Gazette 49 Editorial

Immer mehr Kirchenaustritte auf der einen, junge Menschen, die für den Glauben in den Krieg ziehen, auf der anderen Seite. Widersprüchlichste Entwicklungen in verschiedenen Ländern. Wie soll man das verstehen?

Wir fragten den auf Religionssoziologie spezialisierten Wissenschaftler, den Psychiater und natürlich unsere Beobachter verschiedener Regionen – Osteuropa, Frankreich, Türkei, Israel, Afrika. Zurückgekommen sind zwar Berichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln, aber mit nicht gar so unterschiedlichen Analysen. Die eine Erkenntnis lautet: Der Mensch hat ein ausgesprochen starkes Bedürfnis, dazuzugehören. Für arme, ausgegrenzte Menschen sind Kirchen und andere religiöse Organisationen ein möglicher Sammelpunkt. Aber die Religionen eignen sich bestens auch zum Aufbau eines Feindbildes – und Feindbilder werden überall dort gebraucht, wo Menschen nach mehr Macht streben und auf den Zustrom der Massen angewiesen sind. Zu beobachten gerade jetzt auch wieder hier in Deutschland.

Mit einer anderen Art von Glaube hat es zu tun, wenn die Angehörigen der Schweizer Milizarmee ihre Waffen und auch die Munition zu Hause im Kleiderschrank aufbewahren. Auch das ein Thema der vorliegenden GAZETTE.

Nicht mit Glaube und Macht, wohl aber mit Weltanschauung zu tun hat aber ein ganz anderer Beitrag. Es geht um Genuss und Lebensfreude. Seit 500 Jahren. In München. Gerhard Merk und mein Kollege Rudolf Schröck haben sich des Reinheitsgebotes angenommen – ohne dabei abzustürzen.

Ein bisschen stolz sind wir schließlich, dass wir auch eine Geschichte von Peter Orner im Blatt haben. Ein Erstabdruck in deutscher Sprache!

Christian Müller
Chefredakteur