Die
Gazette Nr. 15, Juli 1999:
Kalenderblätter, sozusagen
Seit September und bis zum Juli dieses Jahres zeigt jede Nummer dieser
Zeitschrift eine Art Kalenderblatt, und zwar als Vorabdruck aus dem „Taschenlexikon
Goethe" von Friedemann Bedürftig, das im Juli 1999 im Piper Verlag
herauskommt. Monatlich bringen wir aus diesem Goethe-Manual einen Artikel,
der den Klassiker auch einmal aus andersartiger, nicht-klassischer Perspektive
betrachtet.
Als zehntes und letztes Stichwort kommen diejenigen dran, ohne die
er nicht geworden wäre, was er ist: die
Verleger
Produktion, nicht Publikation
stand anfangs für Goethe im Vordergrund. Als Resonanz genügte
ihm der Beifall oder die Kritik von Freunden wie Behrisch, Merck oder Herder.
Manches erschien anonym, der Götz noch verlustreich im Selbstverlag.
Die ersten Verlagsausgaben bei Weygand, Vieweg, Unger u.a. waren Achtungserfolge,
doch vom Bestseller Werther etwa hatte weder der Autor noch der Verleger
viel, es profitierten vor allem die Nach- und Raubdrucker. Eine Art urheberrechtlichen
Schutz gab es nicht, allenfalls regional ließ sich mit Privilegien
der einzelnen Länder etwas erreichen, reichsweite kaiserliche Privilegien
achtete kaum jemand, ja nicht einmal der Kaiser selbst, der in seinen Erblanden
Nachdrucker ungerührt gewähren ließ. Goethes erste Werkausgabe
erschien seit 1787 beim Verleger Göschen (1752-1828) und setzte den
Dichter während der Italienischen Reise unter erheblichen Schreibdruck,
dem wir die Versfassung der Iphigenie ebenso verdanken wie den Egmont oder
den Tasso, auch in die Arbeit am Faust kam wieder Bewegung. Ein Erfolg
wurde die bis 1790 abgeschlossene Ausgabe nicht, wofür Goethe weniger
bei sich als beim Verleger die Schuld suchte. Nach einigen anderen Versuchen
fand er schließlich bei Cotta die verlegerische Heimat für die
1806-10 erscheinenden Werke in 14 Bänden, die erweiterte Ausgabe in
20 Bänden von 1815-20 sowie die Ausgabe letzter Hand. Finanziell konnte
Goethe, unterstützt durch Sohn August zuletzt befriedigende Abschlüsse
erreichen, verlegerisch war vor allem die letzte Ausgabe ein langfristiger
Erfolg.
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