| Zum hoffentlich letzten Mal: Monica
L.
Das nicht von allen erwartete Buch der Praktikantin kommt jetzt endgültig
am 5. März heraus, gab der Verlag Michael O'Mara bekannt. Beim Schreiben
sozusagen die Hand geführt hat ihr Andrew Morton, der sich durch seine
Prinzessin-Diana-Biographie einen leidlichen Namen gemacht und die Autorin
in den Verlag eingebracht hat. Angeblich hat die Autorin dem Verlag nicht
„for the money" zugesagt: Woanders hätte sie erheblich mehr einstecken
können (das Geld für die 1,2 Millionen Dollar Anwaltsschulden
muß sie jetzt durch TV-Interviews zusammenkriegen).
Der Buchtitel lautet „Monica's Story". Man kennt sie. Im März
kommt die Autorin übrigens zur Promotion ihres Buches auch nach Europa.
Eine ganz andere Story bietet Senator Schippers im vergangenen Impeachment.
Er, als
Republikaner und also Clinton-Ankläger, brachte nicht nur seine
Frau in den Zuschauerraum mit, sondern gleichzeitig auch seine Ex-Geliebte
Nancy Ruggero.
„In jedem Beruf", so der vielseitige Senator in einem Interview im
September 1998, „sollte es moralische Obertöne geben Die Regeln sind
die Regeln sind die Regeln." Und Ehebruch, jawohl, sei eine Todsünde.
Schippers gehört einem päpstlichen Ritterorden mit nur wenigen
hundert Mitgliedern an. Er ist katholisch und hat zehn Kinder. Mehr kann
man von staatstragender Hypokrisie nicht verlangen.
Taslima wieder auf der Flucht
Vor einigen Wochen, nach erneuten Mordrohungen, hat die Schriftstellerin
Taslima Nasreen Bangladesch erneut verlassen und ist in ihr schwedisches
Exil zurückgekehrt.
Bis dahin stand sie in ihrem Land unter Polizeischutz, nachdem ein
islamischer Fundamentalist festgenommen worden war, bei dem eine Liste
zu ermordernder Personen gefunden wurde. Tasliam stand ebenfalls aus der
Liste. Der Festgenommene wird angeklagt, einen in Bangladesch bekannten
Dichter tätlich angegriffen zu haben. Die
Stimmung gegen Taslima ist aufgebracht: Zu Hunderten strömten die
aufgebrachten Muslims durch die Straßen und verlangten Taslimas Tod.
Die Fatwah der islamistischen Fanatiker hat sich die Schriftstellerin
durch ihr Eintreten für Toleranz und mehr Frauenrechte zugezogen.
Gott ist endlich eine Frau
Ein großer Schritt für die britische Methodistenkirche: In
ihrem neuen Gesang- und Gebetbuch hat Gott eine Geschlechtsumwandlung erfahren.
Er ist jetzt eine Frau. Das heißt, er ist immerhin auch eine Frau.
An einer Stelle wird er sogar als „Unser Vater und unsere Mutter" angesprochen.
Die Arbeit an den neuen Buch hat acht Jahre gedauert und fünfzehn
Experten in Anspruch genommen, die sich dreißigmal zu der Überarbeitung
getroffen haben. Sie weisen darauf hin, daß selbst einige englische
Theologen des Mittelalters, etwa Julian von Norwich, Gott als „Mutter"
angesprochen hätten, von einschlägigen alttestamentarischen Bibelstellen
ganz abgesehen.
Immerhin stellen sie auch fest, daß Gott nach der traditionellen
Doktrin geschlechtslos ist.
Unter Aufsicht von CNN
Der Nachrichtensender CNN läßt einen Roman schreiben: im
Internet, über den Kalten Krieg, von jedem, der mitmachen will.
Die Regeln sind einfach: Man schickt sein siebenhundertfünfzig
bis neunhundert Wörter langes Kapitel an CNN (aber bitte nur E-Mail,
Briefe kommen in den Papierkorb, und nur auf Englisch), CNN sucht die besten
heraus, redigiert sie und stellt sie wöchentlich ins Netz. Die Leser
bestimmen danach den Wochen-Sieger. Wer etwas unter dem Namen John le Carré
oder so einsendet, ist aus dem Geschäft.
Ausführlich listet CNN die Rechte auf, die der Sender, honorarfrei
natürlich, an den Texten erwirbt: Er kann sie in jeder denkbaren Weise
verwerten und zweitverwerten, weltweit und für alle Zeiten. Der Einsender
stellt CNN von allen möglichen Schadensersatzforderung und ähnlichen
Klagen frei.
Und CNN hat das Recht, den Fortsetzunngsroman nach eigenem Gutdünken
jederzeit zu beenden.
Ist das jetzt Ausbeutung oder Literaturförderung? Oder bloß
der übliche Medienbetrieb?
Mogeletikett
Bei seiner Autobiographie „Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939-1945"
hat der Autor, der Schweizer Binjamin Wilkomirski, vemutlich doch geschwindelt
(Die Gazette, Dezember 1998).
In der „Weltwoche" hatte Daniel Ganzfried ihn als Bruno Doesseker enthüllt,
der als Bruno Grosjean unehelich in Biel 1941 geboren und dann von dem
Ehepaar Doesseker adoptiert wurde. Beweise dafür konnte Ganzfried
nicht vorlegen.
Die lieferten jetzt jetzt die Schweizer Behörden. Das Bieler Vormundschaftsgericht
teilte am 8. Februar mit, Bruno sei „von Geburt an vormundschaftlich betreut
worden, und es habe „aufgrund derselben Aktenlage keine Veranlassung, einen
etwaigen Kindstausch anzunehmen".
Der Kindstausch ist keine melodramatische Wucherung der Behördenphantasie.
Er ist vielmehr der Grund, den Wilkomirski bisher angab, wenn man auf Widersprüche
in seiner Biographie zeigte: Er habe erst viel später, bei seiner
Einwanderung in die Schweiz 1948, die Identität des Burno Grosjean
übergestülpt bekommen. Aber selbst da kommt ihm das Stadtarchiv
Zürich auf die Spur. Wilkomirskis, d.h. Bruno Doessekers Aufenthalt
in der Stadt ist für den 7. Juni 1945 nachgewiesen. Der Autor hatte
bisher immer darauf bestanden, erst drei Jahre später zum ersten Mal
in die Schweit gekommen zu sein.
Er habe, sagte er verschmitzt in einem Interview, seinem Leser immer
freigestellt, das Buch „als Literaur oder als persönliches Dokument
wahrzunehmen". Klingt wie ein schwacher Advokatenentrick. Es ist aber eine
ziemliche Frechheit, den Leser aufzufordern: Finde doch selbst heraus,
ob meine historischen Tatsachen gelogen sind oder nicht.
Übersetzung auf Eis
Das Buch von Iris Chang „The Rape of Nanking" wird nun doch nicht, wie
geplant, in diesem Herbst in Japan erscheinen. Die Übersetzung ins
Japanische wurde fürs erste angehalten.
„Übersetzung" ist nicht ganz richtig in diesem Fall. Denn Kashiwa
Shobo, der Tokyoter Verlag, möchte gern einige Kapitel von Iris Chang
umschreiben. Und Iris Chang wehrt sich dagegen.
Rechtsgerichtete Kreise in Japan behaupten, die Autorin habe sich in
ihrer Darstellung der japanischen Kriegsgreuel in Nanking 1937/38 „Übertreibungen"
und „Falschdarstellungen" zuschulden kommen lassen. Rechtsextreme Organisationen
hatten dem Verlag sogar mit Gewaltmaßnahmen gedroht, falls er das
Buch herausbrächte.
Ferndiagnose: Mundgeruch
Nicht bloß aus räumlicher, nein, aus der zeitlichen Entfernung
von vierhundert Jahren stellte jetzt Professor Mel Rosenberg aus Israel
William Shakespeare diese peinliche Diagnose. Auf einem Zahnärzte-Seminar
in Stratford-on-Avon teilte er mit, zu Shakespeares Lebzeiten habe es noch
keine Zahnpflege gegeben, weshalb der Autor mit Sicherheit an Zahnverfall,
Infektionen der Rachenhöhle und Mundgeruch litt. Und alle anderen
mit ihm: „Es gab höchstens Mädchen mit wohlriechendem Atem in
einer Million."
Der Experte beschäftigt sich schon seit 1982 mit Mundgeruch („eine
Goldgrube"), auch historisch durch literarische Quellenforschung. Die früheste
Erwähnung hat er in der Genesis gefunden. Seiner Expertenmeinung nach
riechen Politiker am schlimmsten aus dem Mund, weil sie dauernd reden und
im davon ausgetrockneten Mund die Bakterien von keinem Speichelfluß
mehr weggeschafft werden.
Also: Schweigen ist nicht bloß Gold, es macht auch frischen Atem.
Vorsicht, Oklahoma!
Zwei Buchhandlungsangestellte stehen in Tulsa, Oklahoma, vor Gericht.
Ihr Verbrechen: Sie haben eine Handvoll Exemplare des Männermagazins
Penthouse verkauft. In diesem Bundesstaat jedoch ist das Ding „obszönes
Material". Die Höchststrafe beträgt fünfzehn Jahre Gefängnis
und fünfundzwanzigtausend Dollar obendrein.
„Ich meine", sagt der Anwalt der beiden, „hier ist die Verfassung in
Gefahr. Das sollte jedem zu denken geben."
Die Hauptstadt Oklahoma City sorgt auf besondere Weise für sexuelle
Sauberkeit. 1997 marschierte Polizisten von Haus zu Haus und sammelten
die Videokassetten der oscar-bedachten deutschen „Blechtrommel"-Verfilmung
ein. Begründung: obszön, da Sex mit einem Minderjährigen.
Ein Jahr später wurde dann gerichtlich festgestellt, daß der
Film doch nicht gegen die geltenden Gesetze verstößt.
Trotzdem geht einem das „Es gibt noch Richter in Oklahoma" nicht flott
von der Zunge.
Mangelnde Sauberkeit bei Amazon.com
Eigentlich eine gute Nachricht: Der Online-Buchhändler Amazon hat
einen schmutzigen Trick versucht und ist damit gescheitert.
Auf seiner Webseite gibt er regelmäßig Buchempfehlungen
unter dem vertrauenerweckenden Titel „Was wir gerade lesen". Vor kurzem
kam heraus, daß Amazon von einigen Verlagen, die ihre Bücher
dort auch gern gesehen hätten, zehntausend Dollar verlangt und bekommen
hat. Unter einem Hagel öffentlicher Kritik verordnete sich Amazon
jetzt den geordneten Rückzug. Künftig sollen die bezahlten „Empfehlungen"
als solche gekennzeichnet werden, indem sie in einer eigenen Liste erscheinen.
Damit werde die „Sauberkeit", die man von Amazon erwarten dürfe, wiederhergestellt.
„Wir glauben", sagte Amazon-Boss Jeff Bezos, „wir sind der erste Einzelhändler,
der seinen Kunden dieses Information gibt, und wir hoffen, damit einen
Trend in Gang zu bringen."
Irgendjemand sollte ihn mal aufklären: Er muß hier gar keinen
Trend in Gang bringen; er braucht nur die noch halbwegs gültigen Standards
der Printmedien zu übernehmen und bezahlte Anzeigen entsprechend markieren. |
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Späte Autoren-Reue
Besser: Autorinnen-Reue, denn es war Margaret Cook, die
Ex-Frau des gegenwärtigen britischen
Außenministers, die von plötzlichen Skrupeln
befallen wurde. Es tue ihr leid, ließ sie wissen, daß sie ein
Buch über ihre Ehe geschrieben habe. Das sei eine ganz „schreckliche
Sache" gewesen, „so viel Privates und Intimes" sollte man doch nicht entüllen.
Und wenn sie je ihrem Ex-Mann begegnete, würde sie zu ihm sagen: „Sorry,
daß ich dir so viele Unannehmlichkeiten gemacht habe."
Die Autorin schildert den Außenminister als schweren
Alkoholiker, der dem Machterwerb zuliebe alle Prinzipien aufgegeben hat.
„Ich hoffe", sagte sie auch noch, „daß wir uns
als fähig erweisen, wieder Freunde zu sein."
Das hätte sie einfacher haben können.
Kulturminister gegen Bibliotheksschließungen
Es war nicht Michael Naumann, sondern sein britischer
Kollege, Chris Smith, der an hundertneunundvierzig nachgeordnete Behörden
die dringende Warnung herausgehen ließ, Bibliotheken sollten nicht
aus Budgetzwängen geschlossen werden und man solle sich gefälligst
das Ganze nochmal überlegen. Etatkürzungen in diesem Bereich
seien „inakzeptabel".
Eine öffentliche Bibliothek ist, ihm zufolge, kein
überfüssiges „Luxusgut", sondern „die Universität an der
Ecke".
Tintin ein Nazi?
Die französische Nationalversammlung mußte
sich im Februar mit einer Comic-Figur befassen.
Es gibt da nämlich einen Tintin-Fan-Club (Mitglieder:
sechzig Abgeordnete), und Tintin steht neuerdings unter Faschismusverdacht.
Tintin ist in achtundfünfzig Sprachen übersetzt, und noch heute
verkaufen sich von ihm jährlich drei Millionen Exemplare
Genau genommen ist es sein Schöpfer, der Belgier
Hergé, dem jetzt rassistische Untertöne nachgesagt werden.
Er soll mit den Nazis kollaboriert und seine Bildgeschichten ihnen zuliebe
sogar umgeschrieben haben. Speziell „Tintin au Congo" wird als Beispiel
für Hergès kolonialistische, ja antisemitische Überzeugungen
zitiert.
Die Parlamentsdebatte endete ohne Abstimmung, als ergebnislos.
Man braucht sie, meinen wir, nicht noch einmal anzusetzen.
Bill Gates schreibt wieder
Soeben ließ er bekanntmachen, daß sein neues
Buch mit dem lyrischen Titel „Business at The Speed of Thought: Using a
Digital Nervous System" am 24. März herauskommt. Angeblich hat er
ein Jahr lang daran gearbeitet, wenn auch über weite Strecken unterstützt
von einigen Microsoft-Mitarbeitern (trotzdem ist er allein der Autor auf
dem Titel).
Das Buch enthält mehrere Fallstudien von Firmen,
die in vorbildlicher Weise die neueste Kommunikationsttechnologie benützen,
und ist - wie „Der Weg nach vorn" - vornehmlich an Unternehmer gerichtet.
Die Erlöse aus der Publikation werden wohltätigen
Zwecken gestiftet.
Goldjunge!
Neue Grieg-Werke entdeckt
Joachim Dorfmüller, der Präsident der Deutschen
Grieg-Gesellschaft, hat in einem Safe in Norwegen drei vergessene Skizzenbücher
entdeckt und darin Dutzende bisher unbekannter Kompositionen des frühen
Edvard Grieg. Sie zeigen einen eher barocken, noch nicht den romantischen
Komponisten.
Die Gesamtausgabe der Werke Griegs, die zu seinem hundertfünfzigsten
Geburtstag 1993 veranstaltet wurde, muß jetzt einen zusätzlichen
Band 21 bekommen.
Uraufgeführt werden die entdeckten Kompositionen
in diesem Monat in Leipzig, wo Grieg sie während seines Studiums am
Konservatorium 1858 bis 1862 geschrieben hat.
Ein neues neues Zeitalter
Selbst vom aufmerksamen Teil der Öffentlichkeit völlig
unbemerkt, sind wir schon vor vier Jahren in eine neue Epoche eingetreten:
„Seit 1995 leben wir im Zeitalter der Softmoderne." Jedenfalls, wenn es
nach einer obskuren Organisation geht, die sich - welch ein Zufall - „Softmoderne
Online" nennt. Und das Datum kommt daher, daß seinerzeit erstmals
ein gewisses „Festival der Netzliteratur" in Berlin über die Bühne
ging.
Dieser seltsame Verein wünscht sich allen Ernstes,
daß „die Leser endlich User sind", bietet nach eigener Auskunft „eine
Plattform für die kritische Auseinandersetzung mit der Netzkultur"
und Veranstaltungen „zur elektronischen Literatur". Sogar das Goethe-Institut
Prag hat sich letztes Jahr zu so einer verführen lassen. Zeitweise
hing auch DIE ZEIT mit drin, wohl aus Angst, eine technische Neuerung zu
verpassen.
Und nun teilt sogar auch der DuMont-Verlag auf seiner
Internetseite mit, daß mit seinem Literaturprojekt namens „Null"
(gemeint ist logisch das Millenium) die Netzliteratur aus den Windeln kommen
soll.
Wann begreifen diese Leute eigentlich, daß da gar
kein Baby liegt? Daß das Medium allein keine neue Literatur macht?
So schnell kann es gehen
Man braucht nur einen Artikel über die zweihundert
elegantesten Männer dieses Jahrhundert ins Blatt zu nehmen, und schon
ist man, nach achtzehn Monaten, kein Chefredakteur mehr.
Jedenfalls dann, wenn unter den Beschriebenen - neben
Humphrey Bogart und John F. Kennedy - auch Feldmarschall Rommel „und andere
Nazis" sind. Und wenn das Ganze beim Magazin GQ passiert. Und wenn einschlägige
Verbände dagegen protestieren.
Zwischen Condé Nast, dem Verlag, und James Brown,
dem Ex-Chefredakteur, liegen „philosophische Unterschiede", heißt
es jetzt. Brown, unverknittert, „freut sich auf die nächste Herausforderung".
Kein neuer Marathon-Rekord
Die Berliner Morgenpost teilte am 20. Februar mit, der
Weltrekord für die Lektüre von Thomas Manns „Doktor Faustus"
liege bei zwei Stunden, sechs Minuten und fünf Sekunden. Die Mitteilung
ist in starken Zweifel zu ziehen; die nötige Lesedauer liegt eher
beim Drei- bis Fünffachen dieser Zeit.
Anlaß war eine als „Marathon" angekündigte
„Doktor Faustus"-Lesung durch Klaus Maria Brandauer in der Berliner Staatsbibliothek.
Er brauchte allerdings nur gut vier Stunden, wohl deshalb, weil er sich
auf Auszüge beschränkte. Es war eine Benefizlesung, deren Erlös
der Säure-Bekämpfung bei den Bibliotheksbeständen zugewendet
wird. |