Awful German language (warum schreiben sie eigentlich „language" hier im Titel nicht auch groß?).
Und was mußte ich da erleben! Ich nahm die unbegreiflich desolate Übersetzung noch hin (siehe, bei Interesse, ein paar Anmerkungen unten). Ohnehin las ich lieber den Originaltext. Der aber enthält bereits auf den ersten drei Dutzend Seiten drei (oder noch mehr?) Satzfehler von so sinnentstellender Beschaffenheit, daß sie die amüsante Lektüre verleiden. Sie hätten selbst einem nur einäugigen Lektor unbedingt auffallen müssen: Seite 8, 1. Zeile v.u., steht „which", wo es „with" heißen muß; dafür steht dann Seite 12, 5. Zeile v.u., „with", wo es „which" heißen muß; und Seite 34, 4. Zeile v.o., steht „changes", wo es „chances" heißen muß. Bei derart ins Auge springenden Fehlern mag ich an einen kritischen Textvergleich mit dem Original gar nicht denken.
Erlauben Sie mir die betrübte Feststellung, daß eine so drastisch minderwertige Textfassung weder der hübschen Aufmachung des Bändchens entspricht, noch gar - und das ist das Bittere daran - dem hohen Wertanspruch, den der Manuscriptum-Katalog und Ihr Unternehmen insgesamt aufrechterhalten wollen.
Sagen Sie mir, bitte, mit dem gebotenen Ernst: Wie wollen Sie glaubhaft gegen die weithin übliche Trash-Kultur angehen, wenn auch nur eines Ihrer Produkte mit so wegwerfender Achtlosigkeit gefertigt ist? Hat sich der allgemeine Schlendrian nun schon bis Marl durchgefressen? Haben Sie vielleicht einen noch unentdeckten feindlichen Undercover- Schlamper im Betrieb?
Mit dem erneuten Ausdruck meiner empfundenen Enttäuschung, obgleich mit hoffnungsvoll freundlichen Grüßen ...

In der Anlage folgten diesem Schreiben die schlimmsten sieben Übersetzungsfehler auf den ersten acht Seiten. 
Der Brief blieb unbeantwortet. Und der Briefschreiber macht sich so seine dunklen Gedanken.
Die aber waren etwas voreilig. Denn vor kurzem kam das zweisprachige Bändchen neu heraus. Und tatsächlich sind darin nun die angemerkten Fehler - und noch einige mehr - verbessert und bereinigt. Auch das Büchlein wurde auch noch angereichert um"Slovenly Peter", die liebenswerte - und originalbebilderte - Twainsche Nachdichtung des "Struwwelpeter". 
So kommt ein Lesevergnügen manchmal spät, aber immerhin doch noch.
Der Haupttext dürfte bekannt sein. Hier also nur ein Original-Zitat aus der ebenfalls beigefügten Rede "in deutscher Sprache, gehalten vom Autor dieses Buches bei einem Festessen des Anglo-Amerikanischen Studenklubs anläßlich des 4. Juli":

Wenn man aber kann nicht meinem Rede verstehen, so werde ich ihm später dasselbe übersetz, wenn er solche Dienst verlangen wollen haben werden sollen sein hätte. (I don't know "what wollen haben werden sollensein hätte" means, bit I notice they always put it at the end of a German sentence - merely for general literary gorgeousness, I suppose.)

Da aber nun mal nichts vollkommen ist, steht das Gänsefüßchen wirklich und wahrhaftig vor "what" und nicht vor "wollen", wo es hingehört. 
Sollen wir nun Herrn Hoof wieder einen Brief schreiben? Nein, wir bleiben dankbar für das Geleistete und nehmen den Rest mit einem Gramm Salz.

Fritz R. Glunk

Mark Twain
The Awful German Language. Die schrechliche deutsche Sprache
Manusciptum Verlagsbuchhandlung, Waltrop und Leipzig 1999
12,3 x 21,3 Zentimeter, 132 Seiten
DM 14,80, öS 108, sFr 14,--

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