Die Gazette Nr. 11, Februar 1999:

Fotogalerie Michael Peuckert

Kamelmarkt, Imbaba bei Kairo, Ägypten

Jede Woche beginnt in der sudanesischen Wüste für Tausende von Kamelen (respektive) Dromedare) der letzter Lebensabschnitt. In einer langen Karawane starten sie zu einer vierwöchigen Reise durch die östliche Sahara nach Kairo. Nahe Imbaba, einem Vorort der ägyptischen Hauptstadt, werden sie dann auf einem mehrere Fußballfelder großen Platz zwei Tage lang wieder aufgepäppelt. Nicht damit sie sich erholen, sie müssen nur gut aussehen. Denn an jedem Freitagmorgen findet hier der Welt größter Kamelmarkt statt.
Noch vor Sonnenaufgang sind interessierte Käufer und die Karawanenführer in teils heftige Preisverhandlungen verwickelt. Wer später kommt, muß nehmen, was übrigbleibt. Nicht Reit- oder Ausdauerqualitäten spielen eine Rolle, es geht ums Fleisch. Die Tiere landen nach eingehender, oft brutaler "Begutachtung" in den Schlachthöfen der 16-Millionen-Metropole.

Ich habe wie wild fotografiert, peitschenschwingende Karawanenführer, Kamele, denen allen der rechte Vorderfuß hochgebunden war und die sich dann in Reih und Glied ballettartig vorwärts bewegten, kleine, überstolze Jungen, die unter der Protektion ihres Vaters auch mal Macht übers Kamel ausüben wollten, in ihre Galabiyas gehüllte, dunkelhäutige Sudanesen, die die Szene scheinbar teilnahmslos beobachteten, Händler, die den Tieren erst die Kiefer auseinanderziehen, um das Gebiß zu sehen, und anschließend Berge von Geldbündeln aus ihren Taschen kramen, die Hektik und das Getümmel, das ausbrach, sobald eines der Kamele durchging, und auch den Abtransport der oft blutenden Tiere habe ich versucht festzuhalten.
Das vorliegende Bild habe ich ausgewählt, weil es einige klar aufgebaute Details zu einer starken Komposition verdichtet: das weit aufgerissene, nach Hilfe oder vor Wut schreiende Maul mit den blutbeschmierten Zähnen, der Arm von links, der den Kopf des Tieres gleich zur Seite zu drücken beginnt, und die beiden Männer im rechten Bildteil, die das Hinterteil des Tieres auf die Verladefläche des Autos zwingen möchten, indem sie aus ganzer Kraft am Schwanz ziehen.

So reich die fotografische Ausbeute dieses Vormittags war, so bedrückend empfand ich die Behandlung und den Schacher um die sonst zu Recht so stolzen Tiere. Das gezeigte Bild gibt diese Information für mich am besten wider.