Die Gazette Nr. 15, Juli 1999:

Fotogalerie Michael Peuckert

Gast: Hubert Kretschmer


Sängersaal, Neuschwanstein. Originalgröße: DIN A0

Dazu der Fotograf:

Meine Fotografien offenbaren keine greifbaren Gestalten, vielmehr Energien. Abstrakte Bilder fordern Fragen heraus. Bilder aus einer Welt, die so für unser Auge nicht erlebbar ist. Bilder, die eher fühlbar, ertastbar sind, die dem Gleichgewichtssinn und dem Sinn für Temperaturen
und der Töne zuzuordnen sind, weniger dem Gesichtssinn.
Fragen im Bild stehen lassen.

Hubert Kretschmer (Huk)
Geboren 1950 in Grainau bei Garmisch-Partenkirchen, 1969 - 1975 Studium an der Kunstakademie München und an den Universitäten München und Heidelberg, 1972 - 1992 Lehraufträge an den Fachhochschulen für Gestaltung in München und Würzburg, Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler Bayern, lebt und arbeitet seit 1993 in München. Seit 1971 zahlreiche Ausstellungen.
Hubert Kretschmer / Nymphenburger Str. / 32 D - 80335 München
Tel 089 / 12345 30 / Fax 123 86 38 / Email Hubert.Kretschmer@t-online.de

Über die Ausstellung in der BMW-Niederlassung Bayern vom 15. März bis 13. Juli 1999 (auf der auch dieser "Sängersaal" zus ehen ist):
Überall in Neuschwanstein herrscht absolutes Fotoverbot. Nur der Künstler und Kunsterzieher Hubert Kretschmer erhielt eine Foto-Sonderführung. Im Auftrag der Ludwig Musical AG, die das Ludwig-II-Musical für März 2000 in Füssen plant, darf er Fotos schießen. Eine Pentax LX mit 35-70 mm-Zoom in der Hand, blickt er durch den Sucher und führt seltsam kreisende Bewegungen aus. Mehrfach studiert er sie für jedes Foto ein, bis er dann tatsächlich auslöst, ohne durch den Sucher zu blicken. Mal zwei, mal vier Sekunden dauert die Belichtung auf B. Bewegungsrichtung und -art stinimt Kretschmer auf das Motiv ab. Manchmal sind die Bewegungen nur minimal, manchmal ruckartig, mit Pausen dazwischen, was wie eine Mehrfachbelichtung wirkt. Die ruckweise Bewegung beim Sängersaal (Foto oben) ähnelt im Ergebnis eher der pointillistischen Tüpfeltechnik der Impressionisten. Durch ganz Neuschwanstein arbeitet sich der Fotokünstler mit seiner Schwung- und Vibrationstechnik. Die Fotoerlaubnis umfaßte übrigens funf engbeschriebene Seiten. Märchen mussen verwaltungstechnisch gesichert werden.

zitiert aus: hjk, ludwigs erschütterungen, fotomagazin, Mai 1999 (geändert)