| Bilder für Bücherliebhaber
Innerhalb der Website mit dem stockseriösen Namen „Digitales Handbuch
der Bibliothekswissenschaft" (DHB, siehe das ästhetisch mißglückte
Logo), nach dem Durchscrollen bis ans Ende des Inhaltsverzeichnisses, stößt
man auf ein Link, das sich kryptisch und bescheiden „Milkau Dia-Sammlung"
nennt.
Dort erfährt man erst einmal, wer Fritz Milkau war: bis 1925 Generaldirektor
der Preußischen Staatsbibliothek und 1928/29 Gründer und erster
Leiter des Bibliothekswissenschaftlichen Instituts an der Friedrich-Wilhelms-Universität
in Berlin.
Für seine Vorlesungen hatte er sich eine Dia-Sammlung angelegt,
und die ist nun hier im Web öffentlich zugänglich.
Die Sammlung ist alles andere als systematisch, aber dafür hat
sie den Charme einer sehr persönlichen Auswahl. Sie ist in folgende
neun Kategorien unterteilt: Bibliothek, Skulptur, Geräte/Zubehör,
Schrift, Person, Abbildung [sic], Karte, Kirchenbau, Ort. Man sieht, daß
nicht alles einen sofortigen Bezug zur Bibliophilie aufweist. Was etwa
La Sainte Chapelle in Paris (unter „Kirchenbau") speziell mit Büchern
zu tun oder die Universität Göttingen (unter „Ort"), leuchtet
nur dem Experten auf den ersten Blick ein. Aber die kleine Suchmühe
wird immer wieder belohnt: Unter „Skulptur" zum Beispiel findet sich plötzlich
die berühmte Abbildung des altägyptischen Schreibers mit dem
Affen des Schriftgottes Thot.
Anderes steht in offensichtlichem Zusammenhang mit Büchern. Die
Abteilung „Geräte/Zubehör" etwa zeigt antike Schreibgeräte
und ein Kettenbuch, „Schrift" insgesamt neunundzwanzig Beispiele von Papyri
über Ciceros „Res Publica"-Manuskript bis zur mittelalterlichen Unziale
und „Person" einige berühmte Bibliotheksgründer, unter ihnen
Sir Thomas Bodley, den Begründer der ehrwürdigen Bodleian Library
(1598) und „Bibliothek/Innenansicht" einen Blick in den alten Lesesaal
des British Museum (Foto).
Die schönste Abbildung ist unter der schlichten Rubrik „Abbildung/andere"
zu finden: die bekannte Bamberger Pergamenthandschrift aus dem 12. Jahrhundert
(Foto), auf der zehn Etappen der mittelalterlichen Buchherstellung zu sehen
sind, vom Beschreiben des Pergaments bis zum fertigen Codex. Dieselbe Abteilung
bietet auch ein sogenanntes Exlibris des Pharao Amenophis III (Foto).
Eine kleine, überraschende Schatzkiste für Bücherliebhaber.
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