| Die versuchte Rettung eines Magazins
Das seriöse FAZ-Magazin gibt in spätestens zwei Monaten auf,
das innovative ZEIT-Magazin gibt es nach dreißig Jahren nicht mehr,
nur das SZ-Magazin macht so schräg irrelevant weiter wie bisher.
Nun hat sich einer aufgemacht, wenigstens die Beilage der ZEIT zu retten;
so nannte er sich auch öffentlich: "Lebensretter". Er heißt
Christoph Lampert (das leicht mißlungene Selbstporträt-Photo
rechts), ist - einem offensichtlichen Selbstinterview zufolge - fünfundzwanzig
Jahre alt und Mathematikstudent. Er hat das Magazin - nein, nicht "an sich
gerissen", sondern einfach herausbekommen, daß die Internet-Adresse
www.zeit-magazin.de noch nicht vergeben ist. Und da machte er jetzt eben
selbst das ZEIT-Magazin. Ein Lebensretter halt. Hier ein Ausschnitt aus
dem Interview, zur neuen ZEIT-Beilage "Leben":
Allein riesige bunte Photos machen doch keinen Ersatz
für das Magazin aus. Seien wir doch mal ehrlich: Das ZEIT-Magazin
war doch von allem, was donnerstags am Kiosk oder im Briefkasten lag, mit
Abstand am besten lesbar: Man mußte es nicht viermal falten, um es
festhalten zu können, es fiel nicht auseinander, wenn man es an der
falschen Ecke anfaßte. Gerade durch seine bewußte Trennung
zum Mutterblatt war das Magazin etwas Besonderes. Das LEBEN ist ein integraler
Bestandteil der ZEIT und leidet am gleichen Problem: Es ist eine Zeitung,
die zu lesen volle motorische Konzentration erfordert. Dann noch Inhalte
oder Gefühle herüberzubringen, ist schwer.
Ein erfrischend haptischer Zugang zur Magazin-Lesekultur war das schon.
Der Anfang seines Internet-ZEIT-Magazins war schmal. Ein Archiv, hieß
es entschuldigend, aber verständlich, "ist leider zur Zeit noch geschlossen",
der Cartoon war eher qualitativ mäßig ausgefallen, aber immerhin
gab es schon ein Editorial, ein Schachproblem, ein interaktives "Fortsetzungsgedicht",
eine (natürlich!) mathematische Rätselfrage, eine Spiele- Kritik
und - neben dem Selbstinterview - zwei kleinere Artikel zu den Themen Currywurst
und Altern im Sommer.
Und warum muß diese Beschreibung im Präteritum stehen? Weil
wenige Tage danach die Adresse nur noch mit der gefürchteten Error-Meldung
404 daherkam: Es gab sie nicht mehr. Die ZEIT ist - nach unüberprüfter
eigener Aussage - daran unschuldig: Sie habe dem Lebensretter lediglich
die Verwendung des geschützten Magazin-Logos nicht gestatten wollen.
Vielleicht erfahren wir ja demnächst mehr über die Kurzlebigkeit
der Seite. Für den Augenblick: schade drum. |

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