Nr. 17, September 1999
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Die Marginalie
 

 

Goethe und Delacroix

Eugène Delacroix hatte eigentlich beabsichtigt, seine "Faust"-Illustrationen ale eigene Mappe herauszugeben, aber der Verleger überredete ihn, sie zusammen mit der französischen Übersetzung von Albert Stapfer zu publizieren. Das prächtige Gesamt-Werk (siehe Abbildung) ist 1828 bei Charles Motte (Tafeln, teils auf gewalztem Chinapapier) und Gaultier-Lagouine (Text) in Paris erschienen, in Leder gebunden und in Gold geschnitten.
Schon im November 1926 zeigte Eckermann dem Dichter des "Faust" zwei Skizzen dieser Holzstiche: Faust und Mephisto auf den Sturmpferden und die Trinkszene in Auerbachs Keller. Goethe war von Delacroix' ungestümem Strich mehr beeindruckt als begeistert, blieb aber durchaus verbindlich: Der Zeichner sei "ein großes Talent", sagte er zu Eckermann, "das gerade am ‘Faust' die rechte Nahrung gefunden hat. Die Franzosen tadeln an ihm seine Wildheit, allein hier kommt sie ihm recht zu statten." In seinem Brief an den Übersetzer ließ sich Goethe nur wenig deutlicher herbei: "Beide Blätter sind zwar bloß flüchtige Skizzen, etwas roh behandelt, aber voll Geist, Ausdruck und auf gewaltigen Effekt angelegt. Wahrscheinlich gelingen dem Künstler die übrigen wilden ahnungsvollen und seltsamen Situationen gleichfalls, und wenn er sich dem Zärtern auf irgend eine Weise zu fügen versteht, so haben wir ein wundersames, in jenes paradoxe Gedicht harmonisch eingreifendes Kunstwerk nächstens zu erwarten."

Daß Goethes bekannte Angst vor jeder "Wildheit" zumindest in diesem Fall unbegründet war, zeigt die hier abgebildete Szene mit Gretchen und Mephisto, ein Blatt, in dem sich Delacroix sowohl dem Wilden als auch "dem Zärtern zu fügen" verstand.

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