Die Gazette Nr. 12, März 1999:

Die Adresse
 
Bilder für Bücherliebhaber

Innerhalb der Website mit dem stockseriösen Namen „Digitales Handbuch der Bibliothekswissenschaft" (DHB, siehe das ästhetisch mißglückte Logo), nach dem Durchscrollen bis ans Ende des Inhaltsverzeichnisses, stößt man auf ein Link, das sich kryptisch und bescheiden „Milkau Dia-Sammlung" nennt. 
Dort erfährt man erst einmal, wer Fritz Milkau war: bis 1925 Generaldirektor der Preußischen Staatsbibliothek und 1928/29 Gründer und erster Leiter des Bibliothekswissenschaftlichen Instituts an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin. 
Für seine Vorlesungen hatte er sich eine Dia-Sammlung angelegt, und die ist nun hier im Web öffentlich zugänglich. 
Die Sammlung ist alles andere als systematisch, aber dafür hat sie den Charme einer sehr persönlichen Auswahl. Sie ist in folgende neun Kategorien unterteilt: Bibliothek, Skulptur, Geräte/Zubehör, Schrift, Person, Abbildung [sic], Karte, Kirchenbau, Ort. Man sieht, daß nicht alles einen sofortigen Bezug zur Bibliophilie aufweist. Was etwa La Sainte Chapelle in Paris (unter „Kirchenbau") speziell mit Büchern zu tun oder die Universität Göttingen (unter „Ort"), leuchtet nur dem Experten auf den ersten Blick ein. Aber die kleine Suchmühe wird immer wieder belohnt: Unter „Skulptur" zum Beispiel findet sich plötzlich die berühmte Abbildung des altägyptischen Schreibers mit dem Affen des Schriftgottes Thot. 
Anderes steht in offensichtlichem Zusammenhang mit Büchern. Die Abteilung „Geräte/Zubehör" etwa zeigt antike Schreibgeräte und ein Kettenbuch, „Schrift" insgesamt neunundzwanzig Beispiele von Papyri über Ciceros „Res Publica"-Manuskript bis zur mittelalterlichen Unziale und „Person" einige berühmte Bibliotheksgründer, unter ihnen Sir Thomas Bodley, den Begründer der ehrwürdigen Bodleian Library (1598) und „Bibliothek/Innenansicht" einen Blick in den alten Lesesaal des British Museum (Foto). 
Die schönste Abbildung ist unter der schlichten Rubrik „Abbildung/andere" zu finden: die bekannte Bamberger Pergamenthandschrift aus dem 12. Jahrhundert (Foto), auf der zehn Etappen der mittelalterlichen Buchherstellung zu sehen sind, vom Beschreiben des Pergaments bis zum fertigen Codex. Dieselbe Abteilung bietet auch ein sogenanntes Exlibris des Pharao Amenophis III (Foto). 
Eine kleine, überraschende Schatzkiste für Bücherliebhaber. 

 

DHB-Logo
 

British Museum, Lesesaal

Handschrift, 12. Jahrhundert

Exlibris, Amenophis III.