Die Gazette Nr. 13, April 1999:

Die Adresse
 
Dalí und Disney

Salvador Dalí hat bei aller skurrilen Selbstveröffentlichung manches von sich geheimgehalten. Auch seine tiefe Religiosität. Sie ist daran erkennbar, daß er zweimal Dantes „Göttliche Komödie" in Bilder gesetzt hat. Das erste Mal, ab 1951,  malte er hundert Aquarelle als Holzschnitt-Vorlagen für eine staatliche italienische Jubiläumsausgabe der „Komödie" zum siebenhundertsten Geburtstag Dantes (1965), die dann aber doch nicht in Italien zustandekam, sondern durch einen Verleger-Mäzen in Frankreich. 
Anfang der sechziger Jahre schuf er einhunderteins Gouachen auf Zellophan (Abbildungen rechts), und zwar für einen Zeichentrickfilm, den niemand anderer als Walt Disney produzieren sollte. Die beiden von sich überzeugten Männer gingen allerdings wieder auseinander, weil darüber zerstritten, ob das Produkt „Ein Film von Walt Disney" oder „von Salvador Dalí" heißen sollte. Disney weigerte sich, den Künstlernamen im Vor- oder Nachspann des Films überhaupt zu nennen, da seine Zeichner grundsätzlich anonym bleiben sollten. 
Seitdem ruhen die Gouachen im Besitz von Dalís Privatsekretärs und Managers John Peter Moore in Cadaqués. 
Erst jetzt wagt sich ein noch etwas geheimnisvolles Team wieder an den ehrgeizige Plan dieses Zeichentrickfilms. Ernst Witzel hat dazu eine Website eingerichtet, in der diese Nachricht zwar verbreitet wird, freilich nur ankündigend und noch kaum substantiiert. Auch auf Anfragen gibt er sich verschlossen. Er sagt nicht, wer den Film nun realisieren wird oder wann mit dem Kinostart zu rechnen ist, betont aber die Ernsthaftigkeit und Solidität, auch die finanzielle, des Projekts. 
Man wird wohl in ein paar Monaten wieder mal nachfragen müssen.


Der gefallene Engel


Zerberus


 Satan im Eismeer