Nr. 16,  August 1999
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Nur "Botschafter des Guten, Wahren"?

Der Leipziger Journalistik-Professor Michael Haller hat vor kurzem "message" aufgelegt, eine neue Zeitschrift, die die handwerkliche Qualität deutscher Printmedien kritisch untersuchen wird. Eine große süddeutsche Tageszeitung hat sogleich ihren Vorwurf bereit: "Statt munterer Aufklärung über das Gute und Wahre, ein paar kluge Analysen und eine Prise Besserwisserei ..." (SZ, 29. Juli). Warum so humorlos? Ganz einfach: "message" nimmt bereits in seiner Startnummer die Orthographie-, Zeichensetzungs- und Grammatikfehler dieser Tageszeitung unter die Lupe und ist auf eine peinliche Bonanza gestoßen - kein Wunder, wenn die Zeitung nicht mal ihre schmollige Erwiderung fehlerfrei hinkriegt: Schon in dem oben zitierten Satz zum Beispiel steht ein Komma zuviel. 
Ein wenig schade an der sehr informativen Website von "message" ist nur, daß sie von ihren Artikeln lediglich appetizers liefert und zum Weiterlesen aufs Abo der Printausgabe verweist. 
Trotzdem: Auch die Online-"message" ist ein notwendiges und lesenswertes Korrektiv.
Hier eine kurze Auswahl der erwähnten Zufallsfunde allein aus dem April 1999:

- »Der Schulleiter aus Bad Bevensen war im Herbst vergangenen Jahres seiner Haustür
         erschossen worden.« 
- »Zu fünf Jahren nur wegen des Verdachts auf Spionage wurde im Rahmen einer
         stalinistischen Säuberungsaktion verurteilt.« 
- »Eine (...) Stellenanzeige hat in Italien einige Aufregung hervorgerufen. Aufgegen wurde sie
         (...)« 
- »Als fünfter Confrater reiht er sich damit r bei den Ahnungslosen ein, (...)« 
- »Daß Bayern (...) geführt werde wie eine potente Aktiengesellschaft, wird mit so als
         kurzlebiges Gerücht entlarvt.« 
- »Doch mit dem Franco-Ära begann der Abstieg.« 
- »Darum habe ich heute alle zur Party eingeladen, die bezeugen könne, daß es diese Zeit
         der Prüfungen wirklich gegeben hat.« 
 - »Schuster war bis Sommer 1998 Jahres Direktor der (...) Nationalgalerie.« 
 - »Auf die Frage, was bei den Kosovo-Albanern die Abkehr zum Pazifismus hin zur
         bewaffneten Auseinandersetzung ausgelöst habe...« 
 - »Das Friedensabkommen für Bosnien, in dem der Westen sich mit Milosevic geeinigt hat
         ohne (...) gesorgt zu haben.« 
 - »Leider ist es genau diese Sicht (...) der Mächtigen, die die Intellektuellen wählen um ihre
         Meinung zu bilden.« 
 - »Stook untersuchte er alte Manuskripte und Aufzeichnungen jungsteinzeitlicher
         Ausgrabungen ...« 
 - »Die Traueransprache bei der Beerdigung seiner Schwester kommt ein britisches
         Schulbuch.« 
- »Vorstandschef Späth beurteilt die Aussichten für 1999 vorsichti.« 
 - »(...) fragt am Ende ein alte Freund aus dem Westen entgeistert.« 
 - »(...) an den Plätzen, wo bei andere Kindern normalerweise die Spielsachen liegen.« 
- »Oft genug ist man (...) auf die Hilfe eines Maklers angewiesen Die Rechnung ...« 
- »(...) innerhalb von sechs Tagen den vorgeschlagenen Vermieter aufsucht odfer ihn anruft.« 
- »Die Runde der letzen acht wird vom 16. bis 18.« 
- »Die Studien über die Folgen von Abnehmen haben sehr unterschiedliche Resultat
         geliefert.« 
- Zu schlechter Letzt: »Wer aber nach dem Blasen vermeintlich zuviele Promille für eine  Halbe Bier habe solle, müsse unbedingt auf der klassischen Blutprobe bestehen. Oberstaatsanwalt Schmid hält den 'Alcoltesters' im Bereich der Ordnungswidrigkeit für sinnvoll. Daß noch keine Einsprüche verlägen, führt er nicht nur auf den kurzen Zeitraum seit Einführung zurück. 'Wer mit Alkohol am Steuer erwischt wird, ist doch, wenn er mit einem Bußgeldbescheid davon kommt.'« Ein paar Zeilen davor findet sich zudem die korrekte, wenn auch merkwürdige Trennung Atemal-koholanalyse«. Zu viele Promille? 

Fehlende Kommas und Punkte, im Nichts endende Zeilen, fehlende oder überzählige Buchstaben, verkorkster Satzbau – woher kommt das? Verläßt man sich zu sehr auf virtuelle Kräfte, wo vigilante Männer fehlen? »Ein wackelnder Stuhl klagt den Tischler an«, sagt Ernst Alexander Rauter. Und Redakteure, die sich bestimmt über wackelnde Stühle ärgern, muten ihren Lesern schlechte Arbeit zu, wo doch korrektes Schreiben auch etwas mit Handwerk zu tun hat. 

Ulrich Schulze, Chef vom Dienst der Süddeutschen Zeitung, ist betrübt und schildert seine Sicht der Dinge. Gewiß, er kann vor der Imprimatur nicht die Zeitung im ganzen lesen. So liegt die Hauptschuld bei ... 
 

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